Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

10.11.1995

Die IBM implodiert: Wende oder Vakuum?

ieter Eckbauer

Die Anwender werden schon merken, was sie an Microsoft und SAP haben. Das ist nicht als Verheissung gemeint. Sehen wir uns in der DV-Welt um, so gibt es das Phaenomen, dass zwar die Marktelemente zugenommen haben - Microsoft und SAP stehen ja fuer eine Vielzahl ehrgeiziger Spezialanbieter -, dass damit aber aus der Sicht des IT-Managements keineswegs eine Verbesserung der Kundensituation verbunden ist. Die Folge ist vielmehr Laehmung, sind erste Anzeichen von Chaos. Die Probleme liegen tiefer als Mainframe- Erosion, Middleware-Mangel und PC-Explosion. Die Verwirrung resultiert aus dem Irrglauben, man koenne Markt nur mit Herrschaft haben, woran die IT-Manager in der IBM-Aera gewoehnt waren. Es musste schiefgehen. Das Ergebnis kennen wir.

Die IBM implodiert. Treffender kann nicht beschrieben werden, was derzeit mit Big Blue passiert, auch wenn die IBM-Lesart natuerlich eine andere ist. Nur widerlegt sich die Gerstner-Company selbst, wenn sie die Rezentralisierung als neuen Erfolgsweg preist (vgl. CW Nr. 44 vom 3. November 1995, Seite 1: "Deutsche IBM loest sich vom dezentralen Ansatz"). Die Aufspaltung in kleine, autonome Einheiten noch unter dem Gerstner-Vorgaenger Akers hatte doch gerade das Ziel, die Organisation zu entschlacken, Buerokratie abzubauen und damit die Erstarrung zu ueberwinden - aus der richtigen Erkenntnis heraus, dass der Riesentanker IBM manoevrierunfaehig geworden war. Die Fakten sprachen fuer diese Annahme.

Nun befiehlt Gerstner: Kommando zurueck. Man koennte der Argumentation durchaus folgen, wenn sie nicht so offenkundig um Beschwichtigung bemueht waere, was sich in der Floskel "Die Erwartungen an die (Holding-)Organisation haben sich erfuellt" ausdrueckt. Natuerlich haben sich die Erwartungen der IBM- Konzernspitze im Hinblick auf die Tochtergesellschaften nicht erfuellt. Warum stuelpt Gerstner denn die Organisation erneut um? Weshalb sollte nicht die naheliegendste Ueberlegung auch die richtige sein: Die IBM zieht sich aus Geschaeftsfeldern zurueck, die sie nicht "beherrscht" - im doppelten Sinne des Wortes -, die ihr auch kein Geld bringen.

Fuer die IT-Manager bei den Anwenderfirmen stellt sich das so dar: Die IBM implodiert, ist in bestimmten Bereichen einfach nicht mehr praesent. Die Anspielung auf ein dunkelblaues Loch, in dem ein Vakuum entsteht: Schwarzmalerei? Wenn schon. Viele IT-Manager sind zutiefst verunsichert, stehen auf den Truemmern einer DV-Politik, die sich am Quasi-Monopolisten IBM orientierte. Nicht wenige sehnen sich wieder nach einer starken Ordnungsmacht im DV-Markt, die Microsoft nicht sein kann, auch SAP nicht - diese Vorstellung koennen sich Gates und Hopp abschminken.

Fuer die IT-Manager ist Nostalgie natuerlich auch keine Loesung. Sie muessen Microsoft & Co. nehmen, wie sie sind. Markt, der auf das Prinzip von Missbrauch und Unterordnung verzichten kann, ist nur mit selbstverantwortlicher Leistung der Anwender zu haben: Die Anbieter werden zu Partnern. Dann kommt man auch ohne eine "starke" IBM aus.