Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.11.2006

Die IP-Revolution schreitet voran

Auf der VoIP-Konferenz VON Europe in Berlin demonstrierten zahlreiche Aussteller und Vortragende, dass sich mit dem Internet Protocol nicht nur Sprache und Videos, sondern auch Visionen transportieren lassen.

Zehn Jahre ist es her, seit Jeff Pulver unter dem Motto "Talking Net" die Net-Voice-Aficionados erstmals in einem Raum um sich versammelt hat. Mehr als 200 Besucher kamen damals zu dem Treffen in New Yorks berühmtem Puck Building, erinnert sich der VoIP-Pionier. Viele davon wurden später - wie er selbst - als Gründer von Hightech- Firmen berühmt. Inzwischen ist Voice over IP (VoIP) Mainstream geworden. Anlass genug für den Mitbegründer des US-amerikanischen VoIP-Providers Vonage, auf der Nachfolgeveranstaltung in Berlin ein Resümee über die Entwicklung der Web-basierenden Kommunikation zu ziehen.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de

571678: IMS - die stille Netzrevolution

579979: Vier Wege zu VoIP - die Qual der Wahl.

Weiterführende Links www.von.com

www.rebtel.com

www.sonypictures.com/ movies/ghostrider/index.html

www.thomashowe.com

www.pulver.com

www.rocketboom.com

www.tikibar.tv

www.network2.tv

Interessante Services und Produkte

Mobiles Skypen

Ein interessanter Ansatz zur Senkung der Mobilfunkkosten stellt auch "IP Voicelink" des norwegischen Herstellers IPdrum dar. Dabei handelt es sich um eine knapp 200 Euro teuere GSM-Box mit integrierter SIM-Karte, die an den PC angeschlossen wird und für das Handy eine mobile Verbindung zu VoIP-Anwendungen wie Skype, GoogleTalk oder MSN herstellt. Die auf der VON vorgestellte Lösung ermöglicht nicht nur Internet-Telefonie für lau, dank Programmen wie "Skypeout" lassen sich zudem die Kosten für internationale Anrufe deutlich senken.

Mobilfunkrebellen

Dass man auch ohne Wifi-Handy billig mobil im Internet telefonieren kann, demonstriert der schwedische Anbieter Rebtel. Ein Kunde aus München, der gerne kostengünstig über sein Handy einem Bekannten in New York anrufen möchte, registriert für ihn bei Rebtel eine lokale Festnetznummer. Umgekehrt erhält er selbst eine New Yorker Nummer, über die er anschließend auf seinem Handy erreichbar ist. Rebtel wickelt die Verbindung über das Internet ab, der Kunde spart sich die horrenden Roaming-Gebühren.

SIP als Wegbereiter

Seit mit dem Session Initiation Protocol (SIP) vor einer Dekade ein wichtiger Meilenstein für den Durchbruch der Technik gesetzt wurde, hat sich einiges geändert, erklärte Pulver. Wurde VoIP zunächst genutzt, um die Gebühren für Ferngespräche zu um- gehen, gehe es heute auch darum, Kosten für Ortsgespräche zu vermeiden. In Zukunft wür- den darüber hinaus auch Mobilfunkkosten, insbesondere die hohen Roaming-Gebühren, ins Visier rücken. Pulver bezeichnete Mobile VoIP als "heißes Thema". Fixed Mobile Convergence (FMC) werde jedoch erst dann den Durchbruch schaffen, wenn die Software für ein Seamless Roaming über Wifi, also die Übergabe von einem Mobilfunk- zu einem Voice-over-Wifi-Gespräch und umgekehrt, funktioniere.

Mobile VoIP vor dem Durchbruch

Weit ist es bis dahin nicht mehr: So stellte Nokia auf der VON in Berlin mit der "Nokia Service Suite" eine Lösung für seine Wifi-fähigen Smartphones der N- und E-Series vor. Ein spezieller Device-Client übernimmt dabei die automatisierte Anmeldung der Handys in WLAN-Hotspots sowie die Übertragung von Nachrichten und Daten. Der "Service Manager" sorgt auf der Provider-Seite dafür, dass - je nach GSM- oder WLAN-Verbindung - die jeweils passenden Dienste bereitgestellt werden. Als erster Provider will laut Nokia der norwegische VoIP-Spezialist Telio die Technik unterstützen und seinen Kunden entsprechende Lösungen für ein Seamless-Handover bereitstellen.

