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07.08.1992

"Die Investoren haben kalte Füße bekommen"

Mit Jürgen Tepper, Ex-Europa-Chef der Momenta Computer GmbH, Frankfurt, sprach CW-Redakteurin Beate Kneuse.

Keine glückliche Hand hatte Jürgen Tepper in den vergangenen 21 Monaten bei der Wahl seiner Arbeitgeber. Im März 1990 strich er nach Meinungsverschiedenheiten bei PC-Hersteller Tandon die Segel; sechs Monate später heuerte er bei AT&T an, um für den Telefonriesen in Europa das Computergeschäft aufzubauen. Daraus wurde aber nichts, weil sich die New Yorker kurz danach den Computerhersteller NCR einverleibten. Erneut auf Jobsuche, geriet Tepper im September 1991 an das No-name-Unternehmen Momenta. Von dem neuen Produkt Pentop begeistert, nahm er die Herausforderung an, für die Kalifornier den europäischen Pen-Computing-Markt zu erschließen. Ernten kann er die Früchte seiner Aufbauarbeit indes nicht. Von einem Tag auf den anderen strichen Momentas Investoren sämtliche Gelder, weil der Erfolg in dem noch jungen Markt auf sich warten ließ. Folge für Tepper: Er mußte Konkurs anmelden. Unverdrossen aber sucht er bereits nach einem neuen Job. Letzter Stand: Verhandlungen mit einem US-Unternehmen laufen. Man darf gespannt sein, ob es Tepper diesmal besser trifft.

CW: Herr Tepper, Sie hatten gleich zweimal Pech hintereinander: Erst machte AT&T Kauf von NCR Ihren Job obsolet, das Computergeschäft für die New Yorker in Europa aufzubauen, dann sperrten die amerikanischen Momenta-Investoren die Konten für Ihre Europa-Aktivitäten und dies alles nach relativ kurzer Zeit...

Tepper: Sicher, die Zeit bei AT&T T war recht kurz, bedingt durch den überraschenden Kauf von NCR. Davon wußte ich nichts, davon wußte noch nicht einmal der AT&T-President der Computerdivison in USA etwas.

CW: Danach gingen Sie voller Euphorie zu Momenta. Bei unserem letzten Gespräch auf der Systems '91 waren Sie regelrecht begeistert von dem neuen Unternehmen, vor allem von dem neuen Produkt. Doch nach nur neun Monaten ist es wieder das amerikanische Management, das Sie stoppt.

Tepper: So ist es. Dabei befanden wir uns auf dem richtigen Weg und standen kurz vor dem Durchbruch - nicht zuletzt deshalb, weil unser gesamtes Team ungeheuer motiviert an die Aufgaben herangegangen ist. Der Pentop ist das beste, was derzeit auf dem Markt angeboten wird, und jeder, der ihn gesehen hat, war begeistert - unlängst sogar noch der Konkursverwalter. Aber die Rechnung der Investoren ging eben nicht auf. Die sind davon ausgegangen, das Gerät komme im Oktober auf den Markt, sei im Oktober erfolgreich und im gleichen Monat noch bekämen sie ihr Geld zurück.

CW: Aber mit Investoren kann man doch reden.

Tepper: Ich habe alles versucht den Geldgebern klarzumachen daß der Pentop durch die Situation des Gesamtmarktes ein wenig länger braucht, bis er angenommen wird. Unser Problem war, daß das Produkt zu spät kam. Im Oktober hatten wir es angekündigt, doch im Februar konnten wir erst liefern. Das ist zwar keine unübliche Verzögerung, aber dann verspätete sich auch Microsoft mit dem Betriebssystem Pen-Windows.

CW: Als Start-up-Company besteht für sie nun auch das Problem, das sie keine anderen Produkte haben, mit denen Sie Geld verdienen können, bis das neue Produkt greift und der Markt da ist.

Tepper: Klar. Der Erfolg eines Newcomers steht und fällt mit dem Produkt. Jede Start-up-Company ist ein Risiko. Es gibt nur ein Entweder-Oder. Entweder das Produkt wird ein Riesenerfolg, oder es geht kaputt.

CW: Kalkuliert man denn negative Einflüsse oder Produktverzögerungen beim Start eines neuen Unternehmens nicht ein? Heute scheint es mir, daß Sie vor neun Monaten viel zu optimistisch waren. Damals hatten Sie für das laufende Jahr schöne Wachstumspläne. So wollten Sie bis Ende 1992 in den fünf wesentlichen europäischen Ländern Niederlassungen aufbauen und insgesamt 200 bis 250 Mitarbeiter beschäftigen. Wir sind nur fünf Monate vom Jahresende entfernt - doch von Ihren Aufbauplänen ist nicht viel zu sehen.

