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16.10.1987

"Die IBM tut doch, was sie will"

Mit Martin Goetz, Senior Vice President der Applied Data Research Inc. (ADR) sprachen die CW-Redakteure Felicitas Kulling und Wolfgang Merkert

Die Geschäftspraktiken der IBM sind vielen unabhängigen Software - Anbietern seit Jahren ein Dorn im Auge. So fühlen sie sich beispielsweise durch die Dominanz des Marktführers im Mainframe - Betriebssystembereich , die Strategie des "Object Code Only" und die aggressive Vermarktung von DB2 zunehmend in ihrer Existenz bedroht (siehe Kasten). Eine Monopolstellung der IBM hätte jedoch nicht nur für die Mitbewerber negative Auswirkungen. Den Preis dafür müßten letztlich auch die Anwender zahlen: Sie wären in diesem Fall auf Gedeih und Verderb an die Produkte eines einzigen Lieferanten gebunden; die Wahl zwischen Systemen verschiedener Anbieter würde unmöglich. Diese Entwicklung abzuwenden, hat sich unter anderem die US-Herstellervereinigung Adapso zur Aufgabe gemacht; eine Organisation, die durchaus In der Lage ist, Einfluß auf die Regierung In Washington auszuüben. Ein Verfechter dieser Initiative ist Martin Goetz.

- Herr Goetz, Sie sind in der Branche bekannt dafür, daß Sie bei innovativen Konzepten mit an vorderster Front stehen und auch bei kritischen Sachverhalten kein Blatt vor den Mund nehmen. Furore haben vor allem Ihre Antitrust-Auseinandersetzungen mit IBM gemacht. Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund die Situation in den sechziger Jahren im Vergleich zu heute?

Ende 1968 mußte sich IBM wegen Verstoßes gegen die Antitrust-Bestimmungen vor Gericht verantworten. Das Verfahren dauerte 14 Jahre und wurde erst 1982 eingestellt. In dieser Zeit gab es interessanterweise am Geschäftsverhalten der IBM eigentlich nichts auszusetzen; dasselbe galt für die 70er Jahre. Heute hat sich die Situation indes geändert: IBM sieht sich an keine Restriktionen gebunden, und es gibt keine Instanz, der gegenüber sich IBM verantwortlich fühlt. Unglücklicherweise hat die EG-Komission das Verfahren gegen IBM nicht weiterverfolgt, aber es kann im Prinzip jederzeit wieder aufgenommen werden.

- Seit wann setzen Sie sich mit der IBM-Führungsspitze auseinander?

Wir stehen seit eh und je direkt mit IBM in Verbindung. So haben wir beispielsweise John Akers schriftlich über unsere Bedenken bezüglich der aggressiven DB2-Marketingstrategien informiert. Seine Leute gaben zwar zu, daß manche ihrer Aktionen gegen den Ehrencodex der IBM verstoßen hätten. Aber im großen und ganzen haben sich ihre Geschäftspraktiken nicht geändert. Die Korrespondenz mit Akers brachte für uns also keine zufriedenstellenden Ergebnisse. IBM vermarktet DB2 auch weiterhin auf eine sehr aggressive Art und Weise.

- Gab es ein konkretes Ereignis, das Sie veranlaßt hat, sich gegen die Geschäftspraktiken von Big Blue zur Wehr zu setzen? Oder kam Ihnen die Erkenntnis erst nach und nach, daß etwas passieren muß, um eine Monopolstellung der IBM im Markt zu verhindern?

In den 60er Jahren verklagte ADR die IBM wegen Antitrust-Praktiken, die unserer Meinung nach unfair waren. Es wurde eine außergerichtliche Einigung erzielt und, wie bereits erwähnt, hielt sich IBM in den 70er Jahren, während die Klage beim US-Justizministerium lief, sehr stark zurück. Heute hat sich die Situation völlig geändert, vor allem, was die DB2-Marketingpraktiken betrifft. Wir kontaktierten IBM bezüglich dieser Produktpolitik, bekamen aber keine klare Antwort. Erst kürzlich haben wir uns bei der amerikanischen Herstellerorganisation Adapso über das Bundling des Database Manager und des Communications Manager mit der Extended Edition von OS/2 beschwert. Unserer Ansicht nach ist das ein sehr schwerer Fall von Product-Bundling. Und wieder konnten wir auf keinen gemeinsamen Nenner mit IBM kommen. Allerdings zeigt sich die Adapso sehr besorgt über diesen Fall. Und wir hoffen, daß die Herstellerorganisation eine klare Position gegenüber IBM beziehen wird und sich mit dem Bundling-Vorwurf ernsthaft auseinandersetzt. Auf diese Weise bekommt auch die Öffentlichkeit davon Kenntnis; darüber hinaus werden offizielle Stellen wie das US-Justizministerium und die EG-Kommission aufmerksam gemacht.

