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02.10.1992

Die IBM des Softwaremarktes

"Ich kenne nur einen Menschen, der noch weniger Freunde hat als Saddam Hussein und das ist Bill Gates."

Paul Grayson, dem dieses Zitat zugeschrieben wird, ist President von Micrografx und einer von vielen, die erleben durften (oder mußten), was es heißt, ins Fadenkreuz der Interessen von William H. Gates III zu geraten.

Abgesehen von Graysons unzweideutiger Bilanzierung des zwischenmenschlichen Kurswertes von Gates, ist der texanische Software-Entwickler auch deshalb interessant, weil sein Unternehmen wegen der kompromißlosen Ausrichtung auf die Entwicklung von Windows-Anwendungen am Tropf des PC- Betriebssystem-Monopolisten aus Redmond hängt.

Deshalb wohl wagten die Texaner seinerzeit nicht, trotz wahrscheinlich guter Argumente den Lebensborn Microsoft aus gegebenem Anlaß mit einer Klage zu überziehen.

Diese Haltung ist symptomatisch für die gesamte PC-Branche. Alle wollen im Windschatten eines Gewinnerproduktes Brosamen des Microsoft- Erfolgs aufsammeln.

Alle erzeugen damit eine Sogwirkung, die wiederum dem Produkt und damit Microsoft zugute kommt. Und alle sitzen deshalb früher oder später in einem Boot, dessen Fahrtrichtung und Ziel einzig Captain Gates vorgibt.

Ruthann Qindlen, die 1986 über die Investmentbanker Alex. Brown & Sons intensiv in das Procedere der Börseneinführung von Microsoft eingebunden war, bezeichnet die Leute aus Redmond denn auch als IBM des Softwaremarktes.

Bedenklich ist, daß auch die Schwergewichte der Branche vor Microsoft das Knie beugen: Egal, ob die in Sachen Umsatz 30mal größere IBM ihre komplette PS/I-Linie mit Windows ausstaffiert oder ob HP und DEC danach trachten, Windows NT auf ihre RlSC-Systeme zu portieren alle denken in einer kollabierenden DV Branche kurzfristig an ein Allheilmittel, zementieren damit aber vor allem den Standard Microsoft.

Mit dem Wosa- Konzept holt der Fuchs Gates nun zum großen Wurf über die PC Welt hinaus in Richtung Unternehmens-DV aus: Ungeniert erntet er dabei mit seinen Schnittstellenanleihen aus dem Unix- Lager, was Unix- Adepten gesät haben.

Wenn er es fertig bringt, Windows NT -Vorsicht Novell! - als (Netz-) Betriebssystem der Zukunft in den Köpfen der Anwender zu verankern, wenn er es ferner schafft, Wosa als Bindeglied zu den existierenden heterogenen Groß-DV-Rechnerwelten und damit als eierlegende Wollmilchsau für die Lösung der Altlastenproblematik

zu verkaufen - dann hat William H. Gates III alle im Sack. Ob die FTC-Behörde das noch verhindern kann, mag bezweifelt werden.