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03.09.1999 - 

Thema der Woche

Die IFA gräbt der CeBIT Home mit Konsum-IT das Wasser ab

Internet per Handy, MP3, Digital Versatile Disk (DVD) und nochmals Internet - so heißen die Schlagworte der diesjährigen Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. Die IFA positioniert sich damit gegen die CeBIT Home. Die CW-Redakteure Jürgen Hill und Wolfgang Terhörst sahen sich unter dem Funkturm nach Neuem und Kuriosem um.

Kein Zweifel, der Messemarkt der deutschen Hauptstadt macht bei Zukunftstechnologien Boden gut. Nach der Konzentration der zuvor in mehreren Städten präsenten Internet World auf Berlin (siehe CW 21/99, Seite 23) melden nun die Veranstalter der IFA Aussteller- und Besucherrekorde, die sie in erster Linie der Informationstechnik und Telekommunikation verdanken, wie Messechef Raimund Hosch zugibt. Insgesamt 872 Aussteller aus 36 Ländern zeigen vom 28. August bis zum 5. September ihre Neuheiten. Wohin die Reise geht, demonstriert schon das Maskottchen der diesjährigen Jubiläums-IFA (75 Jahre): eine virtuelle junge Dame namens Ifa, die im Computer lebt.

Da inzwischen in den meisten Haushalten moderne Fernseher, Hifi-Anlagen und Videorekorder stehen, ist die Unterhaltungselektronikbranche dringend auf neue Produkte angewiesen, will sie das selbstgesteckte Ziel von acht Prozent Umsatzwachstum in diesem Jahr erreichen. Aus diesem Grund steht die aktuelle Funkausstellung ganz im Zeichen einer Neupositionierung und Öffnung für Online-Medien, Entertainment und digitale Übertragungstechniken. Die klassische Unterhaltungselektronik belegt nur noch etwa die Hälfte der Messefläche, ein Viertel nimmt bereits die Telekommunikation ein, und auch den Internet-Technologien steht im Rahmen der Online-World eine eigene Halle mit 6000 Quadratmetern Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationstechnik (GFU) als IFA-Veranstalter und die Messe Berlin als Organisator begeben sich gezwungenermaßen auf eine Gratwanderung. Mit einem neuen Konzept und frischen Inhalten müssen sie auf die vielbeschworene Medienkonvergenz reagieren, ohne die klassische Klientel aus Fernsehen und Rundfunk zu verprellen. Mit Pro Sieben, RTL und Sat 1 haben die größten Privatsender der Messe 1999 den Rücken gekehrt - sie sei nicht interessant genug. Lieber wolle man sich dem Fachpublikum auf der Telemesse in Düsseldorf und den Konsumenten auf Einzelveranstaltungen präsentieren. Es gibt auch Stimmen, daß die IFA-Standplätze zu teuer seien.

Freilich klingen die Erklärungen der Privatsender eher wie eine beleidigte Reaktion auf den traditionell breiten Raum, den die öffentlich-rechtlichen Sender auf der IFA einnehmen - oder wie die Angst vor dem digitalen "Feind". Aber es gibt keinen Weg zurück. Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) stellte in einer aktuellen Studie nüchtern fest, die Zukunft des Rundfunks liege im Internet. Nutzten Rundfunkanbieter dieses Medium nicht, so DLM-Chef Helmut Häckel, so würden branchenfremde Unternehmen an ihrer Stelle beispielsweise Online-Rundfunk im Internet anbieten.

Die GFU jedenfalls ist seit Jahren auf der Suche nach einer geeigneten Präsentationsplattform für die im Umschwung begriffene Branche. Mit der Messe Berlin hat sie jetzt offenbar den passenden Partner gefunden. Die IFA gilt seit jeher als Publikumsmagnet. Wegen des Rekordandrangs am ersten Messetag mußten in diesem Jahr sogar die Schalter vorzeitig geöffnet werden. Vor allem junge Leute stürmten in Scharen die Stände der Entertainment-Anbieter - erstmals waren die drei großen Player Sega, Nintendo und Sony gemeinsam vertreten.

