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04.05.2006

Die günstige IT: Leasing oder Kauf?

Daniela Hoffmann ist freie IT-Fachjournalistin in Berlin.
Die Kreditlinie schonen, stets das neueste Equipment nutzen, kein Ärger mit Altlasten: Die Gründe für IT-Leasing sind vielfältig. Seit Basel II lohnt sich ein Vergleich verstärkt auch für Mittelständler.

Leasingentscheidungen sind entweder innovations-, liquiditäts- oder bilanzgetrieben", beschreibt Kai-Otto Landwehr, Geschäftsführer der "herstellernahen" Siemens Finance & Leasing GmbH, die Motivation deutscher Unternehmen für die Fremdfinanzierung. Als die amerikanische Telefongesellschaft Bell im Jahr 1877 die Idee hatte, Telefone zu vermieten, kam ein Thema auf die Welt, das außer gesundem Cashflow auch steuerliche Vorteile bringt: Die Leasingausgaben lassen sich direkt absetzen und damit investitionsbezogene Steuern wie die Gewerbesteuer verringern. Zudem können die spezialisierten IT-Finanzdienstleister aufgrund der von ihnen übernommenen Restwertrisiken und einer professionellen Wiedervermarktung der Gebrauchtgeräte oftmals günstigere Konditionen bieten als die Bank um die Ecke. Verbreitert hat sich diese Kluft für mittelständische Unternehmen seit der Eigenkapitalrichtlinie Basel II.

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Auch wenn die Anbieter unterschiedliche Namen für ihre Leasingmodelle gewählt haben, gibt es inhaltlich nur wenige Grundvarianten, darunter den Mietkauf. Weitaus am beliebtesten ist jedoch das klassische Leasing mit flexibler Option. Dabei kann der Leasingnehmer am Ende der Laufzeit entscheiden, ob er die Geräte weiternutzen, zurückgeben oder kaufen will. Neben dem klassischen Hardwareleasing werden immer häufiger Gesamtpakete einschließlich Software, Services, Asset-Management und Projektfinanzierung geschnürt. Statt der hohen Anfangsbelastung verteilen sich Investitionskosten so auf längere Zeiträume. Teilweise beginnen die Ratenzahlungen sogar erst dann, wenn das System bereits in Produktivbetrieb ist.

Unabhängige, bankenabhängige, herstellereigene und herstellernahe Gesellschaften tummeln sich im Markt für IT-Leasing, der vom gesamten Leasingspektrum in Deutschland derzeit nur rund acht Prozent ausmacht. "Noch zu viele Unternehmen sehen die IT-Beschaffung als reines Kaufgeschäft", meint Siemens-Manager Landwehr. Ob IT-Leasing jemals die Beliebtheit von Kfz-Leasing - im Geschäftsumfeld etwa 75 Prozent - erreicht, ist indes offen. Bei allen großen Hardwareherstellern gehört die IT-Finanzierung zum Geschäft, denn schließlich ist hier das Interesse am größten, die Nachfrage anzukurbeln. In der Regel haben die Anbieter eigene Leasinggesellschaften: Marktführend ist IBM Global Financing, gefolgt von Siemens Financial Services und HP Financial Services.

Flexibilität ist Trumpf

"Für viele Unternehmen spielt Flexibilität eine wichtige Rolle, dazu gehört das Einbeziehen unterschiedlicher Hersteller und Austauschmöglichkeiten noch während der Laufzeit", sagt Roman Christ, Mitglied der Geschäftsleitung des herstellerunabhängigen Anbieters Grenkeleasing aus Baden-Baden. Während unabhängige Anbieter damit werben, verschiedene Lieferanten in einem Vertrag unterzubringen, haben auch einige große Gesellschaften der Hersteller ein übergreifendes Portfolio im Angebot. Dennoch ist es sinnvoll, en détail zu prüfen, wie es um die Wahlfreiheit in der Praxis bestellt ist. Die Empfehlungen der Hersteller werden letztlich immer in Richtung Homogenisierung gehen, häufig wird auch altes Equipment "rausgekauft".

"Ein besseres Rating unter Basel-II-Gesichtspunkten, die Flexibilität und die Planungssicherheit sind für uns die wichtigsten Argumente, IT zu leasen", berichtet Siegfried Merk, Leiter Zentralbereich Informationssysteme beim Brillenhersteller Rodenstock. Das führende deutsche Augenoptik-Unternehmen mit Sitz in München beschäftigt weltweit rund 4500 Mitarbeiter. "Leasing spiegelt die tatsächliche Nutzung wider", sagt Merk, und: "Der Kauf ist im Vergleich dazu ein relativ starrer und unflexibler Prozess, die Bindung an die Hardware ist höher, da bei Innovationen oft noch Restbuchwerte zu Buche stehen." Da Veränderungen im Bedarf an der Tagesordnung sind, zählt für den IT-Manager vor allem die Flexibilität der Verträge, diese "Changes" auch mitzutragen.

