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23.07.1999 - 

DV-Finanzierung und Controlling

Die IT ist ein Nebenkriegsschauplatz

Zum 24. Controller-Kongreß in München fanden sich kürzlich rund 700 Spezialisten aus dem In- und Ausland ein. Überraschend: Im Vergleich zu den letzten Veranstaltungen hatte das Thema Informationstechnik erheblich an Attraktivität eingebüßt. Doch dürfte das Verhältnis zwischen Controlling und IT auch weiterhin für Spannungen in den Unternehmen sorgen. Winfried Gertz* berichtet.

Das Selbstverständnis der Controller hat sich verändert. Sie wollen aus ihrem Schattendasein treten und im Hintergrund zum Taktgeber der Unternehmensentwicklung avancieren. Diesem Eindruck konnte man sich zumindest auf dem Controller-Kongreß in München nicht verschließen.

Was die Informationstechnik und ihre Rolle im unternehmerischen Kontext anbelangt, blieb alles beim alten: Sie sei Werkzeug und habe den vom Management auf Controllers Rat hin getroffenen Entscheidungen zu dienen, hieß es einige Male. Was denn nun: traditioneller Kostentreiber oder Instrument für Wertschöpfung und Zukunftschancen? Kein Wort darüber, welche Potentiale sich erst durch technische Innovationen erschließen. Electronic Business und seine Auswirkungen auf die Unternehmen: Fehlanzeige.

Bei der Nabelschau war es denn auch kein Wunder, daß sich der einzige IT-relevante Vortrag des Themas SAP annahm. Die Chance jedoch, auf Alternativen hinzuweisen und den gordischen Knoten Controlling und R/3 zu durchschlagen, wurde nicht genutzt. Statt dessen konnte der Referent, ein Unternehmensberater aus Hamburg, kaum verbergen, daß er an SAP-Einführungen ordentlich Geld verdient. Die Kernaussage der Präsentation: "Nicht SAP ist schuld am Mißerfolg, sondern die Menschen und ihre mangelnde konzeptionelle Vorarbeit", klang dann schon ein wenig zynisch.

Richtig spannend hätte es werden können, der Frage auf den Grund zu gehen, warum sich kein einziger (!) Controller im Auditorium fand, dessen Unternehmen ein SAP-Projekt bereits abgeschlossen hatte - immerhin hob die überwiegende Mehrheit bei der Frage, wer SAP aktuell einführe, die Hand. An die 40 wagten sogar zu signalisieren, daß SAP für sie definitiv kein Thema sei.

Daß der Berater geht, aber das Problem bleibt - an dieser traurigen Realität vieler Projekte hätte sich eine gewinnbringende Diskussion entzünden können. Daran schien jedoch niemand interessiert zu sein. Man kann es nur unterstreichen: Ohne die Zielgruppe der Controller wäre SAP nur irgendein deutsches Softwarehaus.

Daß sich die Koordinaten im internationalen Business verschoben haben und die zunehmende Vernetzung über leistungsfähige Infrastrukturen und Endanwender-Werkzeuge den Entscheidern mächtig "Feuer unterm Dach" macht, hat sich auch unter den Controllern herumgesprochen. Viele suchen händeringend nach Konzepten, mit deren Hilfe sie bei Merger & Acquisitions das Oberwasser behalten. Insbesondere der aus den USA herüberschwappende Druck der vierteljährlichen Reports stellt gewohnte Abläufe zur Disposition. Hilft die Balanced Scorecard dem Controller, das Ruder wieder in die Hand zu nehmen?

Ein ausgewogenes Kennzahlen-Cockpit

Die Konzentration auf das Wesentliche, so Albrecht Deyhle, Vorstand des Controller-Vereins und Doyen seiner deutschen Berufsgruppe, könne eine Balanced Scorecard durchaus leisten. Wachstum, Entwicklung und Gewinn, im fachmännischen Austausch auch WEG-Konzept genannt, müsse sich zunehmend an weichen Faktoren orientieren. Wer in Kundenbindungen investiert oder in die Talente seiner Mitarbeiter, schmälert zwar heutigen Gewinn und Cashflow - und bekäme auch gewaltige Probleme mit dem Controller alter Prägung. Doch Gewinn in Entwicklung zu investieren, im Interesse nachhaltigen Wachstums, sei die zentrale Aufgabe der Unternehmenssicherung. Dies zu steuern verspricht die Balanced Scorecard, ein ausgewogenes Kennzahlen-Cockpit, das dem Entscheider alle wesentlichen Perspektiven auf einen Blick vermittelt.

Werteorientierte Betriebswirtschaft, also der gewagte Sprung vom Shareholder-Value zu echtem Stakeholder-Value, stellt neue Fragen (auch: Wie unterstützt der IT-Bereich unsere Geschäftsprozesse?), vermittelt andere Sichtweisen und erschließt ein bisher unbekanntes Terrain (Kunden- und Anwenderzufriedenheit sowie Mitarbeiterproduktivität). Wer sich darauf einläßt, benötigt lückenlose Informationen, schnell und zuverlässig distribuiert.