Als die Messe Hannover sich 1995 anschickte, eine eigene, aber jährliche Heimelektronikmesse zu veranstalten, handelte die GFU aus Angst, ihre Klientel werde nicht auf zwei Messen im Jahr gehen wollen, ein umschichtiges Verfahren aus. Heraus kam die CeBIT Home, die in den geraden Jahren die Brücke zwischen den Funkausstellungen schlagen sollte.

Doch die Branche hat das CeBIT-Baby bislang nicht richtig angenommen. Von den genannten großen Drei zeigte 1998 nur Sony Flagge. Entsprechend distanziert fiel das Fazit der GFU zur letzten CeBIT Home aus. Am dritten Tag der laufenden IFA nun die Überraschung: GFU, Messe Berlin und Communic als Veranstalter der Online-World stellen ab dem nächsten Jahr mit der "E-Home" selbst einen Lückenfüller für die IFA-freien Jahre auf die Beine. GFU-Aufsichtsratsvorsitzender Rainer Hecker betonte, daß in Hannover "kein überzeugendes Profil" gefunden worden sei. Auch für die nächste CeBIT Home, die wegen der Weltausstellung Expo nach Leipzig ausweichen muß, zeichne sich bisher keine größere Branchenbeteiligung ab. In diese Bresche schlägt nun die Messe Berlin und wirft der mächtigen Deutschen Messegesellschaft in Hannover beziehungsweise der CeBIT Home den Fehdehandschuh hin.

Die E-Home soll im Jahr 2000 vom 23. bis zum 27. August auf einer Fläche von 60000 Quadratmetern stattfinden. Das Motto wird nach Aussage von Medhat Abdelati, zuständiger Abteilungsleiter Telekommunikation bei Communic, "das vernetzte Haus" sein. Dem Bereich Online-World werden 15000 bis 20000 Quadratmeter zur Verfügung gestellt. Abdelati sieht in der E-Home keine Konkurrenz zur Internet World, da sie sich eindeutig an Konsumenten richte, während die Internet World eine Business-to-Business-Messe sei. Sebastian Sauter, Corporate Communication Manager beim Online-Lösungsanbieter US Web/CKS, hält die Zweiteilung in der Zielgruppe ebenfalls für sinnvoll. Die Internet World ist für ihn mehr ein Branchentreff, weshalb seine Firma dort nicht vertreten war. Sauter hofft, eher auf IFA und Online-World die Klientel einer Multimedia-Agentur zu treffen und will die Messe auch zur Personalgewinnung nutzen.

Auf die CeBIT Home angesprochen, wiegelt Abdelati zunächst ab. Man positioniere sich keineswegs gegen die Hannoveraner, die stärker auf die Telekommunikation ausgerichtet seien. Falls allerdings die Konsumelektronik-Branche das durchgängige Konzept mit IFA und E-Home im Doppelpack annimmt, dürfte es für die CeBIT Home eng werden. Und vieles spricht für diese Variante. US Web/CKS-Manager Sauter jedenfalls sieht die IFA auf dem richtigen Weg. Seine Zukunftsvorstellung: die CeBIT als IT-Business-Messe und die IFA (und E-Home) als Plattform für Unterhaltungselektronik und Konsum-IT.

Die beherrschenden Themen der aktuellen IFA sind eben digitale Übertragung, Multimedia und Internet. Alles zusammen verdichtete sich in Berlin zum Schlagwort MP3. Der Standard für digitale Musikübertragung via Internet wurde zum "Megatrend" hochstilisiert. Eine Fülle von Content-Anbietern und Endgeräteherstellern präsentierte Neuheiten wie den kleinsten MP3-Player der Welt - er paßt in eine Streichholzschachtel. Nachdem die etablierte Musikindustrie MP3 aus Furcht vor Raubkopien den Kampf angesagt hatte, war es zunächst ruhiger geworden um den in Deutschland entwickelten Standard. Doch davon war auf der IFA keine Rede mehr.

Selbstbewußt zeigten Hersteller wie Diamond Multimedia oder Varovision und Online-Anbieter wie mp3.de, was sie können - und vermochten dem Ansturm junger Interessenten kaum Herr zu werden. Die Musikindustrie dagegen hat die Chance verpaßt, für ihr Anliegen eines Kopierschutzes in Form von Wasserzeichen oder proprietären Standards zu werben.

