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22.09.2000 - 

Microsoft-Technik raus - Java-Komponenten rein

Die Hypo-Vereinsbank ändert ihr Online-Konzept

MÜNCHEN (CW) - "Webpower" nennt die Hypovereinsbank (HVB) die Initiative, die ihrem elektronischen Geschäft konzernweit neue Grundlage verschaffen soll. Dazu gehört die technische Erneuerung. Die IT-Strategen der Bank tauschen Microsoft-Technik durch Java-Komponenten und Sun-Hardware aus.

"Unser jetziger Web-Auftritt passt nicht zu einem Finanzhaus, das sich mit der Deutschen Bank messen will", begründet Stefan Spannagl, Direktor der HVB-Zentrale und Leiter Electronic Business Technology, die Erneuerung des Internet-Konzepts. Bedingt durch die Integrationsaktivitäten nach der Fusion der Hypo- mit der Vereinsbank seien bisher zu wenig Ressourcen für den Online-Auftritt frei gewesen. Deshalb habe der Konzern in diesem Sektor einen Nachholbedarf, was die Technik, den Umgang mit Kunden und den Vertrieb von Bankprodukten angehe.

Spannagl macht den Mangel an der bisherigen Trennung von Information und Interaktion auf den HBV-Websites fest. Noch immer liege das Gewicht des Web-Auftritts auf der Präsentation. Daneben gebe es lediglich einen Applikationsblock für das Direct Banking. Dieser Monolith werde nun quasi "zerhackt", in eine neue Technik gegossen und die Funktionskomponenten mit den Informationen gekoppelt.

Die neue Lösung ermöglicht etwa eine interaktive Beratung durch Web-Agents. Der Berater im Call-Center benutzt dazu dieselbe Site, die der Kunde vor sich hat, und kann seine mündliche Auskunft zu den Fragen des Online-Kunden eventuell mit schriftlichen Ausführungen und grafischen Darstellungen ergänzen. Interaktionen dieser Art plant die HVB insbesondere für Bankprodukte, bei denen der Erklärungsbedarf hoch ist, die Abschlussrate im Web hingegen gering, etwa bei einem Immobilienkredit.

Zugleich soll sich das Customer-Relationship-Management (CRM) verbessern. So vereinheitlicht die HVB im Rahmen von Webpower auch ihre Datenbasis. Ob ein Kunde an den Bankschalter geht, sich online oder telefonisch meldet, das Softwaresystem kann ihn identifizieren, und die Bank ihren Kunden gezielt mit Informationen und Angeboten versorgen. Letztlich stärkt somit die neue technische Basis für das E-Business den HBV-Vertrieb insgesamt.

Zwar hätten sich die technischen Neuerungen auch mit Microsoft-Technik bewerkstelligen lassen, räumt Spannagl ein, doch nähmen die Softwerker aus Redmond in diesem Segment keine Führungsrolle ein. Zudem erlaube das E-Commerce per Definition nur offe-ne Systeme, die eine Einbettung von Fremdanwendungen ermöglichen und die Kommunikation mit unbekannten Systemen bei Nutzern und Geschäftspartnern gewährleisten. Softwareseitig sieht der HBV-Manager diese Offenheit durch die Java 2 Enterprise Edition (J2EE) von Sun gegeben. Hardwareseitig setzt er auf die Enterprise Server des Typs E 10000 desselben Anbieters.

Die Grundkomponenten der geplanten Anwendungen wollte die HVB nicht komplett neu erstellen. Die Entwickler entschieden sich stattdessen für die "E-Business-Suite" von Abaxx. Sie besteht zunächst aus einer Workflow-Komponente, mit der sich Geschäftsprozesse abbilden lassen.

Auf dieser Grundlage setzen die "Engines" auf, Komponenten, die Interaktionen zwischen den Endkunden, Partnern und dem Unternehmen steuern. Die unternehmensindividuellen Prozesse für den elektronischen Dialog lassen sich grafisch modellieren und in der Beschreibungssprache Extended Markup Language (XML) implementieren.

