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01.02.1980 - 

Legitimes Interesse der Hersteller an Inkompatibilität, denn:

Die Hardware wird über die Software verkauft

MÜNCHEN (CW) - Portabilität ist die wohl wichtigste Forderung, die an Standardsoftware gestellt werden muß. "Wie hardwareneutral sind Branchenprogramme?", fragte die COMPUTERWOCHE einige Anwender und Softwarehäuser. Daß viele Software-Pakete dem Neutralitätsanspruch nicht gerecht werden, mutmaßt Dr. Hermann Städtler, Geschäftsführer der Dr. Städtler Unternehmensberatung, Nürnberg: "Mitunter ist es billiger, sowohl die Hardware als auch die Software auszuwechseln, anstatt zu versuchen, die vorhandene Software von dem kleinen System auf das größere umzustricken." "Der Herstellerwechsel hat enorme Kosten verursacht", bestätigt Günter Klein, DV-Leiter bei der Alfred Talke KG Spedition, Hürth. Er schließt gerade die Umstellung seiner EDV von der Anlage eines namhaften MDT-Herstellers auf die /34 von IBM ab. Bei einer maßgeschneiderten Organisation, wie sie bei kleineren Betrieben zu finden ist, gibt Eberhard Adolph, Geschäftsführer der Alldata Service GmbH, München, schon mal den Rat: "Nimm die Software und kauf dir den Rechner dazu."

Ob der Anwender auf Hardware-Neutralität seiner gekauften Software hoffen darf, hängt wesentlich davon ab, in welcher Betriebsart gearbeitet wird. Stellvertretend für die Software-Branche, die sich in diesem Punkt einig ist, äußert Adolph: "Im Batch-Teil kann man sich auf Cobol zurückziehen und ist dann weitgehend kompatibel. Im Dialog-Teil haben die Hersteller bei weitem noch nicht die Normierung wie im Batch"

Städtler kann das nur unterstützen: "Zum Teil liegen Probleme in den unterschiedlichen Betriebssystemen, aber weniger im Batch- als im Dialog-Teil." Bei der Übertragung einer Cobol-Version von einem System auf ein anderes habe sich das Zeitverhalten um mehrere hundert Prozent verschlechtert.

Eine monatelange Fleißarbeit sieht Dieter Konertz, Inhaber der Opda Konertz, Leverkusen, in einem Sprachmengenvergleich bei den verschiedenen Herstellern. Hätte man diesen Vergleich, so könnten Programme auf der Basis der geringsten Sprachmenge entwickelt werden, die dann auf allen höherwertigen Systemen laufen würden. Konertz: "Im Grunde sind das ja nur Feinheiten, die nicht sehr viel Zeitnachteile mit sich bringen. Aber die lassen eben so ein Programm nicht laufen."

Mut zum Wechsel

Trotz drohender finanzieller Verluste gibt es Anwender, die sich nicht scheuen, reinen Tisch zu machen. "Software plus Hardware plus Koordination der Hardware mit der Software: Dieses Verhältnis hat überhaupt nicht gestimmt", erläutert Udo Gottschalk, Mitinhaber und Mitglied der Geschäftsleitung der Böhm und Gottschalk GmbH & Co. KG, München. "Wir haben zwei Jahre herumoperiert und mußten dann im Grunde genommen bei Null anfangen, nachdem wir feststellten, daß weder Hardware noch Software hinhauen." Wie Klein wechselte auch Gottschalk von einem bekannten MDT-Hersteller zu IBM. Zunächst mietete er die /32, wobei die gesamte Software von IBM mitgeliefert wurde. Als dann eine /34 ins Haus kam, lief die /32-Software "fast auf Knopfdruck" auch auf der /34. "Es hat sich im Hause gezeigt", erklärt Gottschalk weiter, "daß die Radikalkur richtig war. Wir haben heute ein Leistungsverhältnis zwischen Hard- und Software, das uns sehr befriedigte."

Vereinheitlichung unerwünscht?

Vielleicht hätten die finanziellen Verluste von Klein und Gottschalk geringer ausfallen können, wäre die Software kompatibel gewesen. Städtler vermutet: "Die Uneinheitlichkeit ist zum Teil von den Herstellern gewollt. Wir arbeiten seit Jahren mit verschiedenen Herstellern sehr gut zusammen, aber wir bringen keinen dazu, eine Vereinheitlichung durchzufahren. Die Hersteller wollen im Gegenteil uns Software-Lieferanten binden, nur für ihr bestimmtes System zu arbeiten." Die Begründung dafür liefert Städtler gleich mit. Die Software für Anlagen im unteren Bereich sei in aller Regel das Vehikel, mit dem die Hardware verkauft würde: "Wenn die Software auf die Bedürfnisse des Anwenders zugeschnitten werden kann, ist meist auch die Entscheidung für die Hardware gefallen." Die Bindung an einen Hersteller lehnt Städtler aus Gründen der wirtschaftlichen Unabhängigkeit strikt ab.

Zwar bleibt der schwarze Peter in den wesentlichen Punkten bei den Herstellern, doch können die Grübler in den Software-Häusern ein wenig zur Hardware-Neutralität ihrer Produkte beitragen. "Indem man bei der Konzeption und Herstellung", verrät Adolph, "nicht alle Möglichkeiten, die das einzelne System bietet, von vornherein voll ausreizt. Auch wenn es dem Programmierer noch so in den Fingern juckt."