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Dietmar Schröder | Techniker Krankenkasse


29.11.2007 - 

Die IT wird zum Innovationstreiber

Dietmar Schröder begann seine Karriere bei der Techniker Krankenkasse in der Fachabteilung. Das erleichtert die Modernisierung der Infrastruktur.

Ein guter CIO muss die Sprache der Fachabteilungen sprechen", sagt Dietmar Schröder. "Es wird erwartet, dass er das Geschäft kennt." Anders als viele seiner Kollegen in Großunternehmen bringt der gelernte Sozialversicherungsfachangestellte den Stallgeruch eines ausgewiesenen Fachexperten mit: Vom Organisator arbeitete er sich über den Projekt- und Gruppenleiter zum Bereichsleiter hoch. Seit 1998 verantwortet er die IT der zweitgrößten Krankenkasse Deutschlands mit rund 10 000 Mitarbeitern und 6,2 Millionen Versicherten.

Kurzporträt | Dietmar Schröder

Geburtsjahr 1954.

Position IT-Leiter.

Ausbildung Sozialversicherungsfachangestellter, Organisator.

Stationen

Fachbereichsleiter in der IT (1991 1993), Fachreferatsleiter

(1993 1998).

Ein CIO muss ... die Sprache des Business sprechen.

Er liest ...vorwiegend Kriminalromane.

Er wollte mal ...Pilot werden.

Unternehmen

Branche Versicherung.

Mitarbeiter 10 000.

IT des Unternehmens

Mitarbeiter340.

IT-Budget ~ 90 Mio. Euro.

OrganisationCost-Center.

Projekte TKeasy-Migration, TKiPost

.

Ziel

Optimale Integration von Geschäfts- und IT-Strategie.

Sein Werdegang half ihm, eines der größten IT-Modernisierungsprojekte in der Branche zu stemmen: Den Austausch der überwiegend in Cobol geschriebenen sozialversicherungsrechtlichen Kernanwendungen durch eine mehrschichtige Java-basierende Architektur, genannt "TKeasy". Noch während der Umstellung stieß Schröder ein weiteres ambitioniertes Vorhaben an. Die Techniker Krankenkasse (TK) sollte ihr gesamtes fachliches und organisatorisches Wissen in einem Portal bündeln.

Rückendeckung vom Vorstand

Ohne die Rückendeckung aus dem obersten Führungsgremium wären solche Mammutprojekte nicht realisierbar, berichtet der Manager. Der TK-Vorstand sehe die IT nicht als Kostenstelle, sondern als "Innovationstreiber". In dieser glücklichen Lage fiel es Schröder nicht schwer, das Budget für die Modernisierung der Altanwendungen durchzuboxen. Allein die Migration der Legacy-Systeme verschlingt rund 50 Millionen Euro. Hinzu kommen diverse Neuentwicklungen, die veränderte Geschäftsanforderungen der TK abdecken, zum Beispiel das Angebot von Wahl-tarifen.

Die grundsätzliche Entscheidung für TKeasy fiel bereits 1998, so Schröder. Seinerzeit arbeitete der Hamburger Versicherer noch überwiegend mit Cobol-Anwendungen auf dem Großrechner, die die Mitarbeiter über 3270-Terminals nutzten. Drei Jahre später beschloss die TK, neue Anwendungen nur noch in Java zu entwickeln und sämtliche Legacy-Anwendungen auf die Java-Plattform zu überführen. Heute laufen 64 Kernanwendungen, darunter beispielsweise die Versichertenbestandsführung, in der dreischichtigen Java-Architektur. Bis Ende 2009 wollen die Hanseaten die verbliebenen zwölf Altanwendungen migriert haben.

Schröder setzt dabei ausschließlich auf eigenes Personal; für die Migration hat er 27 interne Entwickler abgestellt. "Wir wollten das Know-how im Haus behalten", begründet er die Strategie. Dessen ungeachtet lässt er TKeasy zweimal im Jahr von externen Spezialisten unter die Lupe nehmen, die ein ausführliches Gutachten erstellen. Nach Einschätzung des Java-Erfinders Sun Microsystems handelt es sich um das derzeit weltweit größte Java-Anwendungssystem, mit täglich rund 2,4 Milliarden Objektzugriffen. Im Tagesdurchschnitt verarbeitet TKeasy mehr als 17 Millionen Transaktionen und bietet rund 6500 Anwendern gleichzeitig Zugriff.

Dagegen nimmt sich das Wissens- und Informationsportal "TK Know-how" vergleichsweise bescheiden aus. Bei einer Dauer von 13 Monaten verursachte das Projekt Kosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Andererseits sind die positiven Effekte sofort messbar: Laut Schröder ergeben sich jährliche Einsparungen von 750 000 Euro, der Return on Investment (RoI) des Vorhabens liege bei satten 54 Prozent.

Dabei gestaltete sich auch das Portalprojekt alles andere als einfach. Die benötigten Informationen waren auf viele einzelne Quellsysteme im Unternehmen verstreut. Schröder: "Dieses über Jahre gewachsene Wissen musste in kürzester Zeit auf eine einheitliche Plattform migriert werden. Nur so ließ sich der Aufwand für die doppelte Pflege der Inhalte reduzieren." Die technische Basis bildet eine Intranet-Plattform, die auf einem modernen Content-Management-System und einer kontextbasierenden Suchmaschine aufsetzt. Eine der größten Herausforderungen war es laut Schröder, die Fülle der Informationen neu zu strukturieren und eine Informationsarchitektur zu entwerfen, in der sich Nutzer intuitiv zurechtfinden.

Regelmäßige Benchmarks

Wie sich die IT der Techniker Krankenkasse im Vergleich zu anderen Unternehmen schlägt, lässt der Manager in regelmäßigen Benchmarks prüfen: "Wir wollen damit vor allem Optimierungspotenziale identifizieren." Ein externer Dienstleister nimmt dazu zwei Referenzgruppen ins Visier: einerseits Versicherungsunternehmen ähnlicher Größe, andererseits die "Best Performer" aus anderen Bereichen im deutschsprachigen Raum. In der ersten Gruppe liege die TK ohnehin mit an der Spitze, freut sich der IT-Leiter. Raum für Verbesserungen sieht er gegenüber den Best Performern, beispielsweise wenn es um die Produktivität der Anwendungsentwicklung geht.

Welchen Stellenwert das Thema Innovation für den Versicherer besitzt, zeigt sich auch an organisatorischen Maßnahmen. Alle drei Monate tagt eine Innovationsplanungskonferenz. Vor allem die Gruppe der IT-Architekten habe dort gro-ßen Einfluss, so Schröder. Die finanziellen Voraussetzungen für Zukunftsprojekte hat die TK geschaffen: 33 Prozent der Ressourcen für die Anwendungsentwicklung sind für Neuprojekte reserviert. Seit 2004 ist das IT-Budget stetig gewachsen.