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13.11.2006

Die IT-Mode des kommenden Jahres

Gartner hat seinen Technologie-Hypecycle durchforstet und Anwendern ans Herz gelegt, zehn Technologien beziehungsweise Trends in den nächsten 18 bis 36 Monaten genau zu beobachten.
Womit sich Anwender in den kommenden Jahren beschäftigen sollten.
Womit sich Anwender in den kommenden Jahren beschäftigen sollten.

"Open-Source ist heute Bestandteil der Enterprise-DNA", postulierte Gartner-Analyst David Clearly und machte damit den IT-Verantwortlichen auf der IT-Expo in Cannes unmissverständlich klar, dass sie an quelloffener Software, aber auch an dem Entwicklungsprinzip der Open-Source-Szene nicht mehr vorbeikommen. Gartner geht allerdings davon aus, dass im Jahr 2008 Open-Source-Software (OSS) zu 75 Prozent auf neuen IT-Systemen installiert sein wird. Dabei sind Infrastrukturangebote wie Betriebssystem, Application-Development-Tools (Eclipse), Application Integration und Middleware (Jboss, Apache Webserver) bereits ernst zu nehmende Alternativen zu kommerziellen Angeboten.

Im Enterprise-Applikationssegment befinde sich OSS indes noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Allerdings erkennt Gartner interessante Ansätze in den Bereichen Kommunikation, Collaboration und Content-Management. Mit zunehmender Reife der Infrastrukturangebote werden sich auch mehr Open-Source-Applikationen für das Frontend (Workplace) entwickeln, die auf den jeweiligen Infrastrukturen aufsetzen.

Virtualisierung wird während der nächsten Jahre eine wichtige Technologie bleiben. "Sie hilft, die Kosten zu reduzieren, schafft mehr Flexibilität und spart darüber hinaus auch Energie in den Rechenzentren", sagte Clearly. Heute werde nur für fünf Prozent aller Intel-Server Virtualisierung genutzt. Bis 2009 soll dieser Wert auf 40 Prozent steigen. Gartner unterscheidet drei Arten der Virtualisierung:

• Division: die Teilung einer physischen Maschine in mehrere kleine "Container", in denen verschiedene Betriebssysteme und Applikationen laufen können.

• Teleportation: Ein Container kann von einem physischen Rechner auf einen anderen übertragen werden, ohne die Arbeit zu unterbrechen.

• Aggregation: Ein Container kann über verschiedene physische Rechner ausgedehnt werden, um etwa erhöhten Workload abzufedern.

Die beiden letzten Arten der Virtualisierung sind noch relativ neu, werden sich laut Gartner aber schnell durchsetzen.

Information Access ist für Gartner mehr als die individuelle Informationssuche, wie sie heute beispielsweise Google im Internet ermöglicht. Sie stellt nur die Basis dar und wird sich weiterentwickeln zu einer integrierten Suche, mit der Nutzer Zugang finden zu allen möglichen Informationen auf dem Desktop wie Daten aus Anwendungen, Bildern, Video und Audio. Den nächsten Schritt bezeichnet Gartner als "erweiterte Suche" im Datenpool von Unternehmen. Allerdings werden bereits dazu und vor allem für den nächsten Evolutionsschritt, die kontextbezogene Navigation, Klassifizierung und Modellierung von Informationen notwendig. Die kontextbezogene Navigation dürfte sich mit der Zeit auch auf Social Networks ausdehnen und die Rolle des Nutzers und seine Rechte in einem bestimmten Business- Prozess berücksichtigen. Dieser Zugang zu immer mehr Informationen muss gemanagt werden. Schon aus Sicherheitsgründen sollten Untenehmen regeln können, wer unter welchen Bedingungen Zugang zu welchen Informationen hat.

Ubiquitous Computing bezeichnet Clearly als einen langfristigen Trend, der seinen Anfang schon 1960 in den berühmten Parc-Labors von Xerox nahm. Das Konzept hat Mark Weiser entwickelt. Er ging in den 60ern davon aus, dass sich das Verhältnis von Menschen zu Computern umdrehen werde. Es müssten sich nicht mehr tausende von Menschen einen Computer teilen, sondern ein Mensch werde tausende Computer nutzen. "Wir haben den Rubicon bereits überschritten", erklärte Clearly, "wir sind schon weit über das Verhältnis von eins zu eins hinaus, und die Entwicklung beschleunigt sich." Als Beispiel nannte er den Siegeszug von RFID-Tags und deren Kommunikationsmöglichkeiten sowie die Durchdringung von Autos mit Computern, die hinter einfachen Knöpfen versteckt sind. Das alles verlange ein neues Niveau von Connectivity, das durch eine Mischung aus kabelgebundener und kabelloser Technik erreicht werde. Mit dem weiteren Vordringen von Computern in Gegenstände des täglichen Gebrauchs nehmen die sie verbindenden Netze Ausmaße an, die nicht mehr zentral gemanagt werden können. Mesh Networks, die selbst Verbindungen aufbauen, sich selbst verwalten und selbst reparieren können, seien deshalb nötig.

