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05.12.1986

Die Haltung der Anwender kann offene Standards forcieren

Auch wenn sie mit herstellerspezifischen Netzarchitekturen arbeiten, plädieren alle befragten Anwender für offene Kommunikationsstandards. Daß die Hersteller in den Normungsgremien eine Lobby haben, ist bekannt. Doch für die Großanwender besteht ebenfalls die Möglichkeit, ihre Interessen zu vertreten - sofern sie sich auf die Formulierung gemeinsamer Ziele einigen, stellt Bernhard Rech, Geschäftsführer der Infotrans, fest. Kaufentscheidungen mit Auflagen für die Hersteller zu verbinden, schlägt Robert Lockay, DV-Leiter der Stadtsparkasse Düren, vor. Denn ohne die entsprechenden Produkte setzt sich kein Standard durch. Daß eine Diskrepanz zwischen Normierungsgrad und Funktionalität besteht, konstatiert Harald Nottebohm Kommunikationsleiter bei Hoechst. Die BMW-Bereichsleiter Manfred Bleimeier und Guido Janus argumentieren ähnlich; sie sind sich aber einig, daß die Normierung ein übergeordnetes Ziel darstellt.

Bernhard Rech

Geschäftsführer der Infotrans (DV für die Spedition Schenker & Co. GmbH)

Für den Spediteur sind Kommunikationsstandards verständlicherweise ein wichtiges Thema. Das hat sich mit dem Angebot logistischer Dienstleistungen noch verstärkt.

Unsere Anforderungen an die Postdienste lassen sich formulieren als leistungsfähiges, flächendeckendes, internationales, offenes und natürlich auch kostengünstiges Netz. Verwirklicht haben wir derzeit Datex-L und HfD-Verbindungen. Die standardisierten Postdienste Datex-P und Btx können wir nur in geringem Umfang einsetzen, da Gebührenstruktur oder Leistungsfähigkeit nicht unseren Bedürfnissen entsprechen.

Wir hoffen natürlich auf ISDN: ein Netz, in dem Sprache, Daten, Texte und Dokumente übertragen werden können, entspricht nahezu unseren Idealvorstellungen - vorausgesetzt, es ist bezahlbar und in den Anschlußvoraussetzungen flexibel nach dem Motto "Stecker rein und läuft".

Hinsichtlich einheitlicher Architekturen haben wir mit dem Einsatz von SNA eine Vorentscheidung getroffen, die ohne Zweifel herstellerorientiert war. Immerhin, SNA funktioniert im geschlossenen Netz und hat am Markt die größte Verbreitung.

Für die nahe Zukunft gewinnt für uns das Kriterium des "Offenen Netzstandards" immer größere Bedeutung. Ob dies gleichbedeutend ist mit dem Überwechseln auf den OSI-Standard, läßt sich noch nicht beantworten. Ich habe aber den Eindruck, daß SNA und OSI gar nicht so weit voneinander entfernt sind und IBM um weitere Annäherung bemüht ist. Unter dem Druck des Marktes sieht sie wohl doch mehr Marktchancen wenn sie ihre geschlossene Netzarchitektur öffnet.

Die Arbeit der Normungsgremien ist unentbehrlich für die Entwicklung und Verbreitung von Kommunikationsstandards. So gibt die Ratifizierung von Vereinbarungen dem Anwender den nötigen Rückhalt, einen Standard für eigene Zwecke voranzutreiben. Außerdem kann eine neutrale übergeordnete Instanz einseitige Vereinbarungen eher erkennen und vermeiden sowie die allgemeine Akzeptanz erhöhen.

Die Normgebung wird auch weiterhin von den Herstellern beeinflußt werden. Soweit dies die unteren Schichten des Standards betrifft, ist aus Anwendersicht auch nichts dagegen einzuwenden. Hier kann der Anwender ohnehin nur Einfluß nehmen, indem er aufgrund der Qualität entscheidet. Qualität aber heißt Flexibilität und Offenheit.

Allerdings können und werden auch die Anwender, vor allem die großen, direkt auf die Normungsgremien einwirken. Sie urteilen aber aus einer relativ engen Sicht. Ihre Forderungen sind stark auf das eigene Unternehmen fixiert. Ihre Einflußnahme sollte daher in erster Linie über ihre Verbände erfolgen und sich auf die oberste Schicht, also die Programmund Datenebene, konzentrieren.

