Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

15.08.1980 - 

Grundlagen wirtschaftlicher Computeranwendung-oder:

Die Industrialisierung der InformationsverarbeitungFolge 6

Von Diplomkaufmann Thomas H. Adenauer, Professor an der Fachhochschule Rheinland-Pfalz

In wirtschaftlicher Hinsicht ist bei der horizontalen Automation der Informationsversorgung, wie man die Regelungsautomation von Gesamtabläufen nennen könnte, ein zusätzlicher Kostenfaktor zu beachten: Die regelnde Berücksichtigung zeitlicher und anderer Abhängigkeiten von Teilprozessen untereinander kostet für sich selbst Hardware-, Organisations-, Programmierungs- und sogar Betriebsaufwand. Die Summe des Aufwandes für die automatische Regelung der Teilprozesse eines Gesamtablaufes ist also niedriger als der Aufwand für automatische Regelung des gleichen Gesamtablaufes. Auch daraus ergibt sich ein weiteres schon angedeutetes Grundgesetz der ganzen Computeranwendung: Je tiefer die horizontale Automation der Regelung eines Gesamtablaufes geht, desto relativ höher ist der Aufwand. Bei Verwendung gleicher Hardware wird um so mehr, und zwar progressiv um so mehr Computer Power verbraucht, je umfassender ein Gesamtablauf automatisch geregelt wird.

Auch die Organisations- und Programmierkosten steigen mit dem Umfang zu berücksichtigender naturgesetzlicher Gegebenheiten nicht proportional sondern überproportional an. Die Erstellung und Pflege eines großen Programms kostet mehr als die Summe der Kosten für die Erstellung und Pflege mehrerer kleinerer Programme, in die sich jede Gesamtaufgabe zerlegen läßt.

Allerdings kann man nicht sagen, daß deswegen ohne weiteres die Wirtschaftlichkeit insgesamt mit der Ausdehnung der Regelungsautomation von Teilprozessen auf Gesamtabläufen abnähme. Denn sie hat eben auch die schon erwähnten Nebenleistungen größerer Personalunabhängigkeit, Ablaufpräzision, Transaktionsgeschwindigkeit u.a. Auch diese Nebenleistungen, so schwer sie auch immer quantifizierbar sein mögen, müssen in der Wirtschaftlichkeitsanalyse Raum finden.

3. Die Anwendung als Steuerungshilfsmittel

Bei der Anwendung von Computern als Steuerungshilfsmittel ist zwischen zwei großen Anwendungsbereichen zu unterscheiden:

- Sie können als Informationsversorgungsmaschinen für die Entscheidungen handelnder Menschen eingesetzt werden. Wir nennen diese Art der Anwendung operative Informationsversorgung.

- Sie können, mit automatischen Zugriffsmechanismen oder auf Papier oder anderen Datenträgern, sporadischer oder systematischer Bereitstellung von Informationen für dispositive Entscheidungen dienen. Wir nennen diese Art der Anwendung strukturelle Informationsversorgung.

Die Ausdrücke operative und strukturelle Informationsversorgung sollen andeuten, daß es bei der Computeranwendung als Steuerungshilfsmittel zwei Dimensionen der Informationsversorgung entscheidender, handelnder Personen gibt. Einerseits werden in sich wiederholenden Abläufen handelnde Pesonen mit Daten beliefert. Die Daten lösen im Rahmen von deren generellen Handlungsaufträgen, im Rahmen bestehender Aufgaben konkrete Einzelhandlungen aus, wie die Erstellung von Betriebsaufträgen, Lagerentnahmen, Materialverbräuche, den Einkauf von Material, die Bezahlung von Rechnungen, den Versand von Produkten an Kunden, die Herstellung der Rechnungen, die Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Den Strom von Ereignissen, aus denen das Unternehmensgeschehen besteht, begleiten Informationsströme, die zu ordnen, zu organisieren den Unternehmensablauf steuert. Die Versorgung der im Unternehmen Handelnden mit Informationen, derer sie für ihre konkreten Einzelhandlungen bedürfen, heißt deswegen operative Informationsversorgung.

Andererseits werden von jenen, die das Handeln und die Ergebnisse des Handelns der ganzen Organisationsstruktur zu verantworten haben, Handlungsziele formuliert und als generelle Handlungsaufträge in die ihnen zugeordnete Struktur umgesetzt. Je mehr sich diese Handlungsaufträge über das Netz verteilter Aufgaben der operativen Ebene nähern, desto konkreter entstehen aus allgemeiner Zielvorgabe detaillierte Handlungsanweisungen. In der Umsetzung genereller Handlungsaufträge in Einzelhandlungsanweisungen für die operative Ebene, in der Umsetzung von Strategie in Operation - eine der beiden Hauptaufgaben der Struktur außerhalb der operativen Ebene - wird Information produziert und transportiert. Die Anweisungen selbst bestehen aus Informationen. Dieses Netz struktureller Informationsversorgung, wie wir es nennen wollen, transportiert aber Informationen nicht nur, sondern transformiert sie, wobei originäre, produktive Denkprozesse erforderlich sind.

Das für die Anwendung von Computern - sie müssen programmiert werden - bestehende Erfordernis sich nicht nur formal sondern auch materiell wiederholender Ereignisabläufe ist nur beschränkt gegeben. Hier sind Computer allenfalls als Datenarchive und -transportmittel verwendbar. Nur wenn die handlungsstrategische Vorgabe zu sich wiederholenden Abläufen führt, setzen wir Computer als deren Steuerungshilfsmittel ein, sprechen dann aber von operativer Informationsversorgung.

Die Verantwortung für das Handeln anderer, der Angewiesenen, bleibt bei den Anweisenden. Die Verantwortung kann nur dadurch ausgeübt werden, daß sich der Verantwortliche systematisch über die Ergebnisse berichten läßt.

Wird fortgesetzt