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13.08.1999 - 

Thema der Woche

Die Intranet-Euphorie der Anwender hält weiter an

Die Meta Group sieht in Intra- und Extranets das geeignete Mittel, IT- und Geschäftsziele ineinander zu verzahnen. Die Auguren befragten deshalb knapp 400 deutsche Unternehmen, ob und wie sie diese Technologien einsetzen.

Die Analysten befragten im Rahmen der Studie "Intranet und Extranet im 21. Jahrhundert in Deutschland" insgesamt 392 deutsche Unternehmen mit 200 bis über 1000 Mitarbeitern. Die Auguren stellten dabei eine "zunehmende Reife" sowie eine Erweiterung des Einsatzes von Intra- und Extranets fest und kommen zu dem Ergebnis, daß eine zunehmende "Externalisierung das Business im 21. Jahrhundert revolutionieren" wird: "Nur die Firmen und Institutionen werden im 21. Jahrhundert erfolgreich sein, die ihre Geschäfts- und IT-Ziele integriert haben - sowohl innerhalb ihrer Organisation als auch mit Kunden und Lieferanten", ist die Meta Group überzeugt. Intra- und Extranets (siehe Kasten "Intra oder Extra?") sehen die Analysten als geeignete Mittel, dieses zu erreichen.

Eine ganze Reihe deutscher Unternehmen scheint ebenfalls zu diesem Schluß gekommen zu sein, denn 63 Prozent der von den Analysten befragten Anwender gaben an, bereits ein Intranet zu besitzen. Das bedeutet laut Meta Group eine Steigerung um 13 Prozent seit Ende 1997: Damals setzte schon die Hälfte der Anwender auf die Technik. Allerdings hat fast ein Viertel (22 Prozent) der befragten Firmen noch immer kein Intranet implementiert, ja nicht einmal in Planung (siehe Grafik).

Die Nase vorn haben die großen Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern: 69 Prozent davon verfügen über ein Intranet, weitere zwölf Prozent befinden sich in der Test- beziehungsweise Planungsphase. Das deckt sich übrigens mit dem Ergebnis einer CW-Studie von 1996.

Laut Meta Group schließt aber der Mittelstand auf: Nannten 1997 gerade 22 Prozent der Betriebe mit bis zu 499 Mitarbeitern ein Intranet ihr eigen, so sind es in diesem Jahr bereits 61 Prozent. Die Möglichkeiten eines Intranet haben dabei vor allem Unternehmen der Branchen diskrete Fertigung, Transport, Banken/Versicherungen und Dienstleistungen erkannt. Von ihnen haben jeweils 70 Prozent und mehr ein Intranet implementiert. Schlechter sieht es dagegen beim Handel und der öffentlichen Hand aus, wo die Werte bei 50 beziehungsweise 46 Prozent liegen.

Ausdrücklich weist die Meta Group dabei aber auf die Steigerungsraten im Vergleich zu den Ergebnissen von 1997 hin: "Deutlich aufgeholt" haben demnach die Branchen diskrete Fertigung, Handel und Transport sowie Telekommunikation und Versorgung. Bis 2002, glauben die Auguren, verfügen gar 87 Prozent der deutschen Unternehmen über ein Intranet.

Wer ein Intranet-Projekt in der Planung hat, will dies in der Mehrzahl der Fälle recht zügig realisieren: 92 Prozent meinten, entweder noch 1999 oder im Jahr 2000 zur Tat schreiten zu wollen. Lediglich bei den verbleibenden acht Prozent zieht sich die Implementierung bis 2001/2002 hin.

Zeit kann dabei aber bares Geld bedeuten. Um die Technologie zu implementieren, fallen der Studie zufolge in Großunternehmen zur Zeit Kosten von durchschnittlich 450000 Mark an. Im Jahr 2000 soll dieser Wert bei zirka 510000 Mark liegen. Mittelständler müssen nicht so tief in die Tasche greifen: Reichen momentan noch 211000 Mark für ein Intranet aus, steigt dieser Wert im Jahr 2000 laut Meta Group auf 215000 Mark. Daher gilt in erster Linie für Großunternehmen: Wer möglichst schnell aktiv wird, kann sparen. Doch auch wenn die Kosten etwas höher ausfallen sollten - das Geld scheint in jedem Fall gut angelegt: Immerhin 43 Prozent der befragten Unternehmen gehen von einer Amortisierung ihrer Investitionen innerhalb der nächsten zwölf bis 24 Monate aus. Genaue Berechnungen zum Return on Investment (ROI) scheinen für die deutschen Firmen allerdings keine große Rolle zu spielen. 60 Prozent gaben an, dahingehend keine Untersuchungen anstellen zu wollen.

