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08.12.2004

Die Hürden der Domino-Integration

Dr. Michael
IBM versprach, ab Version 6.5.1 die Entwicklung von Lotus Domino und aller darauf basierenden Zusatz-produkte zu synchronisieren. Im Zusammenspiel der Software gibt es aber noch einige Defizite.

Aufgrund des Erfolgs von Lotus Notes/Domino versucht die IBM Software Group, mit komplementären Produkten vom "Domino-Effekt" zu profitieren. Durch Eigenentwicklungen und Zukäufe wurde die Produktpalette sinnvoll ergänzt und in ein einheitliches Marketing-Konzept eingebunden. Nicht wenige Großkunden erweiterten ihre umfangreichen Notes-Umgebungen mit diesen Zusatzprodukten. Doch für den großen Erfolg stand sich die IBM bislang selbst im Weg.

Nicht nur dass man Kunden und Partner durch teilweise mehrfaches Umbenennen der Produkte verwirrte (die ursprünglichen Produktnamen sind in der Praxis heute noch im Gebrauch). Durch die unterschiedlichen Entwicklungszyklen der Produkte kam es teilweise zu aberwitzigen Abhängigkeiten beim Zusammenspiel der Softwarekomponenten. Offensichtliche Abstimmungsprobleme führten zu kuriosen Inkonsistenzen in der Dokumentation. Und manchmal wurden einer neuen Version gleich mehrere Critical Fixes hinterhergeschickt, damit das Ganze überhaupt funktionierte.

IBM gelobte Besserung, und beginnend mit dem Release 6.5.1 wurden die Entwicklungszyklen der Produkte synchronisiert. Im Frühjahr 2004 war es dann so weit, der Notes-Client konnte nicht nur asynchron mit dem Domino-Server kommunizieren, sondern auch synchron mit dem "Instant Messaging and Web Conferencing Server" (vormals "Sametime"). Dank "Domino Web Access" lässt sich die eigene Mail komfortabel über das Web verwalten. Und mit "Team Workplace" (vormals "Quickplace") können Projektdatenbanken gemeinsam genutzt werden. Auch die Dokumentenverwaltung "Domino Document Manager" (ehemals "Domino.doc") profitiert nun auch von synchronen "Wer-ist-online"- und Chat-Funktionen sowie der gemeinsamen Nutzung von Anwendungen.

Praxis sieht anders aus

Das alles klingt zu schön, um wahr zu sein. In einem Praxistest zeigte sich, dass der Weg zur Lotus-Integration noch immer recht steinig ist. Schon die Auswahl der notwendigen Hardware ist nicht ganz unproblematisch. Mit dem Umstieg von Domino 5 auf die Version 6 als Basis für die Zusatzprodukte hatte sich IBM von der Möglichkeit verabschiedet, alle Zusatzprodukte auf einem Server installieren (und ausprobieren) zu können. Mit dem Release 6.5.1 ist dies zwar technisch wieder möglich, IBM rät aber außer zu Demonstrationszwecken dringend davon ab.

Da ein solches Setup in einer Produktionsumgebung keine Chance haben dürfte, wurde der Praxistest auf die wichtigsten drei Zusatzprodukte beschränkt und jedem der Produkte ein eigener Server gegönnt. Die Installation der drei als Grundlage notwendigen Domino-Server geht problemlos vonstatten. Verfährt man dabei jedoch in gewohnter Weise, so kann das später bei den Zusatzprodukten zu Problemen führen, die eine Neuinstallation erzwingen. So sollten etwa die verwendeten Verzeichnisnamen besonders kurz sein, damit anschließend die maximale Länge von Umgebungsvariablen nicht überschritten wird.

Die Dokumentation schweigt sich aus

Die Installationsdokumentation schweigt sich über dieses Detail aus und lässt auch sonst entscheidende Hinweise vermissen. Der einzige Lichtblick ist ein jüngst erschienenes IBM-Redbook (http://www.redbooks.ibm.com/abstracts/sg246357.html?Open) mit dem Titel "Lotus Domino 6.5.1 and Extended Products". Doch auch diese Quelle ist mit Vorsicht zu genießen.

An vielen Stellen der Dokumentation wird von einer Wahlfreiheit zwischen dem Namens- und Adressbuch von Domino sowie einem LDAP-Verzeichnis als zentralem Directory gesprochen. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass nur LDAP eine weitgehend problemlose Integration aller Produkte mit Instant Messaging ermöglicht. Zentraler Punkt für die Konfiguration ist daher die Einrichtung des LDAP-Verzeichnisses und des Single-Sign-On (SSO) für alle Server.

ProblemkandidatInstant Messaging

Die Installationsroutine des "Instant Messaging and Web Conferencing" stellt die etwas unglücklich formulierte Frage, ob man ein Tunneling über HTTP möchte. Die Brisanz dieser Entscheidung wird aber in der Dokumentation nicht deutlich. Mit HTTP-Tunneling kann man die Integration auch über eine Firewall oder ein Proxy im Extranet/Internet nutzen, doch diese Option geht spürbar auf Kosten der Performance. Ein Revidieren der Entscheidung zwang im Test zu einer Neuinstallation, da eine Änderung der Konfiguration - wie sie die Dokumentation beschreibt - nicht erfolgreich war.

Hat man das Instant-Messaging-Produkt auf einem eigenen Domino Server installiert, so kann man seine Funktionen nach nur wenigen weiteren Konfigurationsschritten in allen Notes-Clients nutzen. Auch für langjährige Benutzer ist es ein echtes Aha-Erlebnis, wenn sie unmittelbar sehen können, welche Kollegen gerade online sind und zum Beispiel für eine Rückfrage zu einer E-Mail angesprochen werden können.

Domino Web Access

Schon die Integration von Domino Web Access mit dem Instant-Messaging-Produkt verlangt allerdings Handarbeit. Sie erfordert das Kopieren von Dateien und Verzeichnissen zwischen den Servern. Dabei muss man die Groß- und Kleinschreibung der Verzeichnisnamen unbedingt beachten, sonst werden die entsprechenden Klassenbibliotheken nicht gefunden.

Warum man bei einem koordinierten Release aller Produkte auf einem Versionsstand die notwendigen Dateien nicht automatisch installiert, bleibt ein Geheimnis von IBM. Ein nachträgliches Kopieren auf Dateiebene kennt man sonst nur von Open-Source-Produkten oder vom Einspielen von Patches. Wenn diese Hürde erst einmal genommen ist, dann hat man allerdings eine bruchlose Integration des Instant Messaging in Notes und das Web.

Team Workplace

Spätestens bei der Installation von Team Workplace geht es dann ans Eingemachte. Das Setup des Produktes selbst ist noch völlig problemlos. Team Workplace wird über einen bestehenden Domino Server installiert, man teilt dem Team Workplace Server die Adresse des LDAP-Server mit und schon geht es los.

Richtig spannend wird aber auch hier die Integration mit Instant Messaging. Dafür ist wiederum viel Handarbeit notwendig, die eigentlich auch die Installationsroutine erledigen könnte. Doch trotz buchstabengetreuer Ausführung der Installationsanweisung aus der Dokumentation, den Release-Notes und dem Red Book tat sich nach dem Kopieren und Konfigurieren erst einmal gar nichts.

Erst nach einigem Nachbohren, das weniger erfahrene Anwender überfordern kann, stellt sich heraus, dass statt des erhofften Zusammenspiels nur munter Java Exceptions der Art "Class not found" produziert werden. Nach weiteren Recherchen zeigte sich, dass mindestens eine weitere Klassenbibliothek kopiert werden muss, um die beiden IBM-Produkte zur Zusammenarbeit zu bewegen. Auch diese Datei hätte man besser schon mit der Installationsroutine einrichten können. Aber nicht genug damit, die Dokumentation erwähnt dieses Problem mit keinem Wort.

Ist die Integration erst einmal gelungen, kann man problemlos zwischen den Anwendungen wechseln und ist immer sichtbar und erreichbar. Ob man über das Internet mit Kunden in einem Team Workplace zusammenarbeitet oder in einer Notes-Datenbank Arbeit intern erledigt, immer bleibt das unsichtbare Band mit den Kollegen geknüpft.

Perspektiven für Eigenentwicklungen

Wie wir uns an bei anderer Gelegenheit überzeugen konnten, funktioniert die Integration auch mit den weiteren Lotus-Produkten Domino Document Manager und Domino Workflow für die Vorgangssteuerung sowie bei selbst entwickelten Domino- oder Web-Anwendungen. Insbesondere in der Vorgangssteuerung ist es hilfreich zu wissen, wer gerade einen Fall bearbeitet, wenn zum Beispiel ein Kunde wegen einer Nachfrage zurückruft.

Für die Entwicklung eigener Anwendungen eröffnet die Integration völlig neue Perspektiven, denn der Zusammenhang, in dem zum Beispiel ein Team an einer Aufgabe arbeitet kann programmtechnisch frei definiert werden. Damit lässt sich auch die synchrone Kommunikation über das Instant Messaging bruchlos in eigene Anwendungen integrieren. (ws)