Robert Lockay

Leiter der Abteilungen EDV-Organisation und Rechenzentrum, Stadtsparkasse Düren

Eine wichtige Voraussetzung für die Standardisierung der Telekommunikation sind einheitliche Übertragungswege. Für diese "Kommunikationssteckdose " steht das Kürzel ISDN. Um bei dem Vergleich mit der Steckdose zu bleiben: Im Gegensatz zu den Anfängen der Elektrifizierung kommen inzwischen in den meisten Ländern 220 Volt aus der Leitung. Leider sind die Anschlüsse auch heute, hundert Jahre, nachdem die erste Glühlampe brannte, noch nicht genormt. Wer häufig ins Ausland reist, weiß ein Klagelied davon zu singen.

Auch die Kommunikationstechnik steckt, ungeachtet der großen Fortschritte in den vergangenen Jahren, hier noch in den Kinderschuhen.

Das Problem sind die unterschiedlichen Übertragungsprozeduren. Jeder Hersteller hat - gewollt oder ungewollt - eigene Standards entwickelt. Als sich jedoch fast zwangsläufig der Wunsch der Anwender nach Kommunikation untereinander entwickelte, war der Frust vorprogrammiert - die Computer verstehen einander nicht. Die weniger großen Hersteller müssen sich mit viel Aufwand an Personal und Geld an die (den?) großen anpassen.

Was nimmt es da wunder, wenn die Gebeutelten die Initiative ergreifen. OSI heißt das Zauberwort. Unterstützt durch nationale und internationale Gremien wird seit etlichen Jahren an dem Siebenschichtenmodell gewerkelt. Je nach Bilanzsumme und Verbreitung der eigenen Systeme versuchen die Hersteller mehr oder weniger erfolgreich, das Ganze in die ihnen genehme Richtung zu drücken.

Hier sind die Anwender gefordert. Prinzipiell kann Einfluß nehmen, wer die Orders entsprechender Größenordnung mit der Auflage verbindet, entsprechende Standards einzubeziehen. Selbst für die großen Hersteller dürfte es auf Dauer reicht lukrativ sein, ihr eigenes Kommunikationssüppchen zu kochen.

Wenn es gelingen sollte, OSI auf internationaler Ebene als Standard festzuschreiben, sollte das auch für alle nationalen Anwendungen verbindlich sein, Für völlig überflüssig und zeitraubend halte ich es, wenn die ganze Sache nun noch vom DIN, abgesegnet werden muß - um so mehr, als eine DIN-Abordnung bei den ISO-Verhandlungen mitwirkt.

Wenn jeder Hersteller einsieht, daß er nicht allein auf der Welt ist und sein Konzept nicht allen anderen aufzwingen kann, wenn die Anwender ihr ganzes Gewicht in die Waagschale werfen und wenn darüber hinaus die nationalen Postverwaltungen mitziehen, dann sollte es doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht doch eines Tages unsere Kommunikationssteckdose haben!

Manfred Bleimeier

Leiter der Abteilung Standardsoftware, und

Guido Janus

Leiter der Abteilungen Planung, Hard-/Software, Nachrichtentechnik und Netzwerke, Bayerische Motoren Werke AG

Eine Vernetzung zum Zwecke des Datenaustausches ist nicht die Angelegenheit eines einzelnen, sondern eine Maßnahme aller partizipierenden Partner. Es reicht nicht aus, ein "Alphabet" zu besitzen, vielmehr müssen alle Beteiligten die gleiche "Sprache" sprechen. In der Automobilindustrie und bei deren Zulieferern konnte dies durch eine VDA-Empfehlung erreicht werden. Wie wichtig hier standardisierte Protokolle sind, läßt sich am Beispiel Bildschirmtext ersehen. Industrie und Handel haben die Vorteile erkannt und die verfügbare Technik für externe Rechnerkopplungen eingesetzt.

Obwohl es auch zukünftig herstellerspezifische Netzwerklösungen geben wird, streben wir international standardisierte Protokolle (ISO, CCITT etc.) an und unterstützen vielversprechende Entwicklungen auf diesem Gebiet (zum Beispiel MAP/TOP). Solange jedoch kein entsprechendes Produktspektrum vorhanden ist, setzen wir SNA/ IBM und DNA/DEC ein.

