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09.10.1992 - 

Prototyp des Power-PC-Prozessors ist fertig

Die IBM und Motorola sind ihrem Entwicklerziel um Monate voraus

MÜNCHEN (jm) - Als vor gut einem Jahr die IBM, Motorola und Apple Kooperationen in fünf Hard- und Softwarebereichen bekanntgaben, waren die Meinungen von Branchen-Insidern eher skeptisch: Zu groß sei bereits der zeitliche Rückstand gegenüber der Konkurrenz. jetzt, weit vor dem selbstgesteckten Ziel, präsentiert das Triumvirat mit dem Prototypen eines "Power-PC-Prozessors" das Hardware-Herzstück der gemeinsamen Zusammenarbeit. Darüber hinaus wartete Motorola mit einer weiteren Überraschung auf: Man stehe derzeit mit Microsoft in Verhandlungen, Windows NT auf den Power-PC-Prozessor zu portieren.

Mit der konzertierten Aktion sind Big Blue und Motorola als letzte in den -Wettbewerb um die begehrteste Prozessorplattform der Zukunft eingestiegen und haben die Aufmerksamkeit auf ihre gemeinsame RISC-Prozessor-Unternehmung gelenkt. Der "601"-Chip ist das erste Ergebnis einer vierteiligen Produktplanung: Nach der Motorola zufolge für Niedrig-Preis-Tischrechner gedachten 601-CPU folgt Anfang 1994 eine Stromspar-Version "603" für tragbare Rechner. In relativ kurzen Abständen sollen dann die "604"-Recheneinheit für Arbeitsplatzrechner des mittleren Leistungssegments sowie für den High- end-Bereich der Workstations und Server-Systeme der "620"-Chip nachgeschoben werden.

Bei der 601-CPU handelt es sich im wesentlichen um das Designkonzept von IBMs Power-RISC-Architektur. Branch-, Integer- und die, Fließkomma-Einheit sowie die Floating-Point- und die General-Register-Files sind in modifizierter Form dem RISC-Prozessor entlehnt, der in Big Blues RS/6000-Workstations rechnet.

Die Speicherverwaltungseinheit (MMU = Memory Management Unit) mit Integer- und Daten-Cache ist allerdings ein Zwitter aus Power- und Mototola-88110-Prozessor. Das Bus-Interface borgte man sich aus dem 88110-Chip, was insofern von Bedeutung ist, als dieses für Multiprozessor-Unterstützung ausgelegt ist.

Intensive Gespräche" mit Microsoft

Weitere technische Details der in einem CQFP-Keramikgehäuse mit 304 Pins versehenen Ein-Chip-Implementation in 0,65-Submikron-Technologie sind unter anderem die superskalare Struktur, ein 64 Bit breiter Datenbus sowie die Leistungsaufnahme von fünf bis sechs Watt.

Einen Hinweis auf die technologische Fertigkeit der 300 Entwickler - je 150 von der IBM und von Motorola - in den Somerset-Labors von Austin, Texas, mag man möglicherweise auch daran ablesen, daß der Power-PC-Chip seine 2,8 Millionen Transistoren nach Aussagen von Motorola auf einem Drittel der Fläche des PA-RISC-Chips von Hewlett-Packard unterbringt, Intels P5-CPU soll immerhin noch doppelt so groß sein wie der 601. Erste Power-PC-Systeme sollen Mitte 1993 von der IBM, Anfang 1994 von Apple auf den Markt kommen.

Kritiker bemängeln, außer der IBM und Apple gebe es noch keine Interessenten für das neue RISC-Produkt: Mit Bull steht allerdings ein Systemanbieter parat, der der IBM als Distributor von blauen Systemen nun schon seit einigen Monaten verbunden ist. Thomson-CSF hat das Recht, den Power. PC- Chip selbst herzustellen. Hauptabnehmer ist in diesem Fall das Militär. Ferner bestünden Kontakte zur SNI.

Und auch Compaq, so die Aussage von Motorola, scheint sich doch noch nicht endgültig vom RISC-Ausflug verabschiedet zu haben, mit dem PC-Cloner sei man ebenfalls im Gespräch. Das ist überraschend, weil deren Chef Eckhard Pfeiffer erst vor einigen Monaten in Sachen Workstations und RISC-Technologie endgültig abgewunken hatte, um sich auf PCs insbesondere auch des Low-end-Segments zu konzentrieren.

