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16.04.1976 - 

Entwicklungstendenzen von DV-Systemen für die Büroautomatisierung:

"Die großen Zentralen sind nach wie vor attraktiv"

Vielfältige Ansätze zur Automatisierung des Büros sind erkennbar. Im Folgenden wird versucht, die Entwicklungsrichtung für den Einsatz zentraler DV-Systeme für Büroautomation abzuschätzen. Dazu wird geprüft, inwieweit die heute auf Zentralisierung gerichteten Kräfte unter dem Einfluß neuer, schon abschätzbarer technologischer Veränderungen wirksam bleiben. Sie werden abgezogen mit den auf Dezentralisierung zielenden Kräften.

Diese Kräfte können grob unterteilt werden in

- technologisch und

- anwendungs- und organisatorisch begründete.

Zu Punkt eins gehört zweifellos, daß mit wachsender Größe (Kosten) des DV-Systems die Leistung überproportional wächst (Groschsches Gesetz). Diese überproportionale Zunahme der Leistung hat im wesentlichen zwei Ursachen:

- die mit der Größe abnehmenden Kosten für ein Speicherelement (DM/bit) und eine Schaltfunktion,

- die mit der Größe wachsende Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Unter dem Einfluß der Fortschritte in der Speichertechnologie und der Erfolge der Großintegration hat eine starke degressive Kostenentwicklung eingesetzt. Sie wird mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führen, daß die erstgenannte Ursache an Einfluß auf die Systemarchitektur verlieren wird.

Obwohl der Erhöhung der Operationsgeschwindigkeit in DV-Systemen natürliche Grenzen gesetzt sind, läßt die systematische Anwendung bereits erprobter Architekturprinzipien (pipeline, array processor, assoziative array processor, multi processor) erwarten, daß die Erhöhung der Leistung von Großsystemen vorläufig noch anhält. Aus dieser Sicht wird sich ein gewisser Trend zu großen Rechnern, die zentral organisiert sind, fortsetzen. Die werden über "virtuelle" Betriebssysteme verfügen und überwiegend fernverarbeitungsfähig sein.

Den zentralisierungsfördernden Kräften stehen drei dezentralisierungsfördernde entgegen:

- der mit dem Zentralisierungsgrad steigende Aufwand für Sicherheit,

- der mit der Größe eines Systems zunehmende Aufwand für Software, und

- die mit dein Zentralisierungsgrad wachsende Vorleistung an Organisationsaufwand.

Eine hohe Sicherheit ist um so notwendiger, je größer die Eindringtiefe in die Organisation und der Durchdringungsgrad ist.

Je zentraler ein DV-System organisiert ist, um so größer muß seine Zuverlässigkeit und Sicherheit sein. Der Preis für Zuverlässigkeit und Sicherheit ist aber jedoch hoch. Die Hoffnung, daß zukünftige Anlagen auch sicherer sein werden, gründet sich darauf, daß die Systeme in sich zunehmend funktional entflechten werden, so daß bisher in softwaremäßig realisierte, in zentralen Speichern hinterlegte Funktionen zunehmend in Hardware verwirklicht und bisher von zentralen Systemteilen wahrgenommene Aufgaben in die Peripherie verlagert werden. Doch wird auch in Zukunft der Grad der Zentralisierung entscheidend von der Sicherheit bestimmt.

Die zunehmende Verschiebung des Kostenanteils von Hardware zu Software in System ist hinreichend bekannt.

Zusammenfassend laßt sich sagen, daß die zu erwartende technologische und systemtechnische Entwicklung die Attraktivität zentraler DV-Systeme durchaus fördert, und daß Zentralrechner um so leistungsfähiger sein werden, je reinrassiger und aufgabenspezifischer sie eingesetzt werden. Ein eindeutiger Trend zu "großen Zentralen" kann jedoch daraus nicht abgeleitet werden.

Die Untersuchung der anwendungs- und organisatorisch begründbaren zentralisierungsfördernden Kräfte wird das Augenmerk auf die Erhöhung der Arbeitsproduktivität im Primärbereich der Büroautomatisierung (Arbeitsplatz, Dienststelle) richten müssen.

Der Einsatz zentraler DV-Systeme bringt eine umwälzende Veränderung der Arbeitsverfahren, der Arbeits- und Ablauforganisation. Deshalb erscheint es gerechtfertigt, den Gesamtrahmen der Aufgaben zu betrachten, die bei einer umfassenden Büroautomatisierung anfallen. Er wird zur Vereinfachung grob unterteilt in folgende Aufgabenfelder:

- Aufgabenfeld zentraler, gemeinsamer Anwendungen

- Aufgabenfeld der Kommunikation anwendungsunabhängig/verarbeitungsneutral

anwendungsabhängig/verarbeitungsunterstützend

- Aufgabenfeld der individuellen Anwendungen.

Diese Felder werden auch in Zukunft durch technische Systeme abgedeckt, die heute schon bekannt, in ihren Leistungen erweitert und in ihren Ausführungen sich vervollkommnen:

- zentrale DV-Systeme

- Systeme der Nachrichtenübertragung und -vermittlung, wie Fernsprechnebenstellenanlagen, Fernschreib- und Datennebenstellenanlagen, Fernmeldenebenstellenanlagen..

- Systeme im Vorfeld der, Datenverarbeitung, wie Vorrechner, Leitungsmultiplexer, Leitungskonzentratoren...

- Terminals und Terminalsubsysteme.

Die Frage nach den Aufgaben, die zentrale DV-Systeme bei der Büroautomatisierung übernehmen werden, beantwortet sich fast von selbst, wenn die Aufgaben des automatischen Büros vor dem Hintergrund der Aufgabenfelder gesehen werden. Dabei muß (..)gestanden werden, daß die Zuordne der Aufgaben und ausführenden Systeme offensichtlich nicht eindeutig sein kann. Sie kann letztlich nur durch wirtschaftliche Kriterien von Anwendungsfall zu Anwendungsfall entschieden werden.

Unter Beachtung der Gesichtspunkte:

- Der Zentralisierungsgrad wird durch die Wirtschaftlichkeit bestimmt,

- Statt Integration Schaffung geschlossener, möglichst entkoppelter Aufgabenbereiche,

- Intelligenz verlagert sich in die Peripherie, könnte das Schaubild einen Hinweis auf das technische Instrumentarium für die Büroautomatisierung geben.

Man darf vermuten, daß die Büroautomation, dem "Prinzip des geringsten Widerstandes" folgend, sich vor "kontext-freien", lokalen Anwendungen über "kontext-arme". zentrale Anwendung nur langsam zu "kontext-reichen", integrierten zentralen Anwendungen ausdehnen wird.

* Heinz Schwärtzel ist Leiter der Abteilung-Systemforschung in den Forschungslaboratorien der, Siemens AG, München, Zentralbereich Forschung und Entwicklung.