Nicht alle deutschen Unternehmen realisieren ihre Intranets in Eigenregie, oft werden dafür externe Dienstleister herangezogen. 54 Prozent lehnen das zwar strikt ab, doch immerhin können sich 46 Prozent vorstellen, Services wie Beratung, Implementierung, Betrieb oder Support in fremde Hände zu geben. Hierfür kommen vor allem Systemintegratoren und IT-Dienstleister in Frage, die Meta Group stellt in ihrer Studie aber eine wachsende Bedeutung der Internet-Service-Provider (ISPs) und TK-Anbieter fest. Wer letztendlich das Rennen macht, entscheidet sich vor allem danach, wer die besten technologischen Kenntnisse besitzt, garantierte Service-Levels und zudem ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten kann.

Neben den genannten Aufgaben sollen externe Dienstleister in Zukunft auch Pflichten wie die Realisierung von E-Commerce- und Wissensmanagement-Lösungen übernehmen. 53 beziehungsweise 41 Prozent der Antwortenden war dies wichtig. Außerdem gewinnen die Front- und Back-Office-Integration sowie die Harmonisierung von Internet- und Festnetztelefonie an Bedeutung (jeweils 39 Prozent).

In der Regel hängt die technische Realisierung von Intranets stark mit der gewachsenen Struktur der DV-Landschaft im Unternehmen zusammen. Die Studie läßt klare Trends erkennen, was die Ausstattung angeht: NT scheint das bei weitem beliebteste Betriebssystem für Web-Server zu sein, 70 Prozent setzen auf diese Plattform. Unix liegt mit 32 Prozent auf Platz zwei, gefolgt von Windows 9x (17 Prozent) und Linux (16 Prozent). Bei der Server-Hardware konzentriert sich das Interesse der Anwender vor allem auf die Anbieter IBM, HP, Sun und Compaq, wobei allein ein knappes Drittel der Antwortenden dem letztgenannten Hersteller den Vorzug gab. Als beliebtester Lieferant für Server-Software hat Microsoft die Nase vorn (47 Prozent), danach folgen Netscape (23 Prozent) sowie gleichauf Lotus Domino, Novell und Apache (alle 13 Prozent).

274 Unternehmen gaben an, daß ihre Mitarbeiter via Intranet auf Datenbanken zugreifen beziehungsweise eine dynamische Erstellung von Web-Seiten auf Basis von Datenbankabfragen erfolgt. Dabei setzt mehr als die Hälfte der Unternehmen (53 Prozent) auf Oracle-Produkte, der Rest vertraut auf Lösungen von Microsoft (33 Prozent), IBM oder Informix (15 und 13 Prozent).

Eine wesentliche Rolle spielen Intranets bei der Kommunikation im Unternehmen. Der Bereich Messaging wird von zwei Herstellern dominiert, wobei die meisten Firmen Microsoft (Exchange: 46 Prozent, Outlook: sechs Prozent) den Vorzug vor "Notes" von Lotus geben (30 Prozent).

Doch wofür nutzen die deutschen Anwender ihr Intranet? Nach den Applikationen befragt, die hier zum Einsatz kommen, nannten die meisten Unternehmen Helpdesk, Mitarbeiterschulungen, die interne Auftragsverwaltung und Wissens-Management. Die wichtigste dabei genutzte Intranet-Lösung ist E-Mail (72 Prozent), jedoch spielen auch die Themen Datenbankintegration und Print-Sharing eine wichtige Rolle (40 beziehungsweise 36 Prozent). Das Dokumenten-Management folgt dicht dahinter (34 Prozent) - diese Anwendungstechnik wird zusammen mit dem Content-Management laut Meta Group bis 2001 in den Unternehmen zulegen (siehe Grafik "Anwendungstechniken"). Nach Meinung der Analysten könnte dies dazu beitragen, die Intranets von "taktischen, unkoordinierten Lösungen zu einer strategischen Einrichtung" weiterzuentwickeln.

Extranets holen auf

Am intensivsten benutzen momentan die Mitarbeiter der IT-Abteilung (73 Prozent) das Intranet, dicht gefolgt von Geschäftsführung und Fachabteilungen (beide 52 Prozent). Die Befragung ergab außerdem, daß alle für jeden der genannten Bereiche eine Zunahme der Nutzung um bis zu 20 Prozent erwarten. Eine sehr geringe Nutzung ergab die Befragung erstaunlicherweise für die Mitarbeiter der Bereiche Reisestelle und Schulung (18 beziehungsweise 24 Prozent). Obwohl die Steigerungsraten für die Zukunft bei diesen beiden Abteilungen sehr bescheiden ausfallen (Schulung neun Prozent, Reisestelle sechs Prozent), glaubt die Meta Group gerade hier ein "Implementierungspotential" erkennen zu können. Das dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, daß die Analysten diese Bereiche als "Top-Intranet- und -Extranet-Anwendungen" einstufen.