Am interessantesten jedoch scheint - abgesehen vom Silizium - die von Motorola bekundete Absicht, Microsoft dazu zu bewegen, deren Windows NT auf den Gemeinschaftsprozessor zu portieren: "Wir führen diesbezüglich intensive Gespräche." Auf die Frage, wie solcherlei Kontakte der IBM gefallen würden, meinte man auf seiten Motorolas lediglich, man habe mit Big Blue ein Abkommen, das die freie Vermarktung des Prozessors durch Motorola vorsehe. Also spreche man auch mit Microsoft.

Neben Motorola bemühen sich auch HP und DEC um die Gates-Company, deren NT-Betriebssystem als Steigbügethalter für die PA- beziehungsweise Alpha-RISC-Architektur dienen soll.

Der Ausgang des illustren Wettrennens um den zukünftig vorherrschenden Prozessortyp ist allerdings noch offen. Die Konkurrenz ist stark, und es gibt Probleme.

Intels P5-Prozessor etwa sollte ursprünglich Ende dieses Jahres angekündigt werden. Die Herbst-Corndex im November schien ein guter Termin für die Vorstellung erster PC-Systeme, die mit dem 486-Nachfolger rechnen. Nun sieht es so aus, daß möglicherweise nur die IBM, Compaq, Dell und NCR in Las Vegas inoffizielle Technologiestudien präsentieren werden.

Intels Probleme mit dem P5-Chip

Aus Insider-Kreisen ist zu hören, die Andy-Grove-Company habe erhebliche Schwierigkeiten, Übersprechprobleme bei dem mit zirka 3,2 Millionen Transistoren vollgestopften und in der ersten Version mit 66 Megahertz getakteten P5-Chip zu eliminieren. Ein Branchenkenner kommentierte, darauf angesprochen, diese Information mit der süffisanten Bemerkung: "Intel war bislang mangels Konkurrenz nicht gezwungen, State-of-the-Art-Technologie zu liefern."

Digital Equipment hingegen versucht sich immer noch an dem ehrgeizigen Kraftakt, die Alpha-CPU zur Hochstrecke zu bringen. Die DEC-Leute tun sich schwer mit der enormen Leistungsaufnahme - von 30 Watt, die ein einziger DEC-Chip konsumiert und als Wärme wieder abgibt. Ein erstes lauffähiges System, präsentierten die Leute aus dem US-Bundesstaat Massachusetts zwar vor kurzem. Aber außer Olivetti, Cray und Kubota scheinen bislang die Systemhersteller, vor allem aber auch die Halbleiter-Produzenten den DFC-Werbern um Lizenznahme die kalte Schulter zu zeigen.

Hewlett-Packard hingegen hat sich offensichtlich in eine gute Ausgangsposition manövriert: Die Kalifornier ziehen seit einem Jahr eine konsistente und auf Unix bauende Produktoffensive durchs die vom Abteilungs-Server bis zum Tischmodell und zu den leistungsstarken PA-RISC-Workstations reicht.

887S und 897S von HP für den Unix-Markt

Auch mit dem Silizium scheint HP Glück zu haben: Anfängliche Versorgungsenpässe für die von Texas Instruments produzierten Floating-Point-Prozessoren der RISC-Systeme scheinen mittlerweile überwunden. Zudem konnte man, vor Wochenfrist die ersten mit dem neuen PA-RISC-Prozessor 7100 arbeitenden HP-9000-Modelle 887S und 897S für den Unix-Markt offerieren.

Die CPU wurde im superskalaren Zwei-Wege-Design ausgelegt, das heißt, sie besitzt zwei separate Instrüktionen-Pipelines. Sie ist binärkompatibel zur bisherigen PA-RISC-Architektur, also auch zur gesamten 8X7-Familie. Und der Prozessor läuft wohl trotz der hohen Taktrate von 96 Megahertz ohne Probleme.

Kompatibel zu den Industriestandards

Ferner gilt zu bedenken - so auch die Meinung der Analysten des Marktforschungsinstitutes International Data Corp. (IDC) -, daß HP mit dem neuen HP-UX-Unix-Derivat 9.0 und zugehörigen Systemsoftware-Werkzeugen sowohl die Workstation- als auch die Server-Produkte gestärkt hat. HP fügte dem Betriebssystem unter anderem den Logical Volume Manager (LVM) von OSF/1 hinzu sowie das "Mirrored-Disk/UX" -Tool zur Spiegelung von logischen Partitionen im LVM.

Ferner verpaßten die HP-Leute ihrer "SAM"-Software (System Administration Manager) von HP-UX eine Motif-basierte Oberfläche. Und sie halten sich mit der aktuellen Unix-Version an Industriestandards wie Posix 1003.2, OSF AES, OSF/Motif 1.2 sowie X11, Release 5.