Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

01.02.1985

Die Investition für morgen ist Jungbrunnen der zentralen DV

Jürgen Groß Bereichsleiter Informations- und Kommunikationssysteme Arthur D. Little, Wiesbaden (Teil 2)

Ein Teufelskreis beginnt zu funktionieren, wenn der Anwender mit zusätzlichen Aufgaben die zentrale DV beansprucht: Denn Informationen besorgen heißt hochqualifiziertes DV-Personal binden. Rechner werden bis an die Grenze ihrer Kapazität belastet, und Folgekosten bleiben unberücksichtigt .

Es bauen sich möglicherweise Strukturen vor Ort auf, die auf einer ungenügenden Basis abgestützt sind. Es scheint, als wäre eigentlich alles in Ordnung. Der Benutzer hat endlich Unterstützung am Arbeitsplatz und wird damit effizienter und selbständiger. Was aber geschieht mit der zentralen DV, mit den zentralen Applikationen und Datenbeständen? Die Bereitschaft, in Datenstrukturorganisationen zu investieren, kann unter Umständen rapide sinken, weil die Notwendigkeit nicht unmittelbar erkennbar ist. Als Folge verkommt die DV mehr und mehr zu einer Pflege- und Verwaltungsabteilung, die technisch hinterherhinkt. Eine weitere Gefahr ist, daß irgendwann die Datenorganisation, die zentral vorhanden ist, zusammenbricht. Eine Vielzahl von Mitarbeitern ist mit einer Vielzahl von Systemen beschäftigt, statt Daten zu verarbeiten und Probleme zu lösen oder Entscheidungsunterstützung zu geben, Daten hin- und herzuschaufeln und Konsistenz zu halten.

In dieser Situation kann niemand gewinnen: das Management nicht, weil die Zuverlässigkeit der Daten, die von den Endanwendern angeboten werden, unter Umständen zweifelhaft ist, die DV nicht, weil ihre Aufgabe pervertiert wird, und der Endanwender letztlich auch nicht, weil sein Problem nur scheinbar gelöst wird.

Welche Lösungsansätze können helfen, aus diesem Dilemma herauszukommen? Zuerst sollte geklärt werden, wann es erforderlich ist, Systeme neu zu gestalten, und in diesem Zusammenhang, insbesondere die Datenbasis neu zu gestalten. Wie weit und wie lange will man Systeme noch pflegen? Der Mißstand beim Pflegeaufwand ist die Tatsache, daß diese berühmten 50 oder 60 Prozent nicht in Datenorganisation oder -strukturen gehen, sondern in Programme, in Anwendungen, die voraussetzen, daß die Basis in Ordnung ist. Aber genau das ist meistens nicht der Fall.

Ferner stellt sich die Frage: Wie sehr müssen eigentlich neue Systeme alte Systeme integrieren oder berücksichtigen? Sehr häufig wird bei der Gestaltung und Kalkulation neuer Systeme berücksichtigt, daß man keine alten Systeme nutzen kann, oder meint nutzen zu müssen. Zu überlegen ist, ob nicht die Chance, neue Systeme mit effizienten Datenorganisationsformen zu gestalten, höher bewertet werden sollte als die Nutzung vorhandener Systemteile. Dies führt zugegebenermaßen zu redundanten Daten und schwierigen Abgleichproblemen, vermeidet jedoch die geplante Verkrüppelung neuer Systeme.

Als drittes ist darauf hinzuweisen, daß in der Organisationsstruktur einer Organisations-Datenverarbeitungsabteilung stärker und klarer als bisher eine Trennung zwischen Systempflege und Neuentwicklung vollzogen werden muß. Unter Umständen bezieht sich diese Trennung auch auf die Instrumente. Die eindeutige Zielrichtung heißt neue Techniken aufzunehmen und umzusetzen.

Um diese oder ähnliche Lösungsansätze zu realisieren, muß vorausgesetzt werden, daß sowohl im Org./DV-Management als auch im Unternehmensmanagement Umdenkprozesse stattfinden. Vom Org./DV-Management müssen Strukturveränderungen ernster genommen und schneller vorangetrieben werden.

Es ist die Bereitschaft erforderlich, sozusagen mit doppelten und dreifachen Organisationsstrukturen zu leben, die sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten entwickeln: mit einer Organisationsstruktur für die Pflege von al(...) Programmsystemen, die nicht unmittelbar abgelöst werden; einer anderen Organisationsstruktur mit Eigendynamik für Neuentwicklungen und neue Techniken. Das Unternehmensmanagement muß sich über diese Probleme im klaren sein, Zukunftsinvestitionen betreiben, weil ganz klar kurzfristige Kosten/Nutzen-Vorteile kaum oder nur selten erreichbar sind.