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22.02.2002 - 

Umsatzprognosen für das laufende Jahr gesenkt

Die Heyde AG verfehlt klar ihre Ziele

MÜNCHEN (ba) - Nach den vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr verbucht die Heyde AG mit 120 Millionen Euro zwar 4,3 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr, verdoppelt aber den Verlust auf knapp 50 Millionen Euro. Als Konsequenz stellt Vorstandschef Dirk Wittenborg seinen Posten zur Verfügung. Analysten rechnen mit dem Schlimmsten.

"Ich bin nicht sicher, ob die Heyde AG in ihrer jetzigen Form überlebt", warnt Michael Bahlmann, Analyst bei MM Warburg. Dass der Vorstandschef zu diesem Zeitpunkt ausscheidet, lasse nichts Gutes ahnen. Wie ernst es um das Unternehmen stehe, könne man anhand der wenigen jüngst veröffentlichten Eckdaten jedoch noch nicht sagen.

Die vorab publizierten Zahlen verheißen stürmische Zeiten für die Heyde AG. Danach beläuft sich der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 120 Millionen Euro. Das bedeutet eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 4,3 Prozent. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen beträgt knapp 50 Millionen Euro und hat sich gegenüber dem vorangegangenen Jahr verdoppelt. Auch die Zahlen für das vierte Quartal enttäuschen. Mit einem Umsatz von 25 Millionen Euro und einem Verlust von 6,5 Millionen Euro wurden die Erwartungen deutlich verfehlt. Analysten hatten mit Einnahmen von 30 Millionen Euro und einem Minus von 3,6 Millionen Euro gerechnet.

"Da ist ziemlich viel falsch gelaufen", vermutet Bahlmann. So seien die vielen Zukäufe der vergangenen Jahre sicher ein Grund für den Niedergang des Unternehmens gewesen. Die Verantwortlichen hätten bei den Akquisitionen nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen. Vieles habe nicht zusammengepasst. Außerdem habe der Konzern in einigen Fällen auch zu viel bezahlt. Letztendlich sei die Expansion Heyde über den Kopf gewachsen.

Die ersten Konsequenzen aus dieser Entwicklung hat Vorstandschef Wittenborg gezogen. Er stellte seinen Posten zur Verfügung. Sein Vorgänger, Firmengründer Dieter Heyde, war im Februar 2001 von seinem Amt zurückgetreten. Wittenborg hatte zu seinem Amtsantritt einen umfangreichen Sanierungsplan präsentiert. Doch weder der Verkauf von Firmen noch die Konzentration auf das Kerngeschäft wie Dienstleistungen für die Logistik-, Banken- und Versicherungsbranche brachten den gewünschten Erfolg. Zukünftig soll der ehemalige Chief Financial Officer Axel Buchholz, der erst im Oktober 2001 von Mannesmann VDO zu Heyde wechselte, den Konzern leiten.

Nach Einschätzung Bahlmanns machte Wittenborgs Konzept einen vernünftigen Eindruck. "Er bemühte sich, den Karren aus dem Dreck zu ziehen." Angesichts des Wildwuchses aus verschiedensten Aktivitäten musste sich Heyde von bestimmten Bereichen trennen. Einmal, um sich flüssiges Geld zu verschaffen, zum anderen, weil das Geschäft zu unüberschaubar geworden war. Die Fokussierung auf Dienstleistungen im Logistik- und Finanzbereich, mit denen Heyde groß geworden war, schien der richtige Weg. "Das hat aber offensichtlich nicht ganz gereicht." Die Frage, ob Wittenborg das Handtuch auf eigenen Wunsch geworfen hat, könne man momentan nicht beantworten.

Die Anleger quittierten die schlechten Nachrichten aus der Bad Nauheimer Firmenzentrale mit einer Kurssenkung um 25 Prozent. Der Wert des Papiers rutschte unter die magische Marke von einem Euro. Als Folge schloss die Deutsche Börse AG im Rahmen einer planmäßigen Überprüfung Heyde zum 18. März 2002 aus dem Nemax-50-Index aus. Maßgebliche Kriterien in Sachen Marktkapitalisierung und Börsenumsatz seien nicht mehr erfüllt, so die Begründung. Laut Bahlmann kam der Rausschmiss nicht überraschend. Allerdings dürfte diese Maßnahme nicht Heydes Hauptsorge sein. "Die haben viele Probleme. Ob sie im Nemax 50 sind oder nicht, gehört bestimmt nicht dazu." Die Heyde-Verantwortlichen müssten zusehen, das operative Geschäft wieder in die Gänge zu bekommen.

Wie das konkret aussehen soll, ist bislang nicht klar. Für das kommende Geschäftsjahr hat der Konzernvorstand die Umsatzerwartungen um 15 bis 20 Prozent gesenkt. So rechnet Buchholz mit Gesamteinnahmen von unter 100 Millionen Euro. Analysten wie Felix Ellmann von SES Research waren ursprünglich von einem ausgeglichenen Ergebnis für das kommende Jahr ausgegangen. Da Heyde angesichts des erheblichen Barmittelverbrauchs nach wie vor auf die Unterstützung der Hausbanken angewiesen und branchentypisch ein schwaches erstes Quartal zu erwarten sei, könne sich die Situation in den nächsten Wochen kritisch verschlechtern.

Laut Udo Becker, Pressesprecher bei der Heyde AG, wird es bis Mitte März dieses Jahres dauern, bis die weiteren Schritte des Unternehmens feststehen. Der bislang eingeschlagene Restrukturierungskurs soll weiterverfolgt werden. So sei man im Heyde-Management bis Mitte November letzten Jahres noch davon überzeugt gewesen, auf dem richtigen Weg zu liegen. Dass es steil bergab ging, sei nicht absehbar gewesen. "Es hat uns dann doch kalt erwischt", räumt Becker ein.

Das Unternehmen müsse jetzt energisch eine Restrukturierung und die Fokussierung auf seine Kernkompetenzen betreiben, fordert der Sprecher. Der Weg soll beibehalten werden, man müsse aber mit größeren Schritten vorankommen. Welches Szenario dann letztendlich umgesetzt werde, stehe noch nicht fest.

Spekuliert werden dürfte jedoch im Kreis der Heyde-Angestellten, vermutet Bahlmann. Hier herrsche momentan große Unruhe. Insider wollen bereits von einem weiteren Stellenabbau wissen. Inwieweit dies im Rahmen der künftigen Restrukturierung eintreffen werde, lasse sich laut Becker noch nicht sagen.