- Es handelt sich also um eine fortwährende Auseinandersetzung? Heißt das, daß IBM trotz all dieser Vorwürfe nichts an den Geschäftspraktiken ändert und daß etwas passieren muß, um diese Entwicklung zu stoppen?

Ja, das gilt zumindest für den Fall der OS/2 Extended Edition, die im wesentlichen auf die neue PS/2-Rechnerfamilie zielt. Dieser spezielle Computer und das Betriebssystem wurden so entwickelt, daß sie nicht mit Mainframes und Minicomputern von Dritten verbunden werden können. Wenn man zuläßt, daß IBM ihre Erweiterung "einbettet", wird es unserer Ansicht nach in den nächsten Jahren sehr schwer sein, im Mainframe-Bereich andere Datenbank-Systeme als DB2 zu vermarkten. Aber es gibt im amerikanischen Softwaregeschäft außer uns noch viele Unternehmen, die große Bedenken wegen IBMs aggressiver Marketing-Politik haben. Und wir glauben, daß die Adapso mit ihren Gegenmaßnahmen auf breiter Front an die Öffentlichkeit gehen wird, um sich den IBM-eigenen Geschäftspraktiken zu widersetzen.

- Würden Sie also sagen, daß beispielsweise die Bundling-Vorwürfe für IBM eine Methode darstellen, den Markt zu verunsichern?

Traditionell versucht IBM, Lösungen zu verkaufen. Und je mehr Komponenten IBM zusammenspannen kann, desto stärker wird dieser Hersteller - vor allem, wenn es sich um das Geschäft mit Großanwendern handelt. Ich glaube aber nicht, daß es IBM in erster Linie darum geht, den Markt zu verunsichern. Sie tut genau das, was ihrer Ansicht nach nötig ist, um immer mehr Marktanteile für sich zu vereinnahmen. IBM macht einen immer größeren Teil ihres Gesamtumsatzes im Softwaregeschäft. Deshalb glaube ich, daß diese Methode für IBM einen Weg darstellt, um den Marktanteil im Softwarebereich auszubauen. Der Bundling-Vorwurf ist aber nur einer von zwei Schlüsselfaktoren. Die Adapso beschäftigt sich auch mit dem 1982 von IBM gefaßten Entschluß des "Object Code Only", also den Source Code zurückzuhalten. Und dieser Punkt ist für viele unabhängige Softwareanbieter von entscheidender Bedeutung. In gewisser Hinsicht ist dieser Vorwurf sogar noch symptomatischer für die Methoden, mit denen IBM arbeitet. Denn das Zurückhalten des Source Codes versetzt IBM in eine sehr starke Position: Dadurch, daß sie das Betriebssystem und andere wichtige Softwarekomponenten kontrolliert, wird es immer schwieriger, mit neuen Produkten auf IBM-Software aufzusetzen.

- Ist es also im Fall von IBM gerechtfertigt von einer Gratwanderung am Rande der Illegalität zu sprechen?

