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19.12.1997 - 

Jahresrückblick/Die einen wurden geschaßt, die anderen gingen von selbst

Die IT-Prominenz geriet heftig ins Schleudern

Noch ist der bestbezahlte Schleudersitz der IT-Branche vakant. Nach nur 16 Monaten im Amt mußte Apple-Chef Gilbert Amelio im Juli seinen Stuhl räumen. Dem Nachfolger Michael Spindlers, dem der Ruf eines hervorragenden Sanierers vorausgeeilt war - Ergebnis seiner Zeit bei National Semiconductor -, fand einfach kein Heilmittel gegen den anhaltenden finanziellen Niedergang des PC-Pioniers. Seither schwingt Apple-Heimkehrer Steve Jobs das Zepter - als Übergangs-CEO mit Appetit auf mehr. Denn noch immer ist kein geeigneter Kandidat für den Chefsessel in Cupertino gefunden, und der Mitte der 80er Jahre geschaßte Mitbegründer scheint nach anfänglichem Widerstreben einer Berufung zum Chef nun nicht mehr abgeneigt zu sein. Ein anderes Apple-Urgestein hingegen verabschiedete sich im August. A. C. "Mike" Makkula nahm im Zuge der kompletten Aufsichtsratsumgestaltung seinen Hut. Er hatte bei der Apple-Gründung 1976 als Financier gewirkt und seither im Hintergrund die Fäden gezogen. Die graue Eminenz, wie ihn die Apple-Anhänger nannten, überließ das Feld einer illustren Truppe. Zu den neuen "Kontrolleuren" des PC-Pioniers zählen Oracle-Chef Larry Ellison, Ex-IBM-Finanzchef Yerome York und Intuit-CEO Bill Campbell.

Bevor Amelio gefeuert wurde, hatte eine Managerflucht eingesetzt. Marco Landi kehrte dem Unternehmen nach seiner Degradierung vom Chief Operation Officer zum Vice-President Sales and Support im Februar den Rücken. Ihm folgten Heidi Roizen, bis dahin zuständig für die Mac-Programmierer, Fred Forsyth, Chef der Powermac-Abteilung, Verkaufs-Manager John Floisand und Corporate-Marketing-Stratege Satjiv Chahil. Im April sandte Europa-Chef Jan Gesmar-Larsen seine Kündigung ins Hauptquartier und bandelte mit Apples Kontrahenten Dell an, wo er seither das Europa-Geschäft verantwortet. Im Mai warfen schließlich auch Chief Operating Officer George Scalise und Entwicklungschef Rick LeFaivre das Handtuch.

Chief Technology Officer Ellen Hancock, Mitte 1996 von Amelio von National Semiconductor an Bord des schlingernden Apple-Frachters geholt und schon seit längerem mit Abwanderungsgedanken befaßt, verließ an der Seite ihres Bosses das Unternehmen.

Frustration als Massenphänomen

Sechs Monate dauerte die Suche von Novell nach einem neuen Unternehmenslenker. Im August 1996 hatte der glücklos agierende Ex-HP-Manager Robert Frankenberg die Segel gestrichen. Seither war Joseph Marengi als Interims-Chef für die Geschicke der angeschlagenen PC-Netzwerksoftwareschmiede verantwortlich gewesen. Im April schließlich war mit Eric Schmidt, bis dato Chief Technology Officer bei Sun und "Miterzeuger" der Programmiersprache Java, der neue Boß gefunden. Es sei die Chance seines Lebens, sagte der 41jährige bei seinem Amtsantritt.