"Uns ist auch wichtig, wie sich der Leasinggeber refinanziert", erklärt Merk. Tut er das über Banken, werden die Summen unter Umständen auf die Kreditlinie des Unternehmens angerechnet. Zudem ist dann auch das Ändern von Verträgen komplexer. Dass sich der Rodenstock-Partner Siemens Finance & Leasing finanziell auf den Siemens-Konzern stützen kann, ist für die Münchner ebenfalls ein Argument dafür, die bereits zehnjährige Zusammenarbeit fortzusetzen. Neben der klassischen Hardwarefinanzierung spielt für den Brillenhersteller auch die Finanzierung von Software im SAP-Umfeld und von IT-Projekten eine Rolle.

"Mit dem Leasingansatz schonen wir die eigene Liquidität", argumentiert auch Arnim Zubke, Prokurist und kaufmännischer Leiter der Mediadesign Hochschule GmbH, Berlin. Das Unternehmen ist zugleich Träger der privaten Mediadesign-Hochschule, die sechs Studiengänge aus den Bereichen Medien, Games und Informatik anbietet. Leasing ist für die Media-Profis besonders interessant, weil sie das Equipment für ihre Studenten bereitstellen - jeder Student erhält für die Dauer des Studiums ein fabrikneues, personengebundenes Notebook. "In der Regel fallen Studiendauer und die Laufzeit des Leasingvertrags zusammen, und die meisten Studenten übernehmen das Gerät gegen eine Schlusszahlung", erläutert Zubke. Der Preis liege dann zwischen fünf und 15 Prozent des Neuwertes.

Langfristig planen

Für Mediadesign stehen Kontinuität und Unabhängigkeit im Vordergrund der Entscheidung zur Fremdfinanzierung: "Bei der Auswahl des Leasinggebers ist es sinnvoll, eine langfristige Zusammenarbeit anzustreben - das spart unter anderem lange Diskussionen über Endwerte von Geräten. Bei Einmal-Geschäften ist das häufig schwierig", meint Prokurist Zubke, der bei der Finanzierung mit Grenkeleasing zusammenarbeitet. Für ihn sei die Herstellerunabhängigkeit des Leasinggebers relativ entscheidend: "Auf diese Weise lässt sich die Gewichtung zwischen den Herstellern leichter verschieben, und wir können immer die aktuell leistungsstärkste Technologie einsetzen", argumentiert Zubke. So sei man flexibel, die Lieferantenauswahl stets neu zu überdenken. Zudem setzt der Hochschulträger darauf, jeweils am Ende des Leasingzeitraums bedarfsorientiert zu entscheiden, welche Stückzahlen neu finanziert werden.

Wohin mit dem Alteisen?

Während sich bei Mediadesign die Altgeräteverwertung teilweise von selbst löst, sind zumeist die Leasinggesellschaften für den Umgang mit ausgemustertem Equipment verantwortlich. Der Werteverfall, auch Downsizing genannt, wird in der Regel von Verwertungsgesellschaften und Asset-Brokern aufgefangen, die die Hardware an den Mann zu bringen wissen. "Nicht selten werden die Rechner auch zerlegt und gehen dann in den Ersatzteilmarkt", verrät Siemens-Manager Landwehr. Der Verkauf in andere Länder sei nicht der einzige Absatzweg, schon wegen der hohen Transportkosten.

Der Kauf sei ungünstig im Hinblick auf die TCO (Total Cost of Ownership), argumentieren Leasingdienstleister. Da der gekaufte PC maximal genutzt wird und im Unternehmen oft vom Chef bis zum Praktikanten weiterwandert, steht der Wartungsaufwand in keiner Relation zum Wert. Im schlechtesten Fall muss bei Ausmusterung der Geräte auch noch für die Entsorgung bezahlt werden.

Wie es um die Kosten bestellt ist, lässt sich anhand der Zinssätze von Krediten und Leasingverträgen prüfen. "Finanzierung durch die Bank oder durch Leasinggeber nehmen sich nicht viel. Ein Prozentpunkt Unterschied wird leicht durch die gewonnene Flexibilität aufgefangen", meint Rodenstocks IT-Leiter Merk.

In jedem Fall ist es sinnvoll, die Alternativen Kauf und Leasing gegeneinander abzuwägen, denn obwohl Leasing in vielen Fällen die bessere Alternative darstellt, gibt es Konstellationen, in denen dabei beispielsweise auf Investitions- und Fördermittel verzichtet werden muss. Fällt die Entscheidung zugunsten von Leasing, steht eine kritische Auswahl des Anbieters auf dem Plan. "Entscheidend sollte sein, dass sich der Leasinganbieter im Bereich IT spezialisiert hat und in diesem Umfeld firm ist", empfiehlt Merk. Immerhin ist die Werthaltigkeit des Equipments ein wesentlicher Faktor bei der Bewertung der Leasingraten - je besser die Weitervermarktung organisiert ist, desto günstiger die Raten. Daneben sollte stets die Seriosität des Anbieters im Vordergrund stehen. (ajf)