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10.05.1996 - 

IBM erklärt Mainframe zum Web-Server

Die Hersteller scharen sich um Internet-Sprache Java von Sun

Das Internet boomt nach wie vor. So platzte auch die Internet World im Convention Center in San Jose aus allen Nähten. Einen Teil der 360 Aussteller mußte der Veranstalter Mecklermedia auslagern. Zudem wurden für Konferenzen, Seminare und Workshops die umliegenden Hotels und die Stadthalle belegt.

Beim Gang durch die Ausstellungshallen stachen dem Besucher zwei Begriffe immer wieder ins Auge: Intranet und Java. Das Gros der Hersteller führte mindestens eines der beiden Zauberworte im Marketing-Vokabular. Besonders mit Java hat Sun Microsystems eine Lawine ins Rollen gebracht.

Der Veranstalter hatte also Gespür bewiesen, als er Bill Joy, Mitbegründer der Sun Microsystems Inc. und Vice-President of Research beim Sun-Ableger Javasoft, als Keynote-Speaker einlud. "Dies ist meine aufregendste Zeit seit der Sun-Gründung", umschrieb Joy den Rummel um Java. Für die Programmiersprache, so kündigte er auf der Internet World an, beabsichtigt Javasoft, eine neue Lizenzierungsstrategie zu entwickeln. Um der Scriptsprache zum endgültigen Durchbruch zu verhelfen, wird Java künftig an OEMs und Plattform-Hersteller lizenziert, so daß es als ein Dienst innerhalb des Betriebssystems angeboten werden kann.

Doch mit der eigentlichen Nachricht hielt Joy zurück. Das neue Lizenzierungsverfahren wurde bereits von fast allen namhaften Herstellern wie Hewlett-Packard, Novell, IBM, Sun, SCO, Apple und Microsoft akzeptiert. Damit wird fast jedes heute gängige Betriebssystem künftig Java-Applets aus dem Internet laden können.

Novell und Apple kündigten bereits an, die "Java Virtual Machine", die die Softwarekomponenten auf dem Desktop oder Netzcomputer zum Laufen bringt, zu integrieren. Während Novell sich auf Netware 4.0 als Java-Plattform festlegte, wird Apple erst auf der hauseigenen WWW-Entwicklerkonferenz Ende Mai Näheres bekanntgeben. Auch IBM machte bereits Nägel mit Köpfen. Der Konzern wird, wie auf der Internet World angekündigt wurde, Java auf allen hauseigenen Betriebssystemen inklusive der Mainframe-Versionen integrieren.

Letzteres könnte einen Trend widerspiegeln, den IBM zu initiieren versucht. Der Mainframe soll als Internet-Server einen Platz im Unternehmen finden. "Bis vor kurzem wurde der Mainframe noch totgeredet", sagte Linda Sanford, General Manager der S/390-Division auf der Messe. Innerhalb von zwei Jahren habe IBM die Architektur des System/390 jedoch komplett überholt und zu einer offenen Plattform für das Internet und das Intranet gemacht, rührte die Managerin die Werbetrommel. Investitionen in Höhe von drei Milliarden Dollar, die Anwender laut Sanford bisher in Software-Applikationen für die S/390 gesteckt haben, sollen somit für das Netz der Netze geschützt werden.

Mit derartigen Altlasten muß sich Microsoft nicht herumschlagen. Dennoch fällt es gerade der Gates-Company schwer, neue Initiativen im Internet-Markt zu starten. Das Unternehmen sieht sich der ungewohnten Situation gegenüber, den Markt nicht maßgeblich beeinflussen und in die gewünschten Richtungen lenken zu können.

Mit Java, so der Ex-Borland-Chef und langjährige Gates-Konkurrent Philippe Kahn, hat Microsoft erstmals einen De-facto-Standard in Lizenz genommen, der nicht im eigenen Hause entwickelt wurde.

"Auf der Internet World des nächsten Jahres werden wir jede Menge Java-Applikationen sehen", prophezeit Kahn. Darunter werden sich auch Lösungen von Microsoft befinden, selbst wenn die Liebe der Softwerker zu dem Sun-Produkt nicht allzuweit geht.

Anders als alle anderen Betriebssystem-Hersteller wird Microsoft etwa nicht die Java Virtual Machine in Windows 95 und Windows NT integrieren, sondern einen Umweg über den eigenen Browser "Internet Explorer" einschlagen. Zwar verriet der via Satellit der Internet World zugeschaltete Bill Gates dem Publikum, an einem Just-in-time-Compiler interessiert zu sein, schwieg sich jedoch darüber aus, ob Java letztlich auch als Dienst eines künftigen Microsoft-Betriebssystems zur Verfügung stehen wird.

Microsoft nimmt den Intranet-Markt ins Visier

Andere Microsoft-Quellen deuteten dagegen an, der Just-in-time-Compiler werde künftig Bestandteil des für Mitte des Jahres angekündigten Internet Explorer werden. Sollte schließlich, wie Analysten erwarten, dieser Internet-Browser mit Windows 95 verschmelzen, hätte Microsoft einen langen Umweg in Kauf genommen, um Java in das eigene Betriebssystem zu integrieren.

Weniger Berührungsängste zeigt die Gates-Company gegenüber dem Intranet. Auf Basis des Internet Explorer und des "Internet Server" präsentierte Microsoft die Implementation eines Kunden, der die Internet-Kapazitäten auch für die hausinterne Kommunikation und die Gruppenarbeit nutzt. Über das Internet lassen sich etwa Dokumente von zwei Mitarbeitern gleichzeitig bearbeiten. Zudem transportiert das Netz der Netze parallel die Sprache, so daß die Partner während der gemeinsamen Bearbeitung einer Datei oder Grafik miteinander diskutieren können.

Das sind allerdings keine Alleinstellungsmerkmale Microsofts. Um dieselben Kunden bemüht sich etwa Netscape. Der Stand des Internet-Überfliegers war - wenig überraschend - permanent von einer Menschentraube umgeben. Zu sehen gab es die ersten Implementierungen des Navigator 3.0, die laut Netscape erste Integration der Programmiersprache Java (vgl. CW Nr. 18 vom 3. Mai 1996, Seite 2).

Darüber hinaus wird die neue Browser-Software überarbeitete Sicherheits- und Administrationsfunktionen aufweisen. Völlig neu im Netscape-Produkt ist die Integration der Softwareprodukte "Liveconnect" und "Cooltalk". Erstere erlaubt das Einbinden von Bewegt- und 3D-Bildern. Web-Entwicklern stellt Netscape ein Tool zur Verfügung, mit dem sie interaktive Objekte entwerfen und HTML-kompatible Seiten inklusive Live-Inhalten entwerfen können.

Cooltalk ist dagegen die Erweiterung um Gruppenarbeits-Funktionen. Neben dem Dokumenten-Sharing ermöglicht das Produkt auch das Telefonieren via Internet. Die Betaversion von Navigator 3.0 liegt zum kostenlosen Download unter der Adresse http://home.netscape.com bereit.