Doch seine Euphorie wich bald tiefem Unbehagen: Für das am 30. April beendete zweite Quartal mußte er gleich rote Zahlen präsentieren und griff zum in Krisenzeiten gängigen Mittel des Personalabbaus, der auch an der deutschen Dependance nicht spurlos vorüberging. Außerdem sah er sich von hochrangigen Novell-Managern im Stich gelassen. Europa-Vormann Willy Söhngen sagte seinem neuen Chef ebenso good-bye wie der nach Schmidts Berufung ins zweite Glied zurückversetzte Marengi. Er habe keine Lust, ein weiteres Jahr am Turnaround von Novell zu arbeiten, begründete der President und Chief Operating Officer seinen Ausstieg nach neunjähriger Dienstzeit. Er tauchte nur wenige Wochen später als Senior Vice-President für strategische Beziehungen beim texanischen PC-Direktverkäufer Dell auf. Söhngen wurde im September Vorstandsmitglied bei der Münchner Softwareschmiede Ixos und übernahm dort die Verantwortung für den Vertrieb. Mit Vic Langford kehrte im Juli schließlich ein weiterer langjähriger Novell-Manager dem Unternehmen den Rücken. Seinen Verantwortungsbereich, das Internet, hatte Schmidt kurz zuvor zur Chefsache erklärt.

Eine gehörige Portion Frust war auch beim Manager-Shakeout bei 3Com und Informix im Spiel. Bei dem Netzwerkkrösus quittierten Europa-Lenker Franz Fichtner und Deutschland-Statthalter Albert Müller nach acht- beziehungsweise siebenjähriger 3Com-Zugehörigkeit im Juli entnervt ihren Dienst. Ihre Posten fielen der weitreichenden Reorganisation zum Opfer, die die Boston Consulting dem Netzwerker nach der Übernahme des Modem-Highflyers U.S. Robotics im April verordnet hatte. Fichtner lenkt seit Oktober die Geschicke der Starnberger Diamond Multimedia GmbH, der früheren Spea Software AG.

Der Wechsel eines anderen 3Com-Topmanagers wiederum wirbelte beim kalifornischen Datenbankhersteller Informix im Sommer die Führungsriege kräftig durcheinander. Nach starken Umsatzeinbrüchen und hohen Verlusten im ersten und zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs hatte sich der bis dahin erfolgsverwöhnte Unternehmensgründer und -chef Phil White selbst aus dem Verkehr gezogen. Er wechselte in den Aufsichtsrat und präsentierte Marketing- und Vertriebsprofi Robert Finocchio von 3Com als seinen Nachfolger. Der 46jährige war seit der Fusion der Netzwerkschmiede mit U.S. Robotics für das Unternehmen nur noch beratend tätig und deshalb auf der Suche nach neuen Herausforderungen gewesen.

Während White noch Finocchios Führungsqualitäten und dessen Erfolge "als Manager in schwierigen Situationen" pries, gaben gleich drei eingefleischte Informix-Bedienstete kurz nacheinander ihre Posten ab. Sie waren augenscheinlich nicht daran interessiert, die Vorzüge ihres neuen Bosses kennenzulernen: Zunächst verabschiedete sich Klaus Blaschke, der 1991 an Bord gekommen war und zuletzt als Vice-President für Zentral- und Osteuropa fungiert hatte. Dann ging Europa-Chef Walter Königseder, der dem Unternehmen ebenfalls sechs Jahre die Treue gehalten hatte; seinen Platz nahm im September Jean-Paul Minarro ein, der 1995 von Oracle zu Informix gestoßen war. Und schließlich kündigte auch Marekting-Spezialist Werner Niebel, seit 1990 bei Informix. Er stieg in die Geschäftsleitung der Erlanger Softwarehaus GSB ein.