Digitale Musik ist längst kein Spielzeug mehr. Sie bietet im wahrsten Sinne des Wortes handfeste Vorteile wie beispielsweise kleine, leichte und nahezu wartungsfreie, weil verschleißarme Abspielgeräte. Denn wo nur noch ein Chip für gute Töne sorgt, kann nichts mehr verwackeln und zerkratzen. So bietet sich MP3 vor allem für den Musikgenuß unterwegs an. Anspruchsvolle Hörer werden aus Qualitätsgründen im Wohnzimmer auf die CD noch nicht verzichten wollen - obwohl auf der IFA erste MP3-Hifi-Anlagen zu bestaunen waren. Auch leidet der digitale Musikvertrieb in Deutschland noch immer unter den hohen Online-Kosten. Doch auch hier gab es auf der IFA Signale der Besserung.

Den Preisreigen in Sachen Internet-Zugang eröffnete auf der IFA der Online-Dienst AOL Europe. Ab Oktober offeriert der Provider eine Art Pauschalangebot: Neben einer Grundgebühr von 9,90 Mark zahlen die Surfer dann 3,9 Pfennig pro Minute für die Einwahl zum nächsten Knoten. Hinzu kommt eine Verbindungsgebühr von sechs Pfennig pro Einwahl.

Ein Angebot, das Telekom-Manager Detlev Buchal, Vorstand Produkt-Marketing, in Rage brachte. Zum einen hält er die Bezeichnung Pauschalangebot für einen Etikettenschwindel, zum anderen war AOL gegen ein ähnliches Angebot von T-Online damals gerichtlich vorgegangen. Vor diesem Hintergrund kündigte Buchal an, ein ähnliches Pauschalangebot (damals 49 Mark für 20 Stunden T-Online) erneut zu unterbreiten.

Neben T-Online und AOL buhlen jedoch auch Netzbetreiber wie Viag Interkom oder Mannesmann Arcor verstärkt um die Internet-Kundschaft. Beide Carrier präsentierten auf der IFA diverse Zugangspakete, bei denen der Surfer letztlich für Minutenpreise zwischen 3,9 und 4,5 Pfennig inklusive Telefongebühren online geht. Ein Comeback in Sachen Internet-Access überlegt derzeit wohl auch Microsoft. Nachdem das Softwarehaus seinen Online-Dienst MSN erst im vergangenen Jahr eingestellt hat, ist nun ein Relaunch geplant. Nach Informationen der "Welt am Sonntag" will Microsoft dabei die Tarife von AOL und T-Online unterbieten.

Angesichts des drohenden Preiskampfes in Sachen Internet-Access versuchen die Betreiber, mit Zusatzdiensten sowohl neue Einnahmequellen zu erschließen als auch die gewonnenen Kunden bei der Stange zu halten. Bei T-Online und Mannesmann sind das beispielsweise neue Portalseiten, die die Surfer mit aktuellen Nachrichten, Surftips etc. online halten sollen. Gleichzeitig setzt die Telekom auf den wachsenden Markt der Online-Spiele. Ab 6. September steigt der Bonner Konzern mit der "Community of Massive Agents" (www.cmga.net) in dieses Segment ein. Dabei will die Telekom der Cyber-Gemeinde nicht nur eine Plattform zum online Spielen offerieren, sondern auch Online-Games exklusiv anbieten.

Eine Idee, mit der die Bonner nicht alleine sind, denn Microsoft engagiert sich mit "www.zone. com" in diesem Genre seit längerem. Mit dem "Game Channel" (www.gamechannel.de) setzt Viag Interkom ebenfalls auf die Spielekarte. Unterstützung erhalten die Münchner hierbei vom Bertelsmann-Konzern, der zu 50 Prozent an dem Content-Angebot beteiligt ist. Vierter im Bunde der prominenten Online-Zocker ist Arcor. In Kooperation mit Computec Media offeriert das Unternehmen eine Reihe von Spielen.