Negative Salden und Kauderwelsch

Das Dilemma der Entscheider: Ohne IT sind wichtige Weichenstellungen in die Zukunft nicht möglich. Und dann der Wildwuchs in der Informationstechnik. Während Controller, die traditionellen Bundesgenossen der Top-Etage, unter dem Strich negative Salden präsentieren, tragen DV-Leute mit ihrem Kauderwelsch wesentlich zur kommunikativen Blockade bei.

Unter solchen Bedingungen Kosten und Chancen überblicken zu können ist eher ein Meisterstück als eine Selbstverständlichkeit.

"Der Controller sollte auch Leiter der IT sein"

Mit Dr. Albrecht Deyhle, Vorstand des Controller-Vereins, Gauting, sprach Winfried Gertz.

CW: Wie steht es um das Verhältnis zwischen IT und Controlling?

Deyhle: Was die Informationsversorgung anbelangt, ist die Arbeit von Controllern eng mit der Datenverarbeitung verknüpft. Wenn ich als Controller zu Transparenz und Orientierung beitragen soll, dann ist dies ohne DV nicht zu machen. Nach dem von uns empfohlenen Organisationsmodell sollte der Chef-Controller auch Leiter der IT sein. Im Vorstand wären Controlling und IT ein identisches Ressort. Das Finanzressort hingegen konzentrierte sich auf den Jahresabschluß, die Bilanz - eben auf das interne Rechnungswesen.

CW: Welche Aufgaben entfielen auf das Controlling, welche auf IT?

Deyhle: Wir müssen zunehmend internes und externes Rechnungswesen zusammenfügen. Die Stichworte lauten: Shareholder-Value, Finance Reporting und Quartalsabschlüsse nach US-GAAP. Bei der Wacker Chemie ist dies beispielsweise schon gelungen. Als Konsequenz daraus wird sich die IT-Seite wieder stärker auf das Informationstechnische konzentrieren, während die Controller-Funktion mehr zum IT-Manager tendiert. Externe Rechnungslegung ist vor allem von rechtlicher Relevanz: Controller müssen sich immer mehr im Handelsrecht, Aktienrecht, Vertragsrecht, internationalen Recht oder Steuerrecht auskennen.

CW: Auch der Münchner Controller-Kongreß wurde vom Megathema Balanced Scorecard beherrscht. Es gibt bereits Softwarehersteller, die fertige Lösungen anbieten. Sehen Sie eine Möglichkeit, eine durch IT abzubilden?

Deyhle: Die Unternehmenssteuerung gründet nicht nur auf Zahlen, sondern zunehmend auch auf weichen Faktoren. Wie es um die Kundenzufriedenheit bestellt ist, solche Informationen kann ich nicht vom Computer erwarten. Die Fähigkeiten der Mitarbeiter, etwa die Qualität der telefonischen Beratung oder die Bearbeitung von Reklamationen, muß ich auf andere Weise ermitteln.

CW: Aber damit haben die Controller bisher noch nichts zu tun gehabt.

Deyhle: Im engeren Sinne nicht, allerdings waren die dezentralen Controller im Marketing oder in den Niederlassungen damit schon immer befaßt.

CW: Der Controller wird sich demnach nicht nur um Shareholder-Value, sondern auch um echten Stakeholder-Value kümmern müssen, also um wertorientierte Unternehmensführung?

Deyhle: Und dazu gehört die Kompetenz, jemanden ins Gebet zu nehmen. Wir werden immer mehr über den Tellerrand hinausgucken müssen. Es kommt darauf an, die Talente der Menschen freizulegen und weiterzuentwickeln.

CW: Nicht auszurotten ist das Bild vom Controller als Paragraphenreiter und Erbsenzähler, der alles auf Zahlen und Kosten herunterbricht. Wie sollte sich gerade er zum Vordenker einer solchen werteorientierten Unternehmenssteuerung machen?

Deyhle: Genau das ist der Sinn der "Balance". Dies auszutarieren wird künftig zentrale Aufgabe des Controllers sein.

CW: Welche Rolle spielt künftig das Internet für die Controller?

Deyhle: Die Beratung des Managements ist immer das persönliche Gespräch. Diese persönliche Begegnung kann durch Kommunikationsmedien wie Internet oder E-Mail nicht abgelöst werden. Im Tagesgeschäft jedoch, insbesondere im internationalen Geschäft, kann ich über diese Kanäle vieles beschleunigen und informeller gestalten. Dennoch: Wenn ich die Menschen nie erlebt und ihr Umfeld nicht kennengelernt habe, kann ich nicht verstehen, warum jemand am Telefon so ungehalten ist.

Nämlich weil er in einer stickigen Bude und nicht in einem vollklimatisierten Büro sitzt.

CW: Was empfehlen Sie fürs Intranet?

Deyhle: Vielen ist das Kauderwelsch der Controller fremd. Warum also nicht ein Lexikon der wichtigsten Fachbegriffe ins Intranet bringen, damit sich alle ohne großen Aufwand sofort verständigen können?

*Winfried Gertz ist freier Journalist in München.