Kunden von Truphone, dem ersten Mobile-VoIP-Provider in Großbritannien, können dank einer Eigenentwicklung bereits jetzt wahlweise via WLAN oder GSM telefonieren.

Geräteauswahl wächst

Als weitere Funktionen werden SMS, Instant Messaging (IM) und Presence unterstützt. Voraussetzung ist derzeit allerdings ein Wifi-fähiges GSM-Handy aus Nokias E-Series-Reihe. In Kürze will Truphone aber auch Modelle der ebenfalls auf dem Symbian-Betriebssystem basierenden N-Series unterstützen. Der Support von Windows-Geräten - ein erstes Modell auf Basis von Windows Mobile 5.0 hat Paragon Wireless nun mit "Hipi-2200" entwickelt - ist auch bei Truphone in Vorbereitung.

"Kunden wollen ein Ge- rät, eine einfache Preisstruktur und eine einzige Rufnummer", erklärte Marketing Director James Tagg in einem Vortrag auf der VON das Erfolgsrezept von Truphone. Um den nahtlosen Wechsel von WLAN zu GSM zu ermöglichen, nutzen die Briten den offenen SIP-Standard. Open-Source-Komponenten wie die IP-basierende Telefonanlage (IP PBX) "Asterisk" und der SIP-Express-Router "Openser", der als Proxy-, Registrar- sowie als Location- oder Application-Server eingesetzt werden kann, sorgen laut Tagg für eine kostengünstige Infrastruktur.

Fixed Mobile Convergence (FMC) als Alternative zur kompletten Verdrängung des Festnetzes durch Mobilfunk haben inzwischen auch etablierte Carrier entdeckt, wenn auch bislang nur mit bescheidenem Erfolg. Die Deutsche Telekom etwa hat ihr Dual-Mode-Angebot "T-One" im Herbst gestartet und hofft, bis Ende 2007 eine halbe Million Kunden zu erreichen. Wie viele Nutzer bereits geworben wurden, wollen die Bonner nicht verraten - um Konkurrenten wie Arcor keine Informationen über das Marktpotenzial der Lösung zu geben, so die offizielle Erklärung.

IMS als Basis für Konvergenz

Damit ausgehend von der Fixed-Mobile-Convergence auch ein größerer Schritt in Richtung "Fixed-Mobile-Convenience" getan wird, benötigt T-One indes noch das Seamless Handover - diese Funktion ist jedoch erst mit der Einführung von IP Multimedia Subsystems (IMS) als Integrationsplattform möglich. Dabei handelt es sich um ein neues Konzept, das die verschiedenen Netze miteinander verbindet und neben FMC auch Triple- oder Quadruple-Play ermöglicht. IMS komme dabei - wie Michael Reuschel von Bearingpoint ausführt - ohne neue Legacy-Systeme sowie ohne Middleware aus und koste nur ein Drittel der bisherigen Summe.

Neue Netzarchitektur

Trotz dieser augenscheinlichen Vorteile muss sich IMS erst noch im Alltagsbetrieb behaupten. Bislang ist die Netzarchi- tektur nur bei der ungarischen Telekom-Tochter Magyar Telekom im Betrieb. Wie Rebecca Copeland, IMS-Beraterin bei Huawei Technologies, berichtete, nutzen die Ungarn IMS, um konvergente Dienste der Bereiche T-Com und T-Mobile anzubieten.

Neben den Carriern haben natürlich auch die TK-Ausrüster und andere Unternehmen entlang der Nahrungskette ein Interesse daran, dass die geplanten IMS-Rollouts ein Erfolg werden. So bietet etwa Empirix, ein US-amerikanischer Anbieter von Mess- und Monitoring-Equipment, in einer nun erweiterten Plattform "Hammer for IMS" die Möglichkeit, verschiedene Features der IMS-Architektur quasi auf dem Trockendock zu testen. Dazu zählen insbesondere Belastungschecks und die Analyse verschiedener Szenarien der geplanten Applikationen. Spirents "Protocol Tester" wiederum überprüft, ob Geräte verschiedener Hersteller - trotz vorgegebener Protokolle - selbst bei hohen Signalisierungs- und Nutzlasten fehlerfrei miteinander kommunizieren.