Tepper: Das ist schon richtig. Unsere Business-Pläne sahen tatsächlich vor, daß wir im Oktober liefern, daß wir mit dem Produkt erfolgreich sind und daß wir ein Land nach dem anderen erschließen. Und gehen Sie pro Niederlassung von rund 50 Mitarbeitern aus, kommen Sie genau auf 200 bis 251. Das ist also keine aufgeblasene Organisation, wenn man davon ausgeht, Service, Support, Vertrieb und Marketing zu machen. Das ist eher an der unteren Grenze.

CW: Dennoch: Kann man denn für ein Produkt, das letztlich noch keinen Markt hat, solche Expansionspläne ausstellen?

Tepper: Schauen Sie sich die Marktprognosen vom letzten Sommer, vom Spätsommer, an. Allein Dataquest ging schließlich von exorbitanten Absatzzahlen dieser neuartigen Geräte aus. Daran haben wir uns letztlich orientiert.

CW: Auch Marktforscher können sich irren.

Tepper: Sicher. Und natürlich besteht zwischen Plan und Ausführung oftmals ein Riesenunterschied. Aber Pläne mußten wir allein schon für die Investoren erstellen. Als wir jedoch sahen, daß die Produkte nicht zum verabredeten Zeitpunkt verfügbar waren, stellten wir die Eröffnung in Frankreich, die für Januar 1992 geplant war, zurück. Irgendwann kommt auch die Vorsicht hinzu, denn wozu Geld ausgeben, wenn es noch nicht so läuft wie erwartet.

CW: Dann haben Sie also überhaupt keine europäische ,Niederlassung gegründet?

Tepper: Doch, wir haben in Amsterdam ein Büro angesiedelt, das gibt es auch noch. Paris und London allerdings wurden immer wieder verschoben, obwohl für diese Niederlassungen schon Mitarbeiter auf Abruf bereitstanden.

CW: Wie viele Geräte haben Sie seit Februar in Deutschland verkauft ?

Tepper: Rund 300 Stück, über den Fachhandel.

CW: Das ist ja nun auch nicht die Welt

Tepper: Für die kurze Zeit, die wir erst liefern können, finde ich es okay. Außerdem gibt es für den Pentop noch keinen Massenmarkt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Produkt wesentlich interessanter für Projekte. Wir hatten viele große Projekte aufgetan, bei denen es um Stückzahlen von 100 bis 1000 ging. Das Makabre ist, daß wir noch Anfang Juli den Zuschlag für drei Großprojekte erhielten. Leider ging da schon alles in die falsche Richtung.

CW: Das Großkundengeschäft braucht aber Zeit.

Tepper: Natürlich. Ich habe den Investoren erklärt, daß das Großkundengeschäft sechs, zwölf, unter Umständen auch 18 Monate braucht, bis es läuft.

CW: Kann es sein, daß Momenta Pech mit den Geldgebern hatte?

Tepper: Risikoinvestition, sind von jeher durch einen Hauch von Spielermentalität gekennzeichnet: Man will investieren und dafür das Vielfache herausbekommen - wie beim Roulette.

Das kann klappen, das kann aber auch daneben gehen. Als sich abzeichnete, daß bei Momenta nicht alles wie geplant lief, haben die Geldgeber nachinvestiert. Als sich dann immer noch kein Erfolg einstellte, wollten sie nicht mehr. Sie haben kalte Füße bekommen.

CW: Das haben sich Ihre Finanziers aber doch selbst zuzuschreiben. Schließlich, nahmen sie auch Umbesetzungen in der Führungsspitze von Momenta vor und vergraulten den neuen Mann Del Yocam sofort wieder.

Tepper: Daß die Investoren Firmengründer Elahian seines Postens enthoben, ist legitim. Er lieferte ihnen keinen Gewinn für ihr Geld. Daß sie Del Yocam engagierten, war eine gute Idee. Er ist ein PC-Profi und hat Erfahrung mit Problemprodukten. So machte er zum Beispiel die Zeit bei Apple mit Lisa mit - auch ein Produkt, das im Markt eine Hemmschwelle hatte. Nur hielten sich die Geldgeber dann nicht an ihre Versprechen, noch einmal zehn Millionen Dollar bereitzustellen. Dieses Geld aber wäre nötig gewesen, um Zeit zu gewinnen und in Ruhe den Markt weiter bearbeiten zu können. Als Yocam merkte. daß das Geld nicht kam, ist er wieder gegangen. Seinen Namen wollte er verständlicherweise nicht aufs Spiel setzen. Damit war die Firma ab Mitte Juni führungslos, woraufhin die Investoren erst recht kalte Füße I bekamen und ihre 40 Millionen Dollar endgültig den Bach runtergehen sahen. So beschlossen sie, die Kosten zu reduzieren Mitarbeiter zu entlassen und Europa aufzugeben.

