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14.08.1986

Die jüngsten Ankündigungen stammen von PKI und Ericsson:ISDN-fähige PBX-Minis auf der ganzen Linie

MÜNCHEN - Unter den Herstellern von digitalen Nebenstellenanlagen herrscht nach einer längeren Flaute wieder Aufbruchstimmung: Mit Low-end-Versionen Ihrer ISDN-Systeme wollen sie nun den Markt von unten aufrollen und verstärkt mittelständische Unternehmen bedienen. Auch in den USA deutet sich dieser Trend an.

Mit der Ankündigung einer "kleinen" ISDN-Kommunikationsanlage von sich reden machen derzeit Ericsson und die Philips Kommunikations Industrie AG (PKI). Letzteres Unternehmen will eigenen Angaben zufolge innerhalb des Sophomation-Konzeptes ein auf das künftige Netz der Deutschen Bundespost zugeschnittenes PBX-System für niedrigere Teilnehmerzahlen im nächsten Jahr auf den Markt bringen. Nach Aussage von Vorstandsmitglied Hans-Peter Friedrichsen wird diese Anlage für 10 bis 100 Teilnehmer bereits über alle bekannten ISDN-Schnittstellen verfügen und nicht wie beispielsweise die PKI-Anlage 2W180 nur durch Nachrüstung ISDN-tauglich werden. Ericsson will bereits in diesem Jahr mit einer "Miniversion" seiner MD 110-Anlage auf den Markt kommen. Über die genaue Zahl der Anschlüsse konnte das Unternehmen allerdings zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Auskunft geben. Produktmanager Hans-Dieter Leibold von der Ericsson Information Systems GmbH sieht im Bereich der mittelständischen Unternehmen insofern ein großes Absatzpotential, weil diese, Firmen nicht in einer Netzvielfalt leben, sondern sich ein kostengünstiges Netz suchen."

Den Zug der Zeit ebenfalls erkannt hat der Elektro- und Elektronikkonzern Siemens. Auf der letzten Systems stellten die Münchner eine Hicom-Anlage mit mindestens 60 und maximal 180 Anschlüssen vor, mit der man nach Unternehmensangaben das "Mittelfeld" erobern will. Siemens-Pressereferent Walter Keller vermutet, daß sein Haus besser als andere Firmen im Rennen liegt, und zwar unter anderem deshalb, weil Hicom in allen Baustufen ein echtes ISDN-Kommunikationssystem darstelle und dem potentiellen Anwender mit der Org.-ware Placom auch ein effizientes Hilfsmittel an die Hand gebe, um den Kommunikationsbedarf im eigenen Betrieb zu beschreiben. Das Massengeschäft sieht Keller allerdings sowohl im Bereich der kleineren als auch der großen Unternehmen. "Es gibt zwar weniger große Firmen, aber bezogen auf die Endgeräte ergibt sich für uns dort ein größerer Markt als im Mittelstand."

Noch weiter runter mit der Anschlußzahl geht die Stuttgarter Standard Elektrik Lorenz Aktiengesellschaft (SEL). Die kleinste Anlage des Systems 12B verfügt über vier Amtsleitungen und 30 Nebenstellen. Nach Firmenaussagen kann man jedoch an dem eigenen Angebot und den jüngsten Ankündigungen keinen Trend hin zu kleinen ISDN-fähigen Nebenstellenanlagen feststellen. Vielmehr dreht es sich aus der Sicht von SEL "um die Komplettierungen bereits vorhandener Produktsysteme".

Schließlich hat man auch bei Nixdorf und Wang Überlegungen angestellt, wie man den kleineren Kunden eine ISDN-fähige Anlage schmackhaft macht. Im Gegensatz zu den übrigen Office-Automation-Anbietern will die Wang Deutschland GmbH jedoch nicht selbst mit einem einschlägigen System auf den Markt kommen, sondern sich mit der Mitel Mikroelektronik und Telefon GmbH zusammentun. Dieser Hersteller führt ausschließlich die kleineren Ausbaustufen (2W30 bis 2W180). Nach weiteren Aussagen ist an eine Kopplung von Wang-Mikros an Mitel-Anlagen gedacht. Wie Wang-Produktmanager Michael Thieme in diesem Zusammenhang außerdem mitteilt, kann die Wang Deutschland GmbH aber auch selbst mit ISDN-Know-how aufwarten. Der Grund: Die amerikanische Muttergesellschaft habe seit Anfang des Jahres eine digitale Nebenstellenanlage mit ISDN-Option im Angebot. Das System mit der Bezeichnung WBX (Wang Business Exchange) sei auf bis zu 80 Teilnehmer ausgelegt.

Die Tendenz zur "low-end digital switch" scheint übrigens in Amerika ebenfalls an Boden zu gewinnen. So hat der Telecom-Gigant AT&T im Juli das System 25 angekündigt. Diese Anlage soll den Anschluß von 20 bis 150 "voice terminals" ermöglichen.

Mit dem sich anbahnenden Geschäft von kleineren Versionen könnten unter Umständen den beiden schon seit geraumer Zeit auf kleinere Anlagen spezialisierten OA-Anbietern DeTeWe und Telenorma einige Felle wegschwimmen. DeTeWe hatte mit seinem System Content 300 in der Ausbaustufe 2W30 und 2W80 bis dato fast eine Monopolstellung inne. Aufgrund der Angebote von PBX-Zwergen glaubt DeTeWe darum auch bisher auf dem Markt für digitale Nebenstellenanlagen mit ISDN-Option recht gut abgeschnitten zu haben. Im September wollen die Berliner nach eigenen Angaben das 3000ste System installieren, wobei der Bärenanteil auf die kleinen Ausbaustufen entfällt. Mit einer Miniversion (2W80) kann neben DeTeWe auch die Firma Telenorma aufwarten, die mit ihren Anlagen ebenfalls auf gute Stück- respektive Anschlußzahlen gekommen ist.

Die Tatsache, daß sich die Hersteller jetzt zunehmend auf die mittelständischen Firmen konzentrieren, ist aus der Sicht des Geschäftsführers vom Bundesverband Bürowirtschaft, Helmut Schmalfuß, ein folgerichtiger Markttrend, der mit den Vorstellungen der Deutschen Bundespost konform geht. "ISDN muß als Postdienst ein Massengeschäft werden." Die Erfahrungen mit dem Postmedium Bildschirmtext sollