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30.08.2007

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Marktanalysten geben Linux-Desktops noch keine Chance. Die Erfahrungen aber sprechen dafür.

Dass Linux längst dem Nischendasein entronnen sei, verkünden Marktanalysten seit einiger Zeit. Bei Servern hat das Open-Source-Betriebssystem den Höhepunkt seiner Erfolgsgeschichte noch nicht einmal erreicht. Aber bei Desktops tut sich nichts. Laut Gartner arbeitet weltweit ein Prozent der PC-Anwender in Unternehmen auf Basis von Linux. Bis 2008 sollen es gerade einmal 2,8 Prozent werden. "Bisher waren Migrationen vernachlässigbar", bilanziert Analyst Gordon Haffa von Illuminata. Selbst in der öffentlichen Verwaltung Westeuropas liefen 95 Prozent der PCs mit Windows, ergänzt IDC. "Microsofts größter Wettbewerber sind weiterhin ältere Versionen der eigenen Software", stellt Gartner fest.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/ 583789: Die Strategie der sanften Migration;

1220183: Das Desktop-Linux-Projekt in Solothurn;

590694: Die Linux-Projekte in München und Wien;

1220132: Linux-Desktop-Management.

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warum die Anwender vor Linux auf dem Desktop zurückschrecken;

wo sich die sprichwörtliche Katze in den Schwanz beißt;

was sich ändern muss, damit Desktop-Linux ein Erfolg wird;

welche Beispiele Mut machen können.

Die Distributionsklassiker haben das Feld weitgehend aufgegeben. Red Hat hat die Desktop-Seite an das "Fedora"-Projekt übertragen, die "Workstation"-Variante von Red Hat Enterprise Linux existiert seit März dieses Jahres nicht mehr. Auch Novell betreibt mit OpenSuse Privatanwender-Outsourcing, es gibt allerdings noch den Suse Linux Enterprise Desktop. Die südafrikanische Canonical-Distribution Ubuntu hat das frei gewordene Terrain besetzt, sich aber in professionellen Umgebungen noch keinen Namen machen können.

Die Gründe für die kaum spürbare Akzeptanz von Linux auf Desktops in professionellen Umgebungen sind zahlreich. Im Zentrum steht dabei längst nicht mehr der alte Vorwurf, es gebe einfach zu wenige Anwendungen für das alternative Betriebssystem. Tatsächlich fehlen einige, für die es keine ernsthafte Alternative gibt, Photoshop zum Beispiel. Und wo zahlreiche Windows-basierende firmeneigene Programme und Makros laufen, kann die TCO-Berechnung, die eigentlich dank fehlender Lizenzkosten für Linux sprechen sollte, gegenteilig ausfallen.

Das Problem heißt "Catch 22"

"Es geht um das Trägheitsmoment der installierten Basis, um die Herstellerbezogenheit der Applikationen und der Daten", erklärt IDC-Analyst Andrew Brown auf Nachfrage der computerwoche. Dieses Beharrungsvermögen hat in den letzten Jahren immer wieder die Hoffungen der Open-Source-Gemeinde zerschlagen. Aber auch an herstellerseitigen Initiativen fehlt es nicht. Zuletzt präsentierten auf der Linuxworld in San Francisco unter anderen IBM, Novell, Dell und Wyse neue und preislich sehr attraktive Linux-Desktop-Lösungen (siehe "Alle wittern das Open-Source-Geschäft" in CW 33/2007, Seite 5).

Doch das Problem heißt unverändert "Catch 22": Unterhalb eines gewissen Verbreitungsgrads ist Linux für Softwarehersteller keine vielversprechende Umgebung, was wiederum den Zuspruch für das Betriebssystem hemmt, weshalb es bestimmte wichtige Applikationen nicht gibt. Auffallend ist, dass sämtliche Überlegungen über diesen Knackpunkt bisher vor allem um den klassischen Fat Client kreisten. Linux und Open Source sind nicht verbunden mit einer Alternative zu diesem kostspieligen IT-Arbeitsplatzmodell. Erst in jüngster Zeit geht es stärker um Linux und Thin Clients.

Die Analysten sehen den Hebel inzwischen nicht mehr beim Betriebssystem als Kern des Wandels. "Um Linux auf dem Desktop zum Erfolg zu verhelfen, muss OpenOffice erfolgreich werden", meint IDC-Analyst Brown: "Weil dieses Büropaket auf Windows sehr gut läuft, wäre ein konstanter Aufstieg von OpenOffice oder StarOffice auf Windows-Basis ein Indikator für eine Bewegung zu Linux." Haben Anwender sich erst einmal an eine andere und doch gar nicht so viel andere Anwendung gewöhnt, ist ihnen das ohnehin kaum spürbare Betriebssystem darunter egal.

Neue Konkurrenz für Windows

Gartner-Analyst Michael Silver teilt diese Ansicht, sieht aber noch zwei weitere gleichzeitige Entwicklungen: "Web-2.0-Anwendungen wie Google Docs und Spreadsheets werden eine größere Bedrohung für MS Office als Open-Source-Büropakete." Denn sie sind zum einen Betriebssystem-agnostisch, zum anderen nehmen sie den Anwendern nicht ihre gewohnten Werkzeuge weg, sondern erweitern sie und ersetzen sie schleichend. Zweitens mache die herstellerunabhängige Standardisierung der Office-Formate die quelloffenen Büroalternativen gegenüber Microsofts Office attraktiver.

Allerdings wird es doch wohl eines weiteren Moments bedürfen, bis in größerer Zahl Unternehmen und Verwaltungen von Windows auf Open Source umschalten: IT-Verantwortliche können diesen unverändert als radikal geltenden Umbruch dann besser ihren Management-Kollegen oder Vorgesetzten verargumentieren, wenn sie auf Beispiele verweisen können, welche "die üblichen Bedenkenträger" zu überzeugen vermögen. Dabei hat sich die notwendige Argumentationskette verschoben.

Es reichen nicht mehr mutige und Mut machende Pioniere wie die Stadt Schwäbisch Hall. Hier ist es gelungen, mit Open-Source-PCs die Kosten der IT radikal zu senken und dabei das Serviceangebot ohne höheren Personalaufwand zu vergrößern. Inzwischen hat man hier gar Linux-Thin-Clients in Betrieb. Solche Beispiele, auch aus anderen Gemeinden, werden zu wenig propagiert.

Administrationsprobleme bleiben

Viel mehr Publicity haben die Desktop-Migrationen der Großstädte München und Wien erfahren. Doch mindestens ebenso schlagzeilenträchtig und meistens inkorrekt wurde in den Medien von Problemen in München berichtet. Oder davon, dass in Wien die Anwender selbst entscheiden könnten, ob sie nun Windows oder Linux haben wollten. Auch falsch! Richtig ist vielmehr, dass in den Projekten "Limux" und "Wienux" zahlreiche Probleme einer Desktop-Migration in großen heterogenen Umgebungen gelöst wurden. Seither stehen einem Umstieg technisch keine großen Hürden entgegen.

Gleichwohl hat sich unter IT-Kennern herumgesprochen, dass die Migration von Closed auf Open Source zwar die Lizenzkosten senkt, aber an einer weiteren kostspieligen Desktop-Problematik nichts ändert. Der Wandel der Umgebung behebt noch nicht das eigentliche Großproblem das der Administration danach. Im Schweizer Kanton Solothurn ist man dieses bei der Umstellung von 2000 Desktops gleich mitangegangen und hat es mit Open-Source-Dienstleistern gelöst. Der Solothurner IT-Leiter Kurt Bader: "Bis jetzt funktioniert alles sehr gut. Ein riesiger Fortschritt." Das macht nicht nur Hoffnung, sondern könnte auch zu mehr Nachahmern führen.