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23.07.2007

Die Insolvenz der A&O-Töchter

Der Potsdamer IT-Dienstleister A&O hat für seine Tochtergesellschaften itec und 4tec Insolvenz angemeldet. 550 Angestellten droht die Arbeitslosigkeit. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 3.500 Mitarbeiter.

Von Wolfgang Leierseder

Potsdam, Mittwoch, 18. Juli, acht Uhr früh. Mitarbeiter der A&O-Tochter 4tec GmbH fahren erst zum Kunden, nachdem ihnen A&O Geld fürs Parken und Benzin ausgehändigt hatte. "Gegen Vorkasse", wie ein Mitarbeiter grimmig formulierte.

Dass die Servicegesellschaft mit ihren drei Niederlassungen in München, Neuss und Potsdam knapp bei Kasse war, wussten viele Mitarbeiter. Wie knapp, zeigt eine interne Anweisung vom 13. Juli, die einen sofortigen Bestellstopp von Fremdleistungen verlangt. Diese Anweisung ging an die Regional- und Gebietsleiter von 4tec und itec.

Doch was die Mitarbeiter nicht ahnen konnten, aber gerade von der Geschäftsleitung um den offiziell erkrankten Michael Müller und Karsten Gosch (der laut einer internen Mail Herrn Müller offiziell vertrat) vorbereitet wurde, war, sowohl 4tec als auch die Serviceorganisation itec GmbH, die ehemalige Siemens-Tochter Sinitec, in die Insolvenz zu schicken.

Schlagabtausch zwischen Müller und der IG Metall

Kurz vor Mittag fand dann bei A&O eine Telefonkonferenz mit wenigen Führungskräften statt. In dieser Konferenz kündigte die A&O-Geschäftsleitung an, dass beide GmbHs wegen Überschuldung Insolvenz beim Amtsgericht Koblenz anmelden müssten. Betroffen davon werden rund 550 Mitarbeiter sein.

Am selben Tag beantragte A&O für itec in München Insolvenz (Aktenzeichen: 1503 IN 2467/07). Betroffen sind rund 50 Mitarbeiter, die sich geweigert hatten, in die A&O-Tochter 4tec zu wechseln. Am Tag drauf passierte das Gleiche für 4tec. A&O meldete für sie in Düsseldorf Insolvenz an. Die rund 550 betroffenen Mitarbeiter erfuhren davon erst am Freitag.

Für beide Pleiten machte A&O-Geschäftsführer Michael Müller die IG Metall verantwortlich. "Bei IT-Dienstleistungen herrscht extremer Preisdruck. Das zwingt zu Anpassungen an ein marktübliches Lohnniveau. Als Mittelständler bekommen wir den internationalen Preiskampf unmittelbar zu spüren. Leider gab es, angestachelt durch die Falschinformationen der IG Metall, auf Seiten der Arbeitnehmer zu viele Scharfmacher, deren Horizont von der nächsten Lohnabrechnung begrenzt wird und für die der Erhalt ihres Arbeitsplatzes offensichtlich von untergeordneter Bedeutung ist."

Der Antrag auf Insolvenz werde nicht zwangsläufig das Ende für A&O 4tec bedeuten. "Aber vielleicht wird nun auch dem Letzten bewusst, dass über marktgerechte Löhne nachgedacht werden muss, um das Unternehmen langfristig zu stabilisieren!", erklärte Müller. Der wiedergenesene Geschäftsführer versicherte, die A&O-Gruppe mit ihren rund 3.500 Mitarbeitern sei gesund und müsse "sich um die Zukunft keine Sorgen machen".

350 Mitarbeiter klagen gegen die A&O

Die IG Metall hingegen warnte, es kämen nun wenigstens 350 Klagen auf den IT-Dienstleister zu. Durch diese wollten die Mitarbeiter, zumeist ehemalige Angestellte der Siemens-Tocher Sinitec, Nachzahlungen der Leistungen, die sie der A&O gestundet hatten, erhalten. Die Stundungen kamen dadurch zustande, dass A&O und die IG Metall einen Sanierungstarifvertrag abschlossen, nachdem A&O spektakulärerweise Sinitec erworben hatte.

Zu den Pleiten selber sagte Horst Lischka, zweiter Bevollmächtigte der IG Metall München: "Wenn A&O-Gesellschaften trotz Auftragsgarantien und Zugeständnissen der Beschäftigten pleitegehen, ist das unternehmerisches Versagen in seiner schlimmsten Form."

Nun darf man gespannt darauf sein, wie A&O-Geschäftsführer Michael Müller sich aus der Affäre ziehen wird. Er hatte im Mai dieses Jahres die 4tec GmbH gegründet, um die 550 Ex-Sinitec-Mitarbeiter zu deutlich schlechteren Konditionen als bisher zu beschäftigen. Im Klartext: Sie mussten mit Einkommenseinbußen zwischen 30 und 50 Prozent rechnen.

Daraufhin war es zu einem hohe Wellen schlagenden Streit mit der IG Metall, aber auch mit Mitarbeitern gekommen. Sowohl die Gewerkschaft als auch Mitarbeiter weigerten sich, den durch den Betriebsübergang erfolgten Ausstieg aus dem Sanierungstarifvertrag, der für die itec GmbH galt, zu akzeptieren.

Mit dem Abschluss dieses Tarifvertrages hatten die Sinitec-Mitarbeiter im Jahr 2005 zwar auf zirka 20 Prozent ihres Einkommens verzichtet und darüber hinaus 104 unbezahlte Überstunden pro Jahr zugesichert. Dafür war ihnen aber eine Beschäftigungsgarantie bis zum Jahr 2008 zugesichert worden. Diese Garantie wollte Müller mit der Gründung von 4tec loswerden.

Ob Müller der Coup der Insolvenz helfen wird, diese Zahlungen zu umgehen, ist zweifelhaft. Sicher dagegen ist, dass die europaweit rund 3.500 Mitarbeiter der A&O-Gruppe die Geschehnisse mehr als aufmerksam verfolgen werden. Das gilt insbesondere für 700 in Deutschland und weitere 2.300 GFS-Mitarbeiter (Global Field Services) in Europa, die A&0 im vergangenen Herbst vom IT-Dienstleister EDS übernommen hat. Denn ihnen könnte es genauso ergehen, wie es gerade mit den ehemaligen Sinitec-Mitarbeitern passiert ist: verkauft und abgewickelt.

Einen Kommentar zu diesem Thema finden Sie auf Seite 3.