In Sachen Internet baut die Telekom jedoch nicht alleine auf die Consumer-Schiene. Zur IFA schnürte der TK-Player für Mittelständler ein Einstiegsangebot in Sachen E-Commerce. Für 19,90 Mark können sie mit dem "T-Mart Smart Shop S" 20 Artikel über das Web zum Verkauf anbieten. Technische Basis des Angebots, das in der größten Variante 500 Artikel in fünf Kategorien beinhaltet, ist die Intershop-Software "Epages". Um den Online-Kunden beim virtuellen Einkaufsbummel mehr Sicherheit zu bieten, hat der Carrier zudem mit dem "Serverpass" einen elektronischen Ausweis entwickelt. Anhand eines übermittelten Zertifikats ist der Kunde in der Lage, die Identität eines Anbieters zu prüfen. Mit dem Serverpass bestätigt die Telekom, daß der Internet-Server wirklich zu einem bestimmten Unternehmen gehört, dessen entsprechende Angaben durch die Vorlage eines Handelsregisterauszuges nachgewiesen wurden. Der Serverpass gilt zwei Jahre und kostet 825 Mark. Mit Emis, dem "E-Mail Informationssystem", präsentierte die Telekom auf der Funkausstellung einen weiteren Service für Unternehmenskunden. Emis sammelt eingehende elektronische Post und liest sie dem Anwender beim Abruf via Handy oder Telefon vor.

Wie wichtig für die Telekom diese Mehrwertdienste rund um das Internet werden dürften, zeigte auf der IFA eine andere Entwicklung. Telekom-Konkurrenten wie Mannesmann Arcor oder Viag Interkom hocken in den Startlöchern, um den Exmonopolisten auch im Ortsnetz das Fürchten zu lehren. So offeriert Arcor den Telefonkunden seit letztem Jahr in Stuttgart und neuerdings in Berlin, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, München und Nürnberg eigene ISDN-Anschlüsse. Nach Angaben von Elmar Hülsmann, Marketing-Vorstand bei Arcor, ist der ISDN-Anschluß mit 39,90 Mark gut zehn Mark billiger als das vergleichbare Telekom-Angebot.

Viag Interkom setzt beim Ortszugang auf die Richtfunktechnik, für die das Unternehmen kurz vor der Eröffnung der Funkausstellung die entsprechende Lizenz von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) erteilt bekam. Glaubt man Maximilian Ardelt, Vorsitzender der Geschäftsführung von Viag Interkom, so kann das Unternehmen entsprechende Anschlüsse sehr schnell einrichten, da die Antennenanlagen und das Transportnetz des E2-Mobilfunknetzes für den Richtfunkausbau mitverwendet werden. Viag Interkom wendet sich in der ersten Phase nur an Geschäftskunden, schließt aber ein späteres Angebot für Privatkunden nicht aus.

Während die Carrier zum Sprung ins Ortsnetz ansetzen, zählt für Klaus Thiemann, Geschäftsführer von E-Plus, "das Festnetz zur Kommunikation der Vergangenheit, die Zukunft gehört der mobilen Informationsgesellschaft".

Entsprechend plant Thiemann keine Kombinationsangebote für private Anwender, sondern sucht lediglich Partner, um Geschäftskunden ein Paket aus Festnetz und Mobilfunk zu offerieren.

Ansonsten setzt der Manager voll und ganz auf den mobilen Internet-Zugang. Noch für dieses Jahr verspricht er den Aufbau eines mobilen Daten-Highways mit Hilfe der HSCSD-Technologie (HSCSD = High Speed Circuit Switched Data). Wie teuer den mobilen Cyber-Reisenden der Internet-Zugang mit 43,2 Kbit/s kommt, sagte Thiemann allerdings nicht.

Handy meets Internet

Auf dem Weg zum schnellen Internet-Zugang ist HSCSD jedoch nur ein erster Schritt. Bereits im nächsten Jahr ist die Einführung der General Packet Radio Services (GPRS) anvisiert, die mit Übertragungsraten von bis zu 115,2 Kbit/s aufwarten. E-Plus, Mannesmann Mobilfunk, T-Mobil sowie Viag Interkom wollen bis Mitte 2000 das System einführen.

