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20.01.1978 - 

The Waves of Change

Die IBM-Strategien

Alle IBM-Systeme und -Konzeptionen für dezentrale Datenverarbeitung sind an einer hierarchischen Netzwerkstruktur orientiert. Kennzeichnend dafür ist die starke Abhängigkeit zwischen Terminals, Controllern, Multiplexern, Konzentratoren und Front-End-Prozessoren auf der einen und dem übergeordneten zentralen Hostrechner auf der anderen Seite.

Von einer "Dezentralisierung der Kontrolle", ein Approach, der einen leichteren Austausch der einzelnen Systemkomponenten durch Produkte anderer Hersteller ermöglichen würde, scheint IBM nichts Wissen zu wollen.

In der gegenwärtigen Marktsituation werden führende Mainframe-Hersteller wie IBM, Univac, Burroughs, Honeywell und NCR ihre DP-Konzepte weiter forcieren.

Größere Systemzuverlässigkeit, vermehrte Ausbaufähigkeit leichtere Implementierung und gesteigerte Datensicherheit spielen hier eine zentrale Rolle. Diese "Hochkonjunktur" der dezentralen Datenverarbeitung läßt sich heute nicht mehr als kurzfristiger Modetrend abtun. Hier sind vielmehr wichtige Neuentwicklungen zu er warten.

Die spezielle Strategie des Marktführers IBM für die Bereiche Datenkommunikation und Dezentrale Datenverarbeitung wird auch für den Outsider zunehmend deutlicher. Aufgrund der Informationen, die aus dem Rechtsstreit mit Telex publik geworden sind und unter Berücksichtigung der Trends, die sich in IBM-Informationen und -Präsentationen für User-Gruppen abzeichnen, läßt sich diese Strategie etwa so charakterisieren:

1. IBM wird allen tun, um das künftige Terminalgeschäft unter Kontrolle zu bekommen. Zu diesem Zweck wird eine Art Doppelstrategie praktiziert: Der Aufbau von Verbundsystemen mit starken Hostrechner-Abhängigkeiten und der sogenannte "Totalsystem"- Approach Hier ist die volle Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems nur durch den Einsatz von IBM-Host-Rechnern, IBM-Datenkommunikations-Prozessoren sowie der dazugehörigen (IBM-)Firm- und Software gewährleistet.

Das SDLC-Protokoll dessen technische Details sorgfältig nach außen abgeschirmt werden ist ein weiterer Trumpf des Marktführers Wenn IBM so besonderen Nachdruck auf die Datensicherheit auf die totale Integration von Netzwerksystemen legt, so auch, um dem Anwender den Einsatz "fremder" Terminal-Subsysteme unmöglich zu machen.

2. IBM wird mit modularen Bausteinen und kombiniertem Einsatz verschiedener Technologien versuchen, das Verhältnis "Funktion pro Dollar" weiter zu verbessern Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sind universelle Steuereinheiten, die mit Hilfe von Mikrocodes und Software in den verschiedensten Applikationen eingesetzt werden können

Ein weiteres Element der IBM-Strategie ist die Entwicklung von Controller-Kombinationen mit E/A-Moduln für anwendungsspezifische Terminals. Diese werden in Versicherungen und Banken, in der Medizin und im Schulbereich in Verkaufsmärkten und im Einzelhandel sowie für die Datenerfassung in Produktionsbetrieben zu Distributed-Processing-Terminalsystemen verbunden.

3. IBM wird dem Anwender die Aufstockung seiner Systeme erleichtern. Damit soll für den Terminalbenutzer ein Anreiz geschaffen werden, im Erweiterungsfall auf ein IBM-Gesamtsystem umzusteigen.

In die gleiche Richtung geht die Ausweitung des Add-on-Business mit Anwendern, die bereits mit IBM-CPUs arbeiten. Im Sinne dieser Strategie hat IBM die Verarbeitungskapazität ihrer intelligenten Terminals begrenzt um so eine Beeinträchtigung des Hostrechner-Geschäfts auszuschließen.

Was die Programmiersprachen zur Entwicklung neuer Applikationen am Terminal angeht so wurde auch auf Terminalebene eine gewisse Abhängigkeit vom zentralen Hostrechner beibehalten.

4. In der Vergangenheit hat sich IBM im Terminalgeschäft nicht voll engagiert. Das ist heute anders geworden. Das breite Angebot an Terminalprodukten verdeutlicht die Bemühungen des Marktführer, mit der Entwicklung von anspruchsvollen Terminalfunktionen sein Innovationspotential unter Beweis zu stellen.

So wurden zum Beispiel für das Banken-Terminalsystem 3600 neue Plasma-Bildschirme entwickelt. Diese flach ausgelegten, ästhetisch sehr ansprechenden Displays werden auch in vielen anderen IBM-Systemen zum Einsatz kommen

Die Inkjet-Printer 40/46 für die kommerzielle Textverarbeitung sind eine weitere Neuentwicklung Hinzu kommen Bildschirm-Terminals mit Lichtstift für die zuverlässige und benutzerfreundliche Datenerfassung in Produktionsbetrieben.

Komplexe Terminalsysteme für die dezentralisierte Datenverarbeitung (wie zum Beispiel das Kommunikations-System 3790) sind mit hochintegrierten Systemkomponenten ausgestattet. Hierzu gehören Disks und Pufferspeicher die nur im Werk (nicht am Einsatzort!) anwendungsspezifisch angepaßt und konfiguriert wellen können.

Der verstärkte Einsatz von LSI-Schaltkreisen und Mikroprogrammier-Techniken, die Betonung von Systemeigenschaften wie Zuverlässigkeit, hohe Verfügbarkeit und leichte Wartbarkeit - all dies sind weitere Elemente der neuen IBM-Produktstrategie. Hinzu kommen standardisierte Austausch-Moduln, die die Wartungsarbeiten erleichtern und verbilligen sollen Das ausspielen der derzeitigen IBM "Führungsrolle" auf den Gebieten Datenschutz und Datensicherung ist ein weiteres wichtiges Strategie-Element.

5. IBM wird natürlich eine Beeinträchtigung des Geschäfts mit "älteren" Terminalprodukten (die Systeme 2740/41, 2780 und das Bildschirmterminal 3270) durch attraktive Neuentwicklungen auf jeden Fall zu verhindern suchen. Die laufenden Werbemaßnahmen weisen jedenfalls in diese Richtung.

Charles P. Lecht ist Gründer und Vorsitzender der Advanced Computer Techniques Corporation (ACT).