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04.08.1989

Die IBM zeigt Schwächen bei technischer Entwicklung und verunsichert ihre Mainframe-Kunden:Vorstellung der 3390-Platten auf Eis gelegt

MÜNCHEN (CW) - Wegen technischer Probleme mußte IBM die Vorstellung neuer

hochleistungsfähiger Speichermedienprodukte auf unbestimmte Zeit verschieben. Damit sind Prognosen, der Konzern werde mit Plattenlaufwerken in diesem Geschäftsjahr Umsätze in Höhe von etwa fünf Milliarden Dollar machen, in Frage gestellt.

IBM-Offizielle wurden mit der Aussage zitiert, daß es immer wieder zu Testergebnissen komme, die den hausinternen Vorstellungen nicht entsprächen. Dies sei auch bei der neuen Plattenlaufwerkfamilie 3390 der Fall gewesen. Die neue Serie gilt als Nachfolgelinie der 3380-Platteneinheiten. Aus diesem Grunde werde man das Produkt erst ankündigen, wenn es die Anforderungen an allgemein übliche Standards erfülle. Einen Zeitpunkt, wann das Produkt verfügbar sei, wollte man bei IBM nicht nennen.

Eine Unternehmenssprecherin in der Stuttgarter Zentrale bestätigte auf Anfrage, daß es sich bei dem nun auf unbestimmte Zeit zurückgezogenen Speichermodell um das langerwartete Nachfolgesystem 3390 handelt, welches die 3380-Linie ablösen soll. In einem weiteren Gespräch wurde diese Aussage allerdings wieder zurückgezogen.

Das Geschäft mit dem Verkauf von Plattenlaufwerken hat sich nach Meinung von Marktanalysten bei IBM ohnehin verlangsamt. Konkurrenzunternehmen wie Amdahl Corp. oder National Advanced Systems hätten technisch zu IBM aufgeschlossen und zudem einen Preiskrieg ausgelöst. Mit den neuen Speichermedien wollte der Konzern nach Meinung von Analysten etwa 1,5 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaften. Man schätzte die Verkaufsrate für die neuen Plattensysteme für dieses Jahr auf 5000 Stück bei einem geschätzten Durchschnittspreis pro Einheit von 250 000 Dollar. Dies wäre ein großes Stück vom Fünf-Milliarden-Kuchen gewesen, den IBM mit dem Verkauf von Speichersystemen für Mainframes einzufahren gedachte.

Die neue Speichereinheit sollte einen überzeugenden Technologiesprung bei IBM markieren. So erwartet man, daß das neue Speichersystem mindestens 15 Gigabyte verarbeiten kann. Dies wäre eine doppelt so hohe Datenmenge wie bei dem 3380-Modell. Während dieses jedoch 14-Zoll-Platten verwendet, kommt die 3390-Einheit mit kleineren 9- beziehungsweise 10-Zoll-Platten aus. Auch die Datentransferrate von 3 Megabyte pro Sekunde beim 3380-Modell soll vom Nachfolger mit 4 bis 4,5 Megabyte deutlich übertroffen werden.

Besonders Kunden, die bislang zurückhaltend waren mit Käufen von neuen Speichersystemen, weil sie auf die neue Modellreihe warteten, sind durch den vollkommen überraschenden Rückzieher von IBM verunsichert. Bislang hatten sie sich in Erwartung der Nachfolgeplatteneinheiten auf dem Gebrauchtmarkt nach Low-end-3380-Systemen umgesehen. Die Probleme bei IBM könnten nun dazu beitragen, daß vermehrt Konkurrenzprodukte nachgefragt werden. Dies würde zu den nun nicht auf der Habenseite zu verbuchenden bereits erwarteten Gewinnen aus der 3390-Serie weitere Verluste addieren.

IBM hatte in der Vergangenheit verschiedentlich größere technische Schwierigkeiten bei der Entwicklung von Speichermedien - in diesem Zusammenhang ließen sich die diesjährigen Probleme sowohl bei der Herstellung von Mainframes als auch im Bereich von PCs und Low-end-Diskettenlaufwerken nennen. Insider argwöhnen, das Unternehmen habe sich möglicherweise Know-how-Defizite geschaffen durch einen Sozialplan, der den vorzeitigen Ruhestand von Mitarbeitern regelt. Zudem könnte die Prozedur der verteilten Entscheidungsfindung im Konzern zu den allfälligen Problemen beigetragen haben.