Nur ein kurzes Gastspiel gab Wolfgang Jaeger bei der deutschen Silicon Graphics GmbH in Grasbrunn. Im April hatte der 56jährige seinen Posten als Geschäftsführer für den Bereich Industrie, Handel und Verkehr bei Siemens-Nixdorf aufgegeben und den Chefsessel bei der deutschen Tochter des US-Anbieters von Hochleistungs-Grafik-Workstations und -Servern übernommen. Sechs Monate später kündigte dann allerdings Oracle an, Jaeger sei zum Geschäftsführer der deutschen Tochter bestellt worden. Das kuriose daran: Anfang September hatte der Datenbankhersteller gemeldet, in dem Österreicher Hans Jarnik, bis dato Oracles General Manager für Ost- und Mitteleuropa, nun endlich einen Nachfolger für den langjährigen Statthalter Fritz Niedermaier gefunden zu haben. Dieser hatte seit anderthalb Jahren seinen Abschied mangels Nachfolger immer wieder hinausgezögert, war aber im Juni endgültig ausgestiegen.

Jarniks schnelle und völlig überraschende Ablösung begründete Oracle damit, er sei nur eine Interimslösung gewesen. Diesen Eindruck aber hatte der Österreicher bei den ersten Interviews als Oracle-Deutschland-Chef keineswegs vermittelt. Er werde sich in München sehr wohl fühlen, und sein neuer Job sei kein Schleudersitzposten, sagte er der COMPUTERWOCHE Mitte September. Denkbar ist, daß Europa-Chef Pier Carlo Falotti nur halbherzig die interne Lösung gewählt hatte, um sich endlich des leidigen Problems der Niedermaier-Nachfolge zu entledigen, die Augen aber weiter offenhielt, dann in Jaeger den Mann seiner Vorstellungen fand und Jarnik deshalb wieder auf seinen alten Platz verwies. Jaeger, der Pier Carlo Falotti wie Jarnik seit ihrer gemeinsamen Zeit bei Digital Equipment bekannt ist, hat sich vermutlich selbst ins Spiel gebracht - zu einer Zeit, da er absehen konnte, daß Silicon Graphics schwierige Monate bevorstehen. Kaum hatte er sich nämlich verabschiedet, meldete SGI für ihr erstes Quartal satte Verluste, was auch zum Rückzug des langjährigen CEOs Edward McCracken führte.

Herausforderung für den Macher im Hintergrund

Neben Jaeger hatte SNI-Oberhaupt Gerhard Schulmeyer einen zweiten Abgang aus seiner Topmanagement-Etage zu verkraften: Richard Roy, den er Anfang 1995 von Hewlett-Packard in Böblingen losgeeist hatte, konnte der Verlockung nicht widerstehen, den seit Monaten verwaisten Geschäftsführerposten bei der Microsoft GmbH zu besetzen. Im Juni trat der 42jährige seinen Job und damit die Nachfolge von Christian Wedell an. Dieser hatte sich im Herbst 1996 überraschend aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und nur noch als Berater des Unternehmens fungiert.

Mittlerweile hat er Microsoft ganz den Rücken gekehrt. Roy, der sowohl bei HP als auch bei SNI als Macher im Hintergrund galt, besitzt nicht nur fachliches Know-how. Ihm eilt vor allem der Ruf eines Sympathieträgers voraus. Ob er diesem gerecht wird, kann er nun unter Beweis stellen. Da Microsoft derzeit von allen Seiten unter Beschuß genommen wird, dürfte seine vorrangigste Aufgabe darin bestehen, das angekratzte Image des Softwaregiganten aufzupolieren.

Einen neuen Landesfürsten hat seit Anfang 1997 auch IBM. Edmund Hug wurde im Januar nach Paris beordert, um von dort auch als General Manager Country Operations die IBM-Landesgesellschaften in Europa, im Mittleren Osten und Afrika zu steuern.

Vier Jahre hatte der 56jährige den Chefposten in Stuttgart innegehabt und in dieser Zeit artig alle Umbaudirektiven und Stellenstreichungen von IBM-Boß Louis Gerstner in die Tat umgesetzt. Mit eigenen Ideen für die Deutschland-Tochter tat er sich indes schwer. Vor allem gelang es ihm nicht, IBMs Durchschlagskraft im PC-Geschäft zu erhöhen. Hugs Nachfolger in Stuttgart wurde Hermann-Josef Lamberti. Der 41jährige, seit 1985 bei IBM und zuletzt in New York für das weltweite Marketing der IBM/390 veranwortlich, ist der jüngste Topmanager, der jemals der deutschen Dependance vorstand.