Damit ein entsprechendes Produktspektrum zur Verfügung gestellt werden kann, ist es unbedingt erforderlich, internationale Standards zu setzen und sie durch nationale Normen mit weiterreichenden Festlegungen zu ergänzen. Leider werden die Bemühungen des DIN nicht von allen Branchen durch aktive Mitarbeit unterstützt. Vielleicht wir d die Bedeutung der Normen auf dem Gebiet des Datenaustausches unterschätzt. Wer sich eingehend mit der Problematik auseinandergesetzt hat, weiß, wie schwierig die Teilnahme an einem Verbund ist. Eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner verhindert meist den Einsatz der heute zur Verfügung stehenden Technik. Hierbei wäre eine, wenn auch unvollständige Norm noch besser als keine.

Im Interesse der gemeinsamen Verbindungen ist zu hoffen, daß die erfolgversprechenden Absprachen auf nationaler und internationaler Ebene so schnell wie möglich verabschiedet, veröffentlicht und in entsprechende Produkte umgesetzt werden. Wenn die globalen Voraussetzungen (Protokollstandards, Regeln) gegeben sind, werden sehr schnell Normen für Datenformate, Inhaltsbeschreibungen und Nachrichtenaufbauten folgen.

Damit wäre das Verständnis im vorgenannten Sinne, das heißt: eine sichere Übertragung und anschließende Interpretation der Daten zwischen Sender und Empfänger (gleiche Sprache!), hergestellt.

Dr. Harald Nottebohm

Bereichsleiter Kommunikation, Hoechst AG

Alle sprechen von OSI, alle wollen es, immer häufiger tauchen plötzlich neue Akronyme auf - SPAG, MAP, TOP, COS, POSI, EMUG, ISOTOP sind Beispiele.

Der Anwender, der die Materie nicht durchschaut, wundert sich, daß er elektronische Post mit seinem neuen Büroinformationssystem nicht an seinen Partner schicken kann, der sich für ein anderes System entschieden hat.

Wenn man bedenkt, daß das OSI-Modell aus dem Jahr 1973 stammt, und weiß, daß seit dieser Zeit viele Fachleute der Kommunikationstechnik in zahlreichen Gremien dieses Rahmenmodell mit Standards gefüllt haben, dann kann man die Verwunderung des Anwenders verstehen.

Ist es wirklich allein die Komplexität der Kommunikationsvorgänge, die als Hemmnis des Standardisierungsprozesses erscheint? Ich glaube, daß ein wichtiger Zusammenhang übersehen wird. Erst nach der Verabschiedung eines Standards entwickeln die Hersteller entsprechende Produkte. An dieser Stelle beginnt ein Teufelskreis: Der Nachfrager steht vor den Alternativen "hohe Funktionalität in einem herstellerspezifischen Netz" oder "geringe Funktionalität in einem offenen Netz".

In den herstellerspezifischen Netzen kann der Anwender in Datenbanken recherchieren, Applikationen im Dialog fahren und für ihn ähnlich selbstverständliche Dinge tun. Der Preis dafür ist die Abgeschlossenheit des Systems. Auf der anderen Seite ist sich der Anwender bewußt, daß, wenn CIM oder "elektronische Post für alle" keine Schlagwörter bleiben sollen, ein offenes System nötig ist.

Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß sich die heutigen Netze unter Beibehaltung ihrer hohen Funktionalität in Richtung Standards gradlinig weiterentwickeln werden! Offene Systeme beginnen mit wenigen Standards und entsprechend niedriger Funktionalität. Diese wird sich mit dem Hinzukommen weiterer Standards allmählich erhöhen. Das Tempo hierfür ist nicht lediglich eine Frage der Anstrengungen in Normungsgremien oder Interessenvereinigungen. Nur wenn entsprechende Nachfrage verbunden mit Kaufenthaltung gegenüber dem vordergründig leistungsfähigeren Produkt besteht, werden die Hersteller reagieren und Standards schneller in Produkte umsetzen. Nicht Reden, sondern strategisches Handeln ist geboten!