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11.08.1995 - 

Gastkommentar

Die Informationsgesellschaft verdient unser Vertrauen

Joerg Menno Harms Vorsitzender des Fachverbands Informationstechnik im VDMA und ZVEI, Frankfurt, und der Geschaeftsfuehrung der Hewlett-Packard GmbH, Boeblingen

Auf den ersten Blick stehen wir recht gut da. Knapp 100000 Kilometer Glasfaserkabel liegen allein im Netz der Telekom. Nochmals deutlich mehr als 10 000 Kilometer sind in Netzen anderer Betreiber integriert. ISDN ist flaechendeckend verfuegbar und unser Fernsprechnetz vollstaendig digitalisiert. Im Westen Deutschlands sind 516 Telefonanschluesse je 1000 Einwohner installiert, im Osten 370. In Kuerze werden 1,2 Millionen Haushalte in den neuen Laendern ueber einen Glasfaseranschluss verfuegen. 15,3 Millionen Haushalte haben einen Kupfer-Koaxial-Kabelanschluss.

Doch hier endet die Habenseite. Noch sind die Uebertragungskosten zu hoch und leistungsfaehige Endgeraete zuwenig verbreitet. Lediglich zwoelf PCs je 100 Einwohner sind hierzulande installiert. In den USA liegt diese Zahl bei ueber 30, in der Schweiz bei 22. 800000 Datex-J- und 250000 Internet-Anschluesse gibt es in Deutschland. Frankreich ist uns hier mit 6,5 Millionen Minitel- Anschluessen weit voraus. In den USA nutzen schon heute ueber 25 Millionen Buerger regelmaessig Online-Dienste.

Wir haben viel zu verlieren. Denn nie zuvor in der Zivilisationsgeschichte haben sich in einem aehnlich kurzen Zeitraum solch umfassende Innovationsperspektiven geboten wie heute. Diese Chancen muessen wir vor unseren internationalen Mitbewerbern wahrnehmen. Zwei weitere Herausforderungen sind damit verbunden: Wir muessen dauerhafte Loesungen fuer die Beschaeftigungs- und die Umweltproblematik finden.

Herausforderung 1: Wettbewerbsfaehigkeit. Die Informationsgesellschaft setzt hier zwei Hebel an. Zum einen schrumpfen sowohl Entwicklungszeiten als auch Innovationszyklen. Zum zweiten erhaelt der Aussenhandel mit modernen Dienstleistungen neue Impulse. Augenblicklich haben wir in diesem Bereich ein Bilanzdefizit von zirka zehn Milliarden Mark pro Jahr. Ideen, Kreativitaet und Wissen sind die Exportprodukte der Zukunft. Ingenieur-, Beratungs- und Management-Dienste kann der Teleworker von Deutschland aus weltweit anbieten. Wir sehen hierzulande ein mittelfristiges Potential von mindestens vier Millionen Telearbeitsplaetzen. Im Informationszeitalter wird der Standort Deutschland seine groesste Staerke, Know-how, auf den internationalen Maerkten erstmals voll zur Geltung bringen koennen.

Herausforderung 2: Arbeitsplaetze. Der Wirtschaftsrat rechnet in Verbindung mit der amerikanischen Informations-Infrastruktur mit 500000 neuen Arbeitsplaetzen bis Ende naechsten Jahres. Das japanische Postministerium geht fuer Japan von 2,4 Millionen neuen Jobs bis zum Jahr 2010 aus. Fuer Europa reichen die Prognosen von vier bis zehn Millionen und fuer Deutschland von einer bis fuenf Millionen neuen Arbeitsplaetzen in den kommenden fuenf bis zehn Jahren.

Zwischen 1970 und 1993 gingen im verarbeitenden Gewerbe Westdeutschlands 2,2 Millionen Arbeitsplaetze verloren. Dieses Beschaeftigungsvolumen kann die Informationsgesellschaft zurueckholen. Hierzu muss unsere Bildungspolitik entsprechend ausgerichtet werden. Eine der primaeren Aufgaben deutscher Schulen muss es sein, informationstechnischen Analphabetismus zu verhindern. Nicht einmal jeder vierte deutsche Schueler oder Student hat einen PC zur Verfuegung. Es ist Aufgabe von Schule und Hochschule, gerade jene mit den Anwendungen vernetzter Informationstechnik vertraut zu machen, die nicht ueber einen eigenen Computer verfuegen.

Herausforderung 3: Umwelt. Der mit der Informationsgesellschaft verbundene Strukturwandel bedeutet einen umweltpolitischen Quantensprung. In der Informationsgesellschaft nimmt der Informationsanteil an der Wertschoepfung zu und der Materialanteil ab. Die Informationsgesellschaft wirtschaftet informationsintensiv und materialextensiv. Wenn es zum Beispiel gelingt, bis in fuenf Jahren 800 000 Telearbeitsplaetze in Deutschland zu schaffen, wird unser Strassenverkehr um mehr als drei Milliarden Kfz-Kilometer entlastet. Das macht nicht weniger als 250 Millionen Liter Sprit pro Jahr, die nicht in die Luft geblasen werden. Im Umweltbereich ergibt sich ein Schadensrueckgang um zwei Billionen Mark pro Jahr. Der Nutzen der Informationsgesellschaft ist evident.

Was fehlt also noch fuer den endgueltigen Durchbruch? Neben dem ordnungsrechtlichen Rahmen insbesondere Vertrauen in die neuen Technologien und Anwendungen. Doch die zum Schutz der Privatspaere notwendigen Verfahren stehen schon heute zur Verfuegung. Kryptografisch verschluesselte Dateien sind sicher wie ein Tresor. Und eine elektronische Unterschrift ist besser vor Faelschung geschuetzt als eine von Hand geleistete. Wir koennen der Informationsgesellschaft vertrauen.