CW: Was ist denn von Momenta in USA derzeit noch übrig?

Tepper: Nicht viel. Übriggeblieben ist eigentlich nur die Entwicklungsmannschaft, rund 40 Mitarbeiter. Alles andere - Vertrieb, Service, Produktion - ist eingestellt worden. Kommissarisch leitet ein externer Unternehmensberater die Firma.

CW: Der Pentop wird also weiterentwickelt?

Tepper: Ja, die Investoren versuchen, einen Käufer für das Produkt und für die Patente zu finden, um so wenigstens einen Teil des Geldes zurückzubekommen. Deshalb muß weiterentwickelt werden.

CW: Wie stehen die Chancen?

Tepper: Wahrscheinlich ganz gut. In den vergangenen zwölf Monaten gab es immer wieder Anfragen von Firmen aus USA und auch Fernost, die die Technologie und die Patente erwerben wollten. Nur wurden alle diese Angebote ausgeschlagen, was aus heutiger Sicht sicher ein Fehler war. Mit den damaligen Interessenten hat man jetzt die Gespräche wieder aufgenommen.

CW: Bis ein Käufer gefunden ist, werden die Investoren aber weiterhin Geld für Momenta aufbringen müssen, vor allem für die Weiterentwicklung des Pentop.

Tepper: Richtig. Unlängst sollen erst wieder 1,5 Millionen Dollar geflossen sein, um das USA-Geschäft am Leben zu erhalten. Das wäre Geld genug gewesen, um auch uns am Leben zu erhalten.

CW: Sie aber müßten Konkurs anmelden.

Tepper: Mir blieb nichts anderes übrig, weil die Finanziers eben von einem Tag auf den anderen die Gelder für uns zurückzogen.

CW: Was passiert jetzt weiter mit der Momenta GmbH?

Tepper: Der Konkursverwalter schaut sich an, was vorhanden ist, was aus den Lagervorräten zu machen ist, ob das Geld für einen Vergleich reicht ...

CW: Wie viele Verbindlichkeiten bestehen denn in Deutschland?

Tepper: Das darf ich Ihnen nicht sagen. Es ist aber auch keine riesige Summe.

CW: Und was machen Sie?

Tepper: Ich muß mich trotz allem um die Mitarbeiter, die Lieferanten und die Kunden Kümmern, die kann ich jetzt nicht hängen lassen. Ich kann zwar nicht mehr bestimmen, was zu tun ist, weil das in der Hand des Konkursverwalters liegt, aber einfach von der Bildfläche verschwinden, das kann ich auch nicht.

CW: Was passiert mit den 15 Mitarbeitern?

Tepper: Der Konkursverwalter erklärte mir daß er allen Mitarbeitern termin- und fristgerecht kündigen muß. Bis dahin haben alle Anspruch auf Bezahlung wenn das Geld ausreicht. Ehrlich gesagt - es ist das erste Mal daß ich Konkurs anmelden mußte, deshalb kenne ich mich bei den in einem solchen Fall üblichen Gebräuchen noch nicht aus.

CW: Verspüren Sie noch Lust auf Start-up-Companies?

Tepper: Wenn ein solches Unternehmen ein gutes Produkt hat, warum nicht. Allerdings wird man auch vorsichtiger. Sollte ich wieder einmal zu einer Start-up-Firma gehen, muß sie entweder genug Geld haben oder bereits in einem Land erfolgreich sein. Gleichzeitig den amerikanischen und europäischen Markt aufbauen zu wollen ist wohl zu risikoreich.

CW: Dann wollte Momenta zu schnell zuviel ?

Tepper: Das kann man so sehen. Nur hatte ich darauf keinen Einfluß. Das haben die Investoren entschieden.

CW: Dennoch leidet ja Ihr Image unter solchen Ereignissen. Denn in einigen Monaten interessiert niemanden mehr warum Sie mit Momenta Konkurs anmelden mußten.

Tepper: Da haben Sie schon recht. Der alte Erfolg kann etwas verblassen wenn sich solche Negativ Erlebnisse häufen. Nur, daran denkt man schließlich nicht von vornherein. wenn man etwas Neues anfängt. Außerdem haben wir uns hierzulande nichts vorzuwerfen. Die Verkäufe in Deutschland und Europa haben die in USA um ein Vielfaches überstiegen. Die Aufgaben die in Deutschland und Europa zu lösen waren sind gelöst worden. Wir haben ein Distributionsnetz aufgebaut, Großkunden akquiriert, Systeme verkauft.

CW: Haben Sie denn überhaupt schon Pläne für Ihre weitere Zukunft?

Tepper: Nein. Dazu bestand bislang auch kein Anlaß.

CW: Aber eine Vorstellung werden Sie doch haben?

Tepper: Ich weiß nur daß es für mich noch zu früh ist in Rente zu gehen.