Web 2.0 + Voice 2.0 = Voice 3.0

Während sich die neuen Netze noch bewähren müssen, scheint die Zukunft der IP-Kommunikation schon vorgezeichnet: "Voice 3.0" werde mehr als die bislang praktizierte Nachbildung von Funktionen der herkömmlichen Telefonie sein, postulierte etwa Jeff Bonforte, Senior Director Real Time Communications bei Yahoo. Es gehe dabei um die Fähigkeit, Sprache direkt in den im Internet vorhandenen Content, die Anwendungen, Dienste und Daten, zu integrieren, erklärte der frühere President von Sipphone (Gizmo-Project) im CW-Gespräch. Der Portalriese Yahoo sei dank seiner vielfältigen Ressourcen gut positioniert, um eine tragende Rolle bei der Transformation der Sprachkommunikation zu spielen. Als Beispiel nannte Bonforte interaktive Rollenspiele wie Yahoos "Soccer Manager". Diese könnten mittels intelligenter Spracherkennung - hier will Yahoo die Lernfähigkeit seiner Suchmaschine nutzen - deutlich attraktiver werden.

Um Neuland zu entdecken und die Industrie weiterzuentwickeln, will Thomas Howe, unabhängiger Berater und in der Branche anerkannter VoIP-Experte, in eine ähnliche Richtung gehen. Howe plant, auf einem Asterisk-Server hinterlegte Voice-Mails in Zehn-Sekunden-Stücke aufzuteilen und automatisch zu übersetzen. Die Transkripte werden schließlich zusammengesetzt und dem Empfänger als E-Mail oder SMS zugestellt. Gelänge es, verständliche Resultate zu generieren, wäre ein neuer Service geboren.

Eli Doron, President und Chefstratege des israelischen IP-Pioniers Radvision, geht davon aus, dass im VoIP-Bereich schon bald die Kompression reduziert und damit die Sprachqualität besser wird. Mit einer Bitrate von 128 Kbit/s (MP3-Qualität) könne der Nutzer dann von überall via IP auf seine eigene Musiksammlung zugreifen, erklärte Doron. Möglich wäre außerdem eine bessere Warteschleifenmusik in Call-Centern.

Noch Raum für Innovatives

IP-Pionier Pulver hat seine eigenen Vorstellungen davon, wohin die Reise geht. Auf der VON Europe demonstrierte er gleich mehrfach, dass das V in VON längst nicht mehr allein für Voice, sondern auch für Video stehe. So wies er darauf hin, dass der Videoblog (Vlog) Rocketboom.com bereits 400000 Views pro Tag verbuche. Gleichzeitig gebe es inzwischen mehr als hundert TV-Shows, die ausschließlich im Web gezeigt würden. Abschließend zeigte Pulver anhand einer Preview des Films "Ghost Rider" von der Website von Sony Pictures, dass Video-Streams in HD-Auflösung und sensationeller Qualität bereits möglich sind. Dass der IP-Szene bei allen Fortschritten der Pioniergeist nicht verloren gegangen ist, bewies Pulver auf der Bühne anhand einer Web-basierenden Videounterhaltung mit einem Freund in Tel Aviv. Da dieser mit einem 3G-Handy telefonierte, wurde die Übertragung zwar von kontinuierlichem Rauschen, Bildausfällen und Verzögerungen gestört, aber sie funktionierte. Ähnlich muss sich Graham Bell gefühlt haben, als er vor 130 Jahren den ersten Telefonanruf tätigte. Oder aber Pulver, als er als 16-Jähriger über sein erstes "Autotelefon" - ein frühes Schnurlostelefon gekoppelt an seine CB-Funkanlage - Verbindung zu seinem Festnetzanschluss herstellte.