Natürlich sieht Gartner auch die Weiterentwicklung von Service-orientierten Architekturen als einen wichtigen Trend und postuliert: Bis 2008 werden Service-oriented Development of Applications (SODA), Service-orientierte Business Applications (SOBA), Web- Services, Orchestrierungswerkzeuge und Pozess-Management sich miteinander verzahnen.

Deshalb sind Unternehmen dazu gezwungen, ihre eigenen Business Process-Plattformen (BPP) zu definieren. Dabei kommt den so genannten Business Service Repositories eine besondere Rolle zu. In den Repositories werden einzelne Services, die wiederum zu Sobas zusammengesetzt werden können, gespeichert und zusammen mit den Regelwerken für ihren Einsatz verwaltet. Das Repository kann dabei auch auf externe Services verweisen. Mit dem Aufbau dieses neuen SOA-basierenden Frameworks entstehen neue Kategorien integrierter Produkte und Technologien von Middleware-, Plattform- und Applikationsanbietern. Für Anwenderunternehmen bedeutet das eine Rekonstruktion ihrer Applikationslandschaft in einer BPP, die ihnen eine größere Flexibilität bietet. "Deshalb sollten Anwender nach einer integrierten Plattform suchen, die ihnen ein Business Service Repository und die Orchestrierungstechnologie zum Aufbau einer BPP liefert", rät Clearly. Er umschreibt solche Plattformen als Business Process Management Suites.

Aufgrund des SOA-Trends rät Gartner Anwendern außerdem, sich intensiv mit Enterprise Information Management (EIM) zu beschäftigen. Unternehmen, die solche Strategien verfolgen", verdoppeln ihre Chancen, SOA-Projekte erfolgreich zu gestalten". Bei SOA geht es ums Entkoppeln - Daten von Prozessen, Anwendungen von Schnittstellen und Applikationen von Servern. Deshalb könne SOA nur erfolgreich sein, wenn klar ist, wo sich die Informationen befinden, wie man herankommt und welches die verantwortliche Quelle für die Information ist.

Während die Enterprise-IT relativ schnell erkannt hat, wie wichtig SOA für sie ist, begreift sie die Bedeutung von Web 2.0 offenbar langsamer. Laut Gartner dürfte bis 2008 zwar die Mehrheit der großen Untenehmen Web-2.0-Techniken einsetzen, aber die "soziale und die interaktive Komponente" vernachlässigen. Einige der Techniken - allen voran Ajax - stuft Gartner allerdings für die Entwicklung Web-orientierter Architekturen als sehr bedeutsam ein. Noch sind die Unternehmen mit so genannten Rich Internet Application und fetten Web-Clients eher vorsichtig. Doch Gartner attestiert Ajax enormes Potenzial. Es sei sogar so groß, dass es eine der wichtigsten Gefahren für Microsofts Office und Windows darstellt. Ajax bietet dem Nutzer schon heute ähnliche Rich-Client-Erfahrungen wie ein fetter PC-Client. Web-Anwendungen wie Spreadsheets oder Texteditoren lassen sich mit Ajax genauso komfortabel und funktionsreich gestalten wie auf einem PC.

Ebenfalls mit Web 2.0 hat das Vordringen so genannter Mashup-Applications in die Unternehmen zu tun. Die bekanntesten Beispiele für Mashups liefern zurzeit die Kombinationen mit Google-Maps, wo beispielsweise kartografische Informationen mit Kundendaten aus CRM-Systemen zu einer neuen Anwendung verbunden werden können. Mashups nutzen verschiedene Inferfaces, APIs, Web-Service-Aufrufe, Javascripts und Web Feeds (RSS und Atom), um die gewünschten Inhalte zusammenzubringen.

Der letzte Punkt der wichtigsten Technologien stellt eher einen Trend als eine Technik dar. Dafür einen, der es in sich hat: Gartner nimmt an, dass schon 2010 rund 70 Prozent der Einwohner in den Industrienationen pro Tag zehnmal länger mit Leuten in der virtuellen Welt kommunizieren als in der physischen.

Durch Web-Technologien sind neue digitale Communities entstanden, die auf neue Art und Weise kommunizieren und zusammenarbeiten und so neue Informationsquellen (Konsumenten) erschlossen haben. Gartner rät Unternehmen:

• in diesen Unternehmen Talente für das eigene Unternehmen zu finden,

• die kollektive Intelligenz dieser Communities zu nutzen, um die eigenen Produkte und Services zu verbessern,

• die Verbindungen des weltumspannenden Netzes zu verwenden, um neue Lösungswege für schwierige Probleme zu entdecken,

• Lead User aufzuspüren, die zu Innovationen beitragen können.