Ich glaube, daß IBM viel vorsichtiger agieren würde, wenn das US-Justizministerium oder die EG-Kommission vor Gericht gingen. Meiner Ansicht nach stoßen solche Geschäftspraktiken für ein Unternehmen von der Größe der IBM ganz sicher an die Grenze der Illegalität. Die entsprechenden Gesetze der EG sind allerdings ein bißchen anders als die in den USA. Ein dominantes Unternehmen in einem der EG-Mitgliedsstaaten muß mit einer Reihe von Restriktionen leben. Die Antitrust-Gesetze in den Vereinigten Staaten sind wesentlich weniger fest umrissen; deshalb ist es in den USA fraglich, ob die Aktionen der IBM illegal sind oder nicht. Das ließe sich nur feststellen, wenn man gerichtlich gegen IBM vorginge; aber das wiederum ist sehr teuer und eine langwierige Prozedur. Ich glaube, IBM ist sich darüber im klaren, daß es nur wenige Unternehmen gibt, die es sich leisten könnten, juristische Schritte zu unternehmen. Deshalb müßte wirklich eine Organisation wie das US-Justizministerium oder die EG-Kommission aktiv werden und IBM vor Gericht bringen. Daß sich eines der kleineren Unternehmen solch eine Aktion leisten könnte, bezweifle ich. Eine Organisation wie die Adapso, die 960 Mitglieder hat, verfügt natürlich über viel Einfluß bei der Regierung und kann ein gehöriges Quantum an Druck auf IBM ausüben. Das ist meine große Hoffnung.

- Der Bereich "Betriebssysteme" ist für IBM ein besonders kritisches Feld. IBM kontrolliert dieses Geschäft seit Mitte der 60er Jahre; damals wurde das Betriebssystem noch kostenlos abgegeben. Heute kontrolliert die IBM mit ihren Betriebssystemen den Markt. Welchen Einfluß hat das auf den Wettbewerb?

Derzeit gibt es drei wichtige IBM-Betriebssysteme: VSE, VM und MVS. Ende der 70er Jahre und in den frühen 80er Jahren begann IBM, das Betriebssystem in Rechnung zu stellen. Zunächst waren die Preise sehr niedrig, stiegen dann aber rasant an. Inzwischen fordert die IBM sehr viel Geld für ein Betriebssystem. Derzeit werden zwischen 20 und 30 Prozent des gesamten IBM-Softwareumsatzes aus dem Betriebssystemgeschäft erwirtschaftet. Jetzt versucht IBM, Anwender, die mit VSE durchaus zufrieden sind, zum Umsteigen auf VM oder MVS zu bewegen. Wenn das gelingt, kassiert IBM wesentlich mehr Geld, als wenn sie beispielsweise MVS direkt verkaufen würde. Außerdem beansprucht MVS wesentlich mehr Ressourcen. Das heißt, der User muß meist einen größeren Rechner kaufen. Und dann braucht er auch IBM-Software, die unter MVS lauffähig ist - und die ist auch um einiges teurer. Der Preis für die ergänzende Software, beispielsweise DB2, liegt ebenfalls wesentlich höher als der für SQL/DS. Die Tatsache, daß IBM das Monopol für diese drei Betriebssysteme hält, ist symptomatisch für die Politik von Big Blue. Wenn diese drei Betriebssysteme von drei verschiedenen Unternehmen vermarktet würden, könnte man meiner Meinung nach von einem offenen und fairen Wettbewerb sprechen. So sind die VSE-Benutzer jetzt gezwungen, auf MVS oder VM umzusteigen, weil IBM nur noch geringfügige Verbesserungen an VSE vornimmt. Aber dennoch macht IBM durch die VSE-Benutzer zwischen 250 und 300 Millionen Dollar Umsatz. Ein Unternehmen, das keine Monopol-Position im Markt hat, würde VSE nicht einfach sterben lassen, sondern es besser vermarkten. Da jedoch die IBM alle drei besitzt, kann sie es sich leisten, eines davon einfach sterben zu lassen. Und das ist leider typisch für das Problem eines Monopols. IBM kontrolliert wirklich den Markt.

- Die IBM hat so bereits 80 Prozent des Mainframe-Marktes im Griff und hält fast alle strategisch wichtigen Schlüsselpositionen der Wirtschaft mit ihrer Hardware besetzt. Damit rollt sie vor allem im Hinblick auf künftige Vernetzungskonzepte den Markt nach der Top-down-Methode auf. Das fängt bei der internen Vernetzung in den Großfirmen an und zieht sich bis hinunter zu den Zulieferern, die meist von diesem einen Unternehmen abhängig sind. Warum ist es bisher noch nicht gelungen, dies dem US- Justizministerium beziehungsweise der EG-Kommission klarzumachen, obwohl es nachweisbar ist?

