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Wiederverkäufer an die Leine gelegt


20.12.1991 - 

Die IBM bindet Mikrocode für AS/400 an neues Lizenzverfahren

LONDON/MÜNCHEN (jm) - Mit restriktiven Maßnahmen versucht IBM, wieder die Kontrolle über die AS/400-Verkäufe zurückzugewinnen. Um zu verhindern, daß Wiederverkäufer mit einer Mikrocode-Lizenz versehene gebrauchte Systeme weiterreichen, ohne daß der Käufer bei der IBM um eine neue Lizenz nachfragt, vergibt Big Blue in Zukunft den Mikrocode nur noch in Verbindung mit Seriennummern für jeweils bestimmte Prozessoren und Gehäuse.

Nach dem Kauf eines Prozessormodells muß der Neukunde dessen Seriennummer der IBM bekanntgeben, wenn er die Erlaubnis bekommen möchte, seine Hardware auch zu betreiben. Von dieser Regelung nicht betroffen sind diejenigen Käufer, die direkt bei der IBM Kunden sind.

Auch Big-Blue-Kunden werden allerdings insofern von IBMs neuer Lizenzierungspolitik betroffen sein, als sie beim eventuellen Verkauf ihrer AS/ 400-Systeme feststellen müssen, daß sich deren Wiederverkaufswert durch die nun von Big Blue gestartete Aktion mindert. Zudem beschneidet die IBM ihnen nun die Option, bei unabhängigen Händlern zu günstigen Preisen Hardware-Upgrades zu kaufen oder zu mieten.

Zudem dürften Leasingunternehmen sowie Second-hand-Verkäufer durch IBMs Versuch, die auch bei den Midrange-Systemen schwindenden Profite durch Lizenzierungsrestriktionen aufzubessern, in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Bundesrepublik gehört nach Aussagen eines Branchenkenners der Marktbeobachtungsfirma Technology Investments Strategies Corp. übrigens noch zu den wenigen Ländern, in denen die AS/400 mit überdurchschnittlichen Verkäufen aufwarten kann.

Big Blue hat in die Lizenzierungsregelung nicht nur neue, sondern auch alle bisher verkauften AS/400-Systeme einbezogen. Deshalb vertreten Insider die Meinung, es dürfte Mother Blue nicht ganz einfach fallen, die Kontrolle über zukünftige Verkaufsaktivitäten bei ihrem letzten noch einigermaßen erfolgsträchtigen proprietären Hardware-Angebot zu behalten. Da Kauf- und Wiederverkaufsaktivitäten weltweit - etwa über den großen Teich zwischen den USA und Europa abgewickelt werden, konnten Kaufinteressenten in diesem globalen Wettbewerb nach Ansicht von Branchenkennern bislang sowohl beim Kauf als auch Verkauf einen guten Schnitt machen. Schon bei der Einführung der neuen D-Modelle im Frühjahr 1991 wartete die IBM mit einer unliebsamen Überraschung für ihre AS/400-Kunden auf: War das Prinzip der Neulizenzierung bei aktualisierten Betriebssystem-Versionen bislang auf den Mainframe-Bereich beschränkt, teilte die IBM Käufern ihrer Midrange-Systeme nach der Produktpräsentation in einem Rundschreiben mit, daß man in Zukunft verstärkt Software berechnen werde.

Im Original-Wortlaut las sich das so: "Heute (22. April 1991, d. Red.) führt IBM das Konzept von Softwareversionen für das System IBM AS/400 ein." Weiter verlautbarte Big Blue verärgerten Kunden, "periodisch" würden umfassende Sets neuer Versionen der Systemsoftware mit signifikant neuen Funktionen freigegeben. Diese Einführung," so der Schlüsselsatz, "... wird normalerweise von Lizenzgebühren für Versionswechsel begleitet."

Jede Änderung muß teuer bezahlt werden

Bei zukünftigen Softwareversionen seien für den Wechsel von Version zu Version grundsätzlich Lizenzgebühren zu entrichten. Meinte ein sichtlich düpierter AS/400-Anwender gegenüber der CW: "Die werden in Zukunft jede kleinste Betriebssystem-Anderung als signifikant verkaufen und satt Geld dafür haben wollen."

Im folgenden Satz liefert Big Blue die Erklärung für ihr jetzt bekanntgewordenes Lizenzierungsgebaren: "Kunden, die von einem Prozessormodell auf ein anderes umsteigen, werden wie bisher zusätzliche Lizenzgebühren für die Software in Rechnung gestellt." Hieran scheinen sich Leasingunternehmen und Wiederverkäufer nicht unbedingt gehalten zu haben.

Um dem ihr mit ihren eigenen Systemen entstandenen internationalen Wettbewerb einen Riegel vorzuschieben, verlangt die IBM bei zukünftigen Prozessor-Upgrades oder -Auswechslungen durch dritte Anbieter eine entsprechende Meldung an Big Blue. Armonk übersendet nach Bekanntgabe sowohl der Prozessor- als auch der Gehäuseseriennummer unentgeltlich ein Band mit dem Mikrocode, dem sogenannten "Model Unique Licensed Internal Code".

Dieser Code muß vor jedem Prozessorwechsel wieder an die IBM zurückgesandt werden. In der Vergangenheit hatten Händler und Leasingunternehmen gebrauchte Maschinen samt Mikrocode weitergereicht, ohne Big Blue zu informieren.

Eine Anfrage um Stellungnahme bei der IBM Deutschland GmbH beantwortete ein Unternehmenssprecher zurückhaltend. Von der neuen Regelung wisse er nichts. Allerdings sei es in der Tat so, daß man sich bei Big Blue Gedanken über AS/400-Verkäufe gemacht habe, bei denen der lizenzpflichtige Mikrocode zusammen mit dem veräußerten System entgegen vertraglichen Regelungen weitergegeben wurde. "Oft wußten die Käufer allerdings gar nicht, daß sie ihre Systeme eigentlich unrechtmäßig in Gebrauch genommen hatten", versuchte der Sprecher abzuschwächen.

Ungemach erzeugt bei Käufern von über den internationalen Handel erworbenen AS/400-Systemen auch, daß die IBM die Internal-Code-Bänder erst nach drei bis sechs Wochen bereitstellen kann. Offizielle Erklärung hierfür: Die Armonker ließen sich immer erst die Daten eines potentiellen Käufers übersenden, um sie vor Ort zu überprüfen, bevor die Bänder überstellt würden. Diese Prüfung aber dauere ihre Zeit.

Leasinggeber gehen davon aus, daß IBMs neue Lizenzierungspraktiken sie zu höheren Mietraten und Preisen von gebrauchten AS/400-Systemen zwingen werden, während Verkäufer mit niedrigeren Erlösen aus Midrange-Computern rechnen müssen.