Wer nicht so lange auf einen schnellen, mobilen Internet-Zugang warten will, der bekommt bereits ab Herbst ausgewählte Internet-Dienste auf das Handy. Das Schlagwort der Stunde lautet hierbei WAP. Das Wireless Applica- tion Protocol wandelt Internet-Angebote in "handliche" Text- und Bildformate für das Handy um. Via WAP soll die Handy-Gemeinde ab Herbst Reisen buchen, Börsenkurse abrufen, den Kontostand kontrollieren oder aktuelle News auf dem Display lesen können. Die entsprechenden Kooperationsverträge mit den Content-Providern in der Tasche, warten die vier Netzbetreiber nur noch auf die Auslieferung der WAP-fähigen Endgeräte.

Mit diesen ist etwa ab Oktober zu rechnen, denn zahlreiche Handy-Hersteller hatten auf der IFA entsprechende Geräte im Gepäck. WAP-interessierte Anwender sollten jedoch überlegen, ob sie wirklich schon jetzt auf den Zug aufspringen und ein neues Handy kaufen. Sie benötigen nämlich im nächsten Jahr möglicherweise wieder ein neues Gerät oder eine Datenkarte für den Laptop, falls sie beabsichtigen, den schnellen, mobilen Internet-Zugang via GPRS zu nutzen. Ferner ist der Kostenaspekt zu berücksichtigen: So war von einem Netzbetreiber zu hören, daß die WAP-Dienste wie ein normales Telefongepräch im Zeittakt abgerechnet werden sollen, für GPRS dagegen eine volumenabhängige Tarifierung zur Diskussion steht.

Anwender, die nicht zu WAP wechseln, brauchen deshalb trotzdem nicht auf die Info-Services zu verzichten. Einer wie der andere bauen die Netzbetreiber ihr Angebot an Short Message Services (SMS) aus. Von den Börsenkursen über Wetterberichte bis hin zu kurzen Mails aus dem Internet oder einem Chatroom bei E-Plus bekommen auch die Besitzer herkömmlicher Handies aktuelle Informationen auf ihr Display gefunkt.

Auffallend war auf der IFA, wie stark die Mobilfunkbetreiber den Service-Aspekt betonten. Alle unterstrichen sie die Bedeutung von SMS, GPRS oder mobilen Internet-Diensten via WAP. Die Vermutung liegt nahe, daß die Anbieter angesichts des ruinösen Wettbewerbs bei der Neukundenwerbung hier auf zusätzliche Einnahmequellen hoffen. Zumal an den reinen Handy-Gesprächen in Zukunft noch weniger zu verdienen sein dürfte: Kein Betreiber schloß erneute Preissenkungen aus.

Beim Gang über das IFA-Gelände traf der Besucher auch auf eine alte Bekannte: Die DVD wurde angepriesen, als ob sie die jüngste Errungenschaft der Branche sei. Ein Werberummel, den die silberne Scheibe dringend nötig hat. Während sie in den USA mittlerweile zum Verkaufsschlager avancierte, üben sich die Consumer hierzulande in vornehmer Zurückhaltung und lassen sich von exzellenter Videoqualität und riesigem Speicherplatz nicht blenden. An der ablehnenden Haltung trägt die Branche allerdings selbst die Schuld: Durch die Einführung von Ländercodes verhinderte sie, daß beispielsweise US-Filme auf europäischen DVD-Geräten laufen. So bekommt der europäische DVD-Liebhaber in der Regel Filme später und bezahlt auch noch doppelt soviel wie der Nutzer in den USA. Und sollte sich der Anwender gar für eines der wiederbeschreibbaren Modelle entscheiden, steht er vor dem gleichen Dilemma wie bei der Einführung des Videorekorders: Die Industrie kann sich auf keinen Standard einigen. Kein Wunder also, daß die Privatanwender nach den schlechten Erfahrungen in Sachen Video erst abwarten. Zumal die Videorekorder-Hersteller auf der IFA erste digitale Modelle präsentierten, die die DVD in Sachen Speicherkapazität übertreffen.

Jürgen Hill und Wolfgang Terhörst