Unserer Ansicht nach haben die Vereinigten Staaten schon immer großen Wert auf einen freien und fairen Wettbewerb gelegt. Wenn die Leute in diesem Land nun sehen, daß IBM das Softwaregeschäft zum Nachteil der unabhängigen Anbieter zu dominieren versucht, wird die Regierung meiner Ansicht nach einschreiten. Was die gegenwärtige republikanische Regierung betrifft, so besteht eine gute Chance, daß sie nächstes Jahr nicht wiedergewählt wird. Auf das Konto der Republikaner geht es übrigens auch, daß die Klage im Jahre 1982 eingestellt wurde. Es besteht also zumindest die Möglichkeit, daß wir in eineinhalb Jahren eine neue Regierung haben und einen neuen Präsidenten - und vielleicht gibt es dann ja auch eine neue IBM-Strategie. Die letzte juristische Auseinandersetzung mit IBM fand zu Zeiten einer demokratischen Regierung statt. Meiner Meinung nach wartet auch die EG-Kommission nur auf Beschwerden von seiten der Software-Unternehmen und Handelsvereinigungen, um den Fall wiederaufzugreifen. Bei der Auseinandersetzung um die Source-Code-Politik - dieser Punkt liegt der Kommission besonders am Herzen - geht es eigentlich um die Interfaces: Gerade sie sind sowohl für IBM als auch für die anderen Softwareanbieter und die EG schon immer ein wichtiges Thema gewesen. Denn die Interfaces sind das Zünglein an der Waage, wenn es darum geht, fremde Hard- und Software mit IBM-Equipment zu verbinden. Dieser Punkt könnte ganz entscheidend werden, wenn sich die EG-Kommission erneut mit diesem Fall beschäftigen sollte.

- Wie können sich die User und die unabhängigen Software-Anbieter gegen diese Geschäftspraktiken der IBM zur Wehr setzen?

Sie müssen sich zu Vereinigungen zusammenschließen. Ich glaube allerdings nicht, daß eine solche Initiative von den Usern ausgehen wird. Gruppen wie Share und Guide sind von der IBM dominiert. Aber die Software Anbieter können sich zusammenschließen.

- Haben wir Sie richtig verstanden, daß die Benutzerorganisationen von IBM kontrolliert sind?

Okay - sie sind natürlich unabhängig. Aber IBM stellt den Großteil der Sprecher, und die gehören seit vielen Jahren dem IBM-Lager an. Natürlich äußern sich die Benutzerorganisationen auch kritisch. Es gibt Position Papers bezüglich der Source-Code-Politik, denn über diesen Punkt zeigen sich Guide und Share sehr besorgt. Aber es geht eben nicht über die Position Papers hinaus. Zwar sind diese Gruppen durchaus ein Mittel, auf IBM Druck auszuüben, aber unserer Erfahrung nach tut die IBM größtenteils doch, was sie will. Die Benutzer werden also nicht die treibende Kraft sein, die zu einer Änderung der Geschäftspraktiken von IBM führt.

- Viele DV-Experten halten herstellerunabhängig einsetzbare Software und Standardisierung für den einzig gangbaren Weg, um aus den Greifklauen der IBM zu entkommen. Warum unterstützt ADR nicht das Betriebsystem Unix und engagiert sich nicht stärker im Bereich der Standardisierung, wenn die Vorwürfe gegen IBM wirklich ernst gemeint sind?

ADR ist Mitglied in diversen Standardisierungsgremien, beispielsweise im ANSI und in einem Dictionary-Komitee. Aber ADR stellt keine Standards auf. Wir glauben zwar an Standards, aber wir sind gleichzeiting der Ansicht, daß man, um wirklich innovativ zu arbeiten, sehr oft nach vorne preschen muß und sich nicht um Standards kümmern kann. SQL beispielsweise ist ein Standard, den IBM forciert hat - und kein sehr guter. Auch versucht IBM, mit SAA einen Standard zu etablieren.

Nun zu Unix: Wir sind ein Teil von Ameritech und müssen Profit machen. Und der IBM-Markt ist nun einmal der größte. Wenn es also für die Welt der IBM-Benutzer kein Unix-Betriebssystem gibt, wird ADR seine Software nicht so auslegen, daß sie unter Unix läuft. Denn IBM kümmert sich recht wenig um Unix, und daran wird sich kaum etwas ändern.