Im Zuge der von der Meta Group postulierten notwendigen Externalisierung der Geschäftsprozesse im 21. Jahrhundert wird auch die Implementierung von Extranets ansteigen. Obwohl die Analysten von einer "Revolutionisierung" der Geschäftsprozesse etwa durch Extranet-Technologien reden, zeigen die Anwender dieser Entwicklung noch die kalte Schulter: Gerade ein Viertel der Befragten hat bereits ein Extranet installiert (1997: sechs Prozent). Banken, Versicherungen und Dienstleister beweisen auf diesem Gebiet Pioniergeist.

Weitere 15 Prozent befinden sich in der Test- oder Planungsphase, überwältigende 60 Prozent jedoch ziehen derzeit nicht einmal die Planung eines Extranet in Betracht. Dennoch gehen die Auguren davon aus, daß sich die Zahl der Firmen mit einem funktionierenden Extranet bis zum Jahr 2002 auf immerhin 63 Prozent erhöhen wird.

Unternehmen mit einem Extranet nutzen dieses in erster Linie, um Mitarbeitern und Kunden Zugang zum eigenen Netz zu verschaffen. In Zukunft sollen Lieferanten, Zulieferer und Partner stärker über diese Technologie in die Geschäftsprozesse eingebunden werden. Die Studie zeigt, daß die deutschen Extranet-Anwender hier Zuwächse zwischen sechs und 21 Prozent erwarten.

Deutsche Betriebe sehen ihr Extranet in erster Linie als Tool, das zur Unterstützung von Vertrieb und Marketing dient. Über ein Drittel nutzt die Technologie heute schon zu diesem Zweck - Tendenz steigend; außerdem werden der Studie zufolge bis zum Jahr 2001 die Bereiche Auftragsverwaltung, Güterbestellung und -beschaffung sowie E-Commerce nachziehen. In bezug auf Anwendungstechniken dominiert auch in den Extranet-Umgebungen die Kommunikation über E-Mail. Beliebt sind außerdem das Abfragen von Produktinformationen und die Recherche in Datenbanken.

Portale im Kommen

Sowohl in Intra- als auch in Extranets spielen nach Meinung der Meta Group Portale eine zunehmend wichtigere Rolle. Neben der Betonung der Corporate Identity dienen diese Web-Seiten als zentrale Ausgangspunkte beziehungsweise Einstiegsadressen im Rahmen des Extranet als "Werkzeug für die Kommunikation mit Partnern, Lieferanten und Kunden". Von dieser Plattform aus sollen verschiedene Informationen und Angebote (etwa Diskussionsforen oder Services) erreichbar werden. Die Meta Group mahnt allerdings zu einem systematischen Aufbau der Web-Portale im Intra- und Extranet, empfiehlt nötigenfalls eine Untergliederung beziehungsweise Trennung (etwa zwischen Kunden- und Mitarbeiter-Portal). Außerdem erwarten die Analysten, daß Portale in über 90 Prozent der Unternehmen zur Realisierung von Wissens-Management-Ansätzen herangezogen werden könnten.

Diesem Aspekt schreibt die Meta Group eine besondere Bedeutung zu: Das Kernwissen eines Unternehmens trägt demnach wesentlich zum Erhalt seiner Wettbewerbsfähigkeit bei. Und Intranets stellen aus Sicht der Auguren wiederum den idealen Zugang zum vorhandenen Know-how innerhalb einer Firma dar.

Intra oder Extra?

Vereinfacht ausgedrückt, handelt es sich bei einem Intranet um ein firmeninternes Netz auf Basis von Internet-Technologien. Neben der Verwendung der Protokollsuite TCP/IP bedeutet das auch, daß auf bestimmte Informationen statt mit speziellen Clients via Browser zugegriffen wird und Dienste wie File Transfer Protocol (FTP), News oder E-Mail zur Verfügung gestellt werden.

Das gleiche gilt sinngemäß für Extranets, die zur Verbindung von Unternehmen mit externen Partnern dienen, also eine WAN-Verbindung auf Basis von Internet-Technologien im Spiel ist. Laut Meta Group handelt es sich um eine "Erweiterung des Intranet, um externen Mitarbeitern, Lieferanten, Händlern oder Kunden den Zugang zu Firmeninformationen zu ermöglichen". Allerdings scheiden sich die Geister daran, ob die Verbindung direkt über das Internet erfolgen muß oder ob hier auch eine dedizierte LAN-LAN-Kopplung (etwa über ISDN-Einwahl oder eine Mietleitung der Telekom) erlaubt ist.