Bei der deutschen Compuserve GmbH ging im Juni Felix Somm von Bord. Die Hintergründe für den überraschenden Abgang des gebürtigen Schweizers, der 1991 die deutsche Niederlassung aufgebaut hatte, blieben im dunkeln. Die offizielle Begründung lautete, Somm wolle seine eigene Company gründen. Allerdings wurde auch gemutmaßt, er sei aufgrund der gegen ihn anhängigen umstrittenen Klage wegen wissentlicher Beihilfe zur Verbreitung von kinder-, gewalt- und tierpornografischen Bilddateien in verschiedenen Newsgroups des Internet aus der Schußlinie genommen worden. Zu seiner Nachfolgerin wurde seine bisherige Stellvertreterin Eva Preuss ernannt.

Ebenfalls 1991 war Kurt Dobitsch vom Vertriebschef zum Geschäftsführer der deutschen Compaq Computer GmbH aufgerückt. Im Juli aber fand seine Ära ein abruptes Ende. Von einem Tag auf den anderen verließ er das Unternehmen und brachte damit die Unternehmenssprecher in Erklärungsnotstand. Es sei eine einvernehmliche Trennung gewesen, Dobitsch wolle sich nach 25 Jahren IT-Industrie "persönlichen Belangen" widmen, hieß es. Fakt indes ist, daß Compaq-Oberhaupt Eckhard Pfeiffers über die Ergebnisse der deutschen Tochter zunehmend mißmutiger wurde. Obwohl bereits seit 1994 sowohl im Weltmarkt als auch in Europa die Nummer eins im PC-Geschäft, hat Compaq diese Position hierzulande bislang nicht ergattern können. Was noch schwerer wiegt: 1996 haben die Münchner Marktanteile sowohl bei Stückzahlen als auch beim Umsatzvolumen eingebüßt und auch 1997 nur unwesentlich Boden gutgemacht. Außerdem schien der gebürtige Österreicher, ein Verfechter der indirekten Vertriebspolitik, seinem Boß bei dessen Direktverkaufsambitionen im Weg zu sein. Die Nachfolge von Dobitsch trat Ex-Debis-Managerin Gerrit Huy an. Die branchenfremde, aber energische 43jährige will - neben der Rückeroberung von Marktanteilen - bis zum Jahr 2000 in Deutschland einen Umsatz von vier Milliarden Mark generieren. Das wird für sie ein hartes Stück Arbeit werden: Für 1997 erwartet Huy Einnahmen von rund 1,7 Milliarden Mark.

Gänzlich unspektakulär hingegen verlief im Oktober die Beförderung von Gabriele Rittinghaus zur Geschäftsführerin der Computer Associates GmbH. Sie folgte auf Tony Martin, der nach zwei Jahren an der Spitze der deutschen Dependance die Leitung der European Global Accounts Division in Slough übernahm.

Somit sind derzeit immerhin vier Frauen für die Geschicke deutscher IT-Unternehmen zuständig. Ob allerdings die vierte im Bunde, Karola Bode, noch lange als Geschäftsführerin der deutschen Tochter von PC-Direktverkäufer Gateway 2000 fungieren wird, ist fraglich. Jüngsten Gerüchten zufolge soll die Dependance dichtgemacht werden.

Angeklickt

Reich an Sensationen war das Jahr: Microsoft "rettet" Apple, wird aber seinerseits von der US-Justizministerin an die Kandare genommen. Ungeahnte Personalverschiebungen machen Karrieren in der IT-Branche noch unberechenbarer und das Akquisitionsparkett noch glatter. Und Bill Gates setzte sich mit Apple-Heimkehrer Steve Jobs und NC-Erfinder Larry Ellison an an einen Tisch.

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.