- Es ist verständlich, daß ein Unternehmen dort in den Markt einsteigen will, wo das größtmögliche Potential winkt - also im Zweifelsfall ins IBM-Geschäft. Wird aber nicht jede einzelne dieser Firmen letztlich zum Totengräber des freien Wettbewerbs, wenn sie alle um des eigenen Vorteils willen Big Blue in die Hände arbeiten?

Das stimmt schon. Aber die unabhängigen Software-Anbieter versuchen zu überleben. Gerade wenn sie klein sind, müssen sie sich dorthin orientieren, wo der Markt am größten ist. Für ADR und die anderen Unabhängigen ist es deshalb ausgeschlossen, sich aus dem IBM-Markt zurückzuziehen. Und wenn wir es trotzdem täten, hätten die Kunden weniger Wahlmöglichkeiten. IBM wird immer ein starkes Unternehmen sein. Die einzige Frage ist, w i e stark. Im Hardwaregeschäft schwankt der Anteil der IBM zwischen 60 und 80 Prozent. Im Software-Geschäft halt IBM mit Ausnahme von Bereichen wie dem Betriebssystemgeschäft und CICS mehr als 50 Prozent des Marktes. Das Hardware-Problem können wir nicht lösen. Aber da Software immer wichtiger wird, ist es meiner Ansicht nach von entscheidender Bedeutung, daß die User Auswahl haben. Und wenn sich ADR oder die anderen unabhängigen Anbieter aus dem IBM-Geschäft zurückziehen würden, hätte der Kunde keine Wahl und müßte IBM-Software kaufen. Ich gestehe Ihnen zu, daß wir IBM indirekt helfen, aber andererseits bieten wir dem User auch eine Alternative zu IBM. Und das ist entscheidend.

- Aber ist es dann für ein Unternehmen wie ADR nicht paradox, sich mit seiner Geschäftsstrategie zur fünften Kolonne von IBM zu machen und gleichzeitig massive Kritik am Marktverhalten der IBM zu üben?

Nein, unsere Software und die Produkte anderer unabhängiger Anbieter mögen zwar dazu beitragen, daß IBM ihre Hardware besser verkaufen kann. Im Prinzip wollen wir aber nur einen fairen Wettbewerb mit der IBM im Softwarebereich führen. Deshalb fühlen wir uns nicht notwendigerweise als Verbündeter der IBM, eher als ihr Konkurrent. Wie schon gesagt, ist es für den User wichtig, daß er Alternativen hat; dabei spielt es eine untergeordnete Rolle, ob es unsere Produkte sind oder die anderer Anbieter. Aber die Geschichte der Unternehmen, die sich ein Monopol erkämpft haben, zeigt eindeutig, daß diese Anbieter ihre Produkte nicht verbessern, aber viel Geld dafür verlangen.

- Es gibt bestimmt noch weitere Kritiker mit Ihrem kämpferischen Geist, die sich gegen die Marktpraktiken der IBM wehren würden, wenn sie nicht ernsthaft um ihre wirtschaftliche und berufliche Existenz fürchten müßten. Welche Möglichkeiten gibt es um diese Leute, die zum "Auspacken bereit wären, wirksam gegen Repressalien zu schützen?

Ich glaube nicht, daß ADR hier in irgendeiner Weise Zu leiden gehabt hat. Aber so manchem User ist es da anders gegangen, habe ich mir sagen lassen. Es gibt offenbar DV-Manager, denen man Angst gemacht hat für den Fall, daß sie andere Hard- und Software kaufen. IBM, so heißt es, gehe in einer solchen Situation bis zur Führungsspitze im Unternehmen, um sich über die Leute zu beschweren. Aber solche Dinge kenne ich nur vom Hörensagen.

- Wäre es denn für Sie persönlich vorstellbar, sich bei ADR freistellen zu lassen und quasi "hauptberuflich " für die Erhaltung der Chancengleichheit und Wettbewerbsfähigkeit im Markt zu kämpfen?

Nein, ich habe kein Interesse, das zu einem Vollzeitjob zu machen. Was ich in dieser Hinsicht unternehme, tue ich im Interesse von ADR und anderer unabhängiger Anbieter. Wir glauben, daß ein freier Wettbewerb nicht nur für Unternehmen wie ADR wichtig ist, sondern auch für die User. Aber ich möchte nicht mehr als 10 bis 20 Prozent meiner Zeit auf diese Dinge verwenden.