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30.05.1986

Die Grundierung des OSI-Bildes ist blau

Wortgleich (und wortreich) versichern die großen DV-Hersteller, OSI als Standard sei abgemachte Sache. Das Gegenteil ist richtig. Da will in Sachen "Open Systems Interconnection" jeder sein eigenes Süppchen kochen. An die leidige Hardware-Abhängigkeit durch "Proprietary"-Software - herstellereigene Betriebssysteme etwa, aber auch geschlossene Architekturen - wagte sich das Branchen-Establishment bislang nicht heran.

Vieles deute darauf hin, so US-Analysten, daß es zumindest zwei "offizielle" OSI-Versionen geben werde: eine von Big Blue - und eine von den Nicht-IBM-Anbietern. Ferner sei zu berücksichtigen, daß der Mainframe-Monopolist weiterhin sein SNA als Netzwerkstandard propagiere. Schließlich könne als sicher gelten, daß der DV-Gigant bereits "OSI-bereit" sei, während die Konkurrenz noch trainiere.

Der Mini-Marktführer DEC zum Beispiel wirkt denn auch, wenn es um Systems Interconnection geht, wie ein Zerrissener. Im Zielgebiet der technisch-wissenschaftlichen Anwendungen zu Hause, mußte er eigentlich mit der Kommerz-Welt der IBM zerfallen sein. Wenn da nicht eine Art von Ohnmacht wäre, der Zwang nämlich, dabeizusein, wobei auch immer - doch stets an den Host-Rockschößen von Mother Blue. So stopft Digital immer mehr SNA-Brückensoftware ins eigene Netz - und die Kluft zu OSI wird immer breiter.

Die Netzwerk-Freiheit haben wir uns etwas anders vorgestellt. Die Grundierung des OSI-Bildes ist dunkelblau - zufrieden sind nur die SNA-Betreiber. Es ist an der Zeit, daß die Grenzen für die OSI-Zukunft neu gesteckt werden. Die Anwender sollten sich das (Pflichten-)Heft nicht aus der Hand nehmen lassen. Sie müssen insbesondere an einem Strang ziehen. Und es wäre absurd, wenn der nicht OSI, sondern SNA heißen würde.

Wann wird das Ziel erreicht sein? Noch lange nicht. Von dem Vorteil der "offenen" Rechnerkommunikation sind offenkundig erst wenige Unternehmen angetan. Der OSI-Idee hat es auch geschadet, daß sich die Bundespost im Schalterbereich für IBMs SNA als Übergangslösung entschieden hat. Das Schwarz-Schilling-Haus hätte als großes Anwender-Unternehmen die Macht, auch einen Hersteller wie IBM nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. Diese Chance wurde leichtfertig vertan. Mit der Entscheidung für das Informationssystem 8100 tat die Post genau das, was vielen OSI-Jüngern als Verrat erscheinen muß.