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18.07.1980 - 

Grundlagen wirtschaftlicher Computeranwendung - oder:

Die Industrialisierung der Informationsverarbeitung

Von Diplomkaufmann Thomas H. Adenauer, Professor an der Fachhochschule Rheinland-Pfalz

Die Wirtschaftlichkeit von Computern gegenüber der menschlichen Denk- und Arbeitsleistung steht bei der Informationsverarbeitung außer Zweifel. Die Mintaturisierung der Systeme erscheint als weiterer Schritt zu mehr Wirtschaftlichkeit. Doch gerade unter diesem Aspekt müssen für den EDV-Einsatz wesentliche Voraussetzungen geschaffen werden, damit durch die arbeitstellige Prozeß-Abarbeitung der Industrialisierungs-Effekt in Form von erhöhter Produktivität eintritt. Um dies zu gewährleisten muß sich, so beschreibt es der Autor, das traditionelle EDV-Denken von der Hardware lösen und in Zukunft software-orientiert ansetzen: Denn die Organisier- und Programmierkosten kleiner Computer sind genauso teuer wie die großer Zentraleinheiten.

Folge 2

Zwar zeitigt arbeitsteilige Abarbeitung von Prozessen schon für sich alleine Produktivitätssteigerung, insbesondere durch ihre Spezialisierungswirkung. Sie ist aber gleichzeitig auch die Basis der Abwicklungsautomation, zum einen wegen der absolut geringeren Automationskosten nur von Teilvorgängen. Zum anderen kann man durch Zerlegung in Teilvorgänge aber auch künstlich den Wiederholungsfaktor von Vorgängen erhöhen; man löst sie aus dem gewissermaßen "natürlichen" Ablauf heraus. Man bündelt sie entweder zeitlich und kommt zu Serienproduktion mit der Folge von Zwischenlagern. In der Datenverarbeitung spricht man von Stapelbildung. Oder man faßt intern oder extern gleichartige Teilvorgänge aus mehreren Prozessen zu Datenstapeln zusammen und ermöglicht so deren wirtschaftlich automatisierte Abarbeitung.

Ehe sich diese allgemeine Automationsregel im Bereich der Informationsversorgung sinnvoll weiter verfolgen läßt, sollte geklärt werden, wann eine Ablauflösung wirtschaftlich ist. Aus der Definition des Begriffs der Wirtschaftlichkeit ergibt sich, daß immer die ablauforganisatorische Lösung mit der günstigsten Relation zwischen dem für sie erforderlichen Aufwand und ihren direkten und indirekten Leistungen für ein gegebenes Problem am wirtschaftlichsten ist. So banal die Aussage zunächst klingen mag, zeigt sie uns doch, was eigentlich die wirtschaftliche Qualität einer Lösung bestimmt:

- Ihr relativer Aufwand,

- ihre direkten und indirekten Leistungen,

- ihre Problemumstände.

Mit diesen drei Wirtschaftlichkeitskomponenten der Ablauforganisation werde ich mich der Reihe nach beschäftigen.

Der Computer ist, wenngleich gewiß nicht das einzige, so doch ebenso gewiß das weitaus wichtigste Organisationsmittel der Informationsversorgung. Ich werde mich deswegen auf seine Betrachtung und die seiner Elemente konzentrieren. Mit seiner Anwendung sind mehrere Kategorien von Aufwendungen verbunden:

1. Hardware

Aufwendungen für Berichtswesen:

- Daten erfassen,

- Daten übertragen;

Verarbeiten:

- Daten stapeln,

- Daten ordnen,

- auf Daten zugreifen,

- Daten bearbeiten,

- Daten abspeichern;

Datenverteilen:

- Daten rückübertragen,

- Daten darbieten.

Wenn ich vorne von einer Anpassung des Preis-/Leistungsverhältnisses bei Computern nach unten gesprochen habe, so bezieht sich das auf seine Hardware und sie alleine. Alle anderen Aufwandskomponenten der Computeranwendung folgen nicht nur der allgemeinen Preisentwicklung, sondern sind, wie sich im einzelnen zeigen wird, in ihrer relativen Höhe von mehreren organisationsmethodischen Aspekten abhängig.

Die Verschiebung des Preis-/ Leistungsverhältnisses der Hardware von Computern nach unten ist Folge der "Mikrominiaturisierung" sowohl der Elemente von Zentraleinheiten als auch der peripheren Elemente von Computern, ihrer Einrichtungen für das Berichtswesen, für die externe Speicherung, für die Datenverteilung.

Neben anderem enthalten die Zentraleinheiten die eigentlichen Prozessoren und die internen Speicher. Die Prozessoren bestehen aus einer Vielzahl von Schaltelementen. Deren physische Verkleinerung und Verschachtelung ineinander, Large Scale Integration - LSI - genannt, hat außer zu produktionstechnischen Verbilligungen vor allem zu einer Verkürzung der Schaltwege geführt. Dadurch sind die Befehlsausführungszeiten stark gesunken.

Large Scale Integration hat auch die internen Speicher substantiell verkleinert. Dadurch sind, neben produktionstechnischen Vorteilen, einerseits die Zugriffszeiten andererseits ihre Aufnahmekapazität für Programme und Daten, vor allem für Programme ganz substantiell gestiegen. Large Scale Integration leistet also zugleich eine anhaltende Erhöhung der Programm-Kapazität und der anhaltenden Verringerung der Befehlsausführungszeiten von Computern. Dadurch lassen sich wesentlich umfangreichere Probleme mit niedrigeren Ausführungszeiten bearbeiten.

Bessere Beherrschung elektromechanischer, elektromagnetischer und der elektronischen Steuerung mechanischer Vorgänge hat zu einer ebenfalls substantiellen Verkleinerung der magnetischen externen Speichermedien, von

- 1/2 Zoll-Magnetbändern,

- 1/4 Zoll-Magnetbandkassetten,

- Magnetplatten und Magnetplattenstapeln,

- Disketten geführt.

Die auch in der Computer-Technik angewandten Verfahren der Minimikroverfilmung, das Bild zeigt zwei auf Halbleiterspeicher aufgetragene Mikroprozessoren, die je 65 536 Bytes internen Arbeitsspeicher adressieren können, hat zu der Möglichkeit der Zeichendarstellung auf allerkleinstem Raum auch filmischer Datenträger geführt. Das Bild zeigt in Originalgröße ein Filmblättchen, ein sogenanntes Mikrofiche, auf dem die vollständigen Partituren aller 9 Beethoven-Symphonien minimikroverfilmt sind, insgesamt 1488 Blätter. Daten werden nur noch dann auf Papier gedruckt, wenn sie die eigene Organisation verlassen, ansonsten vorübergehend auf magnetischen Datenträgern, für längere Zeiträume direkt von der Zentraleinheit auf Mikrofilm (COM) ausgegeben. Fortsetzung folgt