Die HVB wird nahezu alle verfügbaren Abaxx-Engines nutzen und zusammen mit dem Hersteller sowie mit Unterstützung des Beratungshauses Andersen Consulting fehlende Module schreiben. Die "Core-Engine" beispielsweise dient der Erfassung von Benutzern und deren Aktionen wie Navigation, Anschauen oder Kaufen von Produkten sowie Dienstleitungen und Stornierungen. Zudem verwaltet sie die Benutzerrechte. Durch die "Address-Check-Engine" lassen sich Adressen überprüfen und leichte Schreibfehler mittels Fuzzy Logic korrigieren. Mit Hilfe der "Tracking-Engine" möchte die HVB Benutzerprofile erstellen. Die "Search-Engine" ermöglicht die Produktsuche in Katalogen und Recherche nach redaktionellem Inhalt. Dabei funktioniert die Content-Suche in Form einer Volltextrecherche auf indizierten HTML-Seiten. Die Suchanfragen selbst und ihre Darstellung gestaltet die HVB. Keine Verwendung hat die Bank derzeit für die "Auction-Engine", da der Konzern keine Pläne hinsichtlich Online-Auktionen verfolgt. Außerdem erweist sich die "Payment-Engine" für den Bankbetrieb als ungeeignet.

Die Engines sind auf Enterprise-Javabeans-fähigen Applikations-Servern lauffähig. Diese übernehmen die Transaktionskontrolle. Das Finanzhaus hat sich für "Web Logic" von Bea Systems entschieden, auch wenn Spannagl den "Websphere-Server" von IBM für zunehmend attraktiv hält.

Zurzeit entwickelt ein 100-köpfiges Team an der technischen Internet-Plattform (Tip). Darüber hinaus entstehen bereits Lösungskomponenten, und zwar in drei Webpower-Projekten (siehe auch CW 14, Seite 57: "Die Hypo-Vereinsbank setzt auf SAP und WAP"): Für den Relaunch der Internet-Sites arbeitet die HVB bei der Entwicklung vom Java Server Pages (JSPs) und HTML-Seiten mit Razorfish zusammen. Hinzu kommen ein Business-Gate, das zur CeBIT vorgestellt werden soll, und das Immobilien-Portal "Planethome", welches in der kommende Woche präsentiert wird.

Die Lösungskomponenten nennt Spannagl "Construction Aids". Sie reichen von komplexen Algorithmen bis zu ganzen Frameworks, zum Beispiel für das Brokerage. Dem HBV-Direktor zufolge lassen sie sich in beliebige Softwarearchitekturen einbinden. Sie könnten wie Bausteine verwendet werden, die die Entwicklung neuer Anwendungen erleichtern und beschleunigen. Schon die bisherige Anwendungserstellung hat, so der Bankdirektor" erheblich an Fahrt gewonnen", die Teams arbeiteten nun etwa doppelt so effektiv wie zu Projektbeginn. Für das Planethome-Portal benötigten die Entwickler insgesamt rund siebeneinhalb Monate.

HVB in einer DreiecksbeziehungAufgrund der Vorteile existiert ein Konzernbeschluss, der die Verwendung der Technik und der Module auch in den Tochtergesellschaften der HVB vorsieht. Ab Frühjahr 2001 wollen die Vereins- und die Westbank die Plattform einführen und die Bank Austria beginnt damit in diesem Herbst nachdem sie ab dem 27. September zum Konzern gehört.

Eine Halbierung der Entwicklungszeit durch die Construction Aids könnte auch andere Banken und E-Business-Dienstleister interessieren. Durch den Erlös, so die Planung, will die Bank rund die Hälfte ihrer Entwicklungskosten wieder hereinholen.

Die Vermarktung übernimmt der Entwicklungspartner Abaxx. Die Vermarktungsabsichten begründen zudem die weitreichende Kooperationen mit Andersen Consulting. Das Beratungshaus lotet beispielsweise die Absatzchancen für die Komponenten aus der Entwicklungspartnerschaft von HVB und Abaxx aus. Außerdem soll es zu den Construction-Aids-Projekten seine Management-Erfahrungen beisteuern. Die HVB und ihre Partner planen, die ersten Produkte innerhalb eines Jahres auf den Markt zu bringen - nachdem der Konzern sie schon eine Weile nutzt.