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17.06.1994

Die internen Ablaeufe bei Digital sind eine Katastrophe

17.06.1994

CW: Die Digital Equipment Corp. (DEC) erlebte in den letzten Jahren eine rasante Talfahrt. Jetzt spricht selbst der DEC-Chef Robert Palmer schon vom Ruin. Wie konnte es so weit kommen?

Mueller: Das Gerede vom Ruin halte ich fuer uebertrieben, aber die Restrukturierungen von DEC sind gepraegt von Management-Fehlern, die von der Konzern- bis zur Laenderebene reichen. Das Know-how der Mitarbeiter ist nicht fuer eine wirkliche Neuorganisation genutzt worden.

CW: Wo liegen denn die Defizite?

Mueller: Die Produkte sind gut. Aber im Vertrieb ist DEC schwach, und die internen Ablaeufe sind eine Katastrophe, verschlingen viel Geld, demotivieren und zerstoeren die Beziehungen zu den Kunden. Das zieht sich durch den gesamten Konzern. Der Betriebsrat hat sich fuer ein internes Verbesserungswesen eingesetzt. Wenn DEC aufgrund der Fehlorganisation so schlechte Ergebnisse verzeichnet, muessen sich die Mitarbeiter jetzt selbst darum kuemmern.

CW: Dabei hat sich doch gerade DEC durch die andauernden Restrukturierungen um Verbesserungen bemueht.

Mueller: Digital ist beruechtigt fuer die zahllosen Umorganisationen, die aber niemals Arbeitsablaeufe geaendert haben. Jedes Mal sind wichtige Kunden unter die Raeder geraten. Da war ploetzlich kein Vertriebsbeauftragter mehr da, der sie betreut hat. Beim Einstieg in den indirekten Vertrieb wollen wir verhindern, dass die Kunden, die nach wie vor direkt betreut werden wollen, vernachlaessigt werden.

CW: DEC hat den Rotstift rigoros beim Personalbudget angesetzt. Was sagen denn die Kunden dazu?

Mueller: Der Personalabbau wurde durchgefuehrt, ohne die Organisation zu aendern. Das erfolgte nach dem einfachen Motto: Der Umsatz ist um zehn Prozent zurueckgegangen, dann werden zehn Prozent des Personals entlassen. Folge: Die Vertriebsbeauftragten finden keine Zeit mehr, zum Kunden zu gehen, weil sie durch Sekretariatsaufgaben aufgehalten werden. Zudem ist bei DEC eine buerokratische Zentralisierung im Gange: Wenn wir in Deutschland Aushilfen brauchen, muss die Europazentrale zustimmen. Das ist absurd. Der Manager in Genf und in den USA kann die Situation in Deutschland nur unzureichend beurteilen.

CW: Zwei Wochen nach Veroeffentlichung des Quartalsverlusts von 183 Millionen Dollar musste DECs zweiter Mann, der IBM-Veteran Edward Lucente, bereits nach zehn Monaten das Unternehmen verlassen. Warum?

Mueller: Die Anstellung dieses Mannes war eine teure Fehlentscheidung. Lucente wurde fuer viel Geld angeheuert. Im letzten September gab er die Parole an die weltweite Vertriebsmannschaft aus, 80 Prozent des Umsatzes im reinen Rechnergeschaeft zu machen. Das hat dazu gefuehrt, dass das Akquirieren von groesseren Projekten zu kurz kam. Das ist nur ein Beispiel von vielen.

CW: Wie beurteilen Sie DECs Einstieg in die PC-Welt?

Mueller: Diese Entscheidung war sicher richtig. Allerdings begibt sich DEC mit dem Alpha-Prozessor und dem gesamten PC-Geschaeft in Maerkte, in denen nur noch Haie unterwegs sind. Ich hoffe nur, dass Digital die noetigen Marketing-Faehigkeiten hat, um hier zu ueberleben.

CW: Wie sehen die aktuellen Entlassungsplaene bei Digital in Deutschland aus?

Mueller: Hier waren bei DEC inklusive Kienzle Anfang 1994 rund 5700 Mitarbeiter beschaeftigt. Naechstes Jahr sollen es weniger als 4000 sein. Ob es nach den letzten Hiobsbotschaften dabei bleibt, weiss ich nicht.

CW: Palmer ueberlegt oeffentlich, Unternehmensteile zu verkaufen. Jetzt gibt es Geruechte, dass es sich dabei um die Netzwerk-Division handeln koennte.

Mueller: DEC steht vor einer schwierigen Entscheidung. Die Corp. hat vor, mit dem Verkauf von Unternehmensteilen Geld zu machen, um fuer die Wall Street wieder interessant zu werden. Verkaufen lassen sich aber nur profitable Bereiche. Wenn der Loesungsteil oder der Netzbereich zur Disposition steht, dann geht es an die Kernkompetenzen der Firma.

Ich halte es fuer einen Fehler, sich aus langfristig lukrativen Maerkten zurueckzuziehen. Mit der Netz-Division wuerde DEC das Tafelsilber versetzen.

Mit Wolfgang Mueller, Betriebsrat bei Digital Equipment Deutschland, sprach CW-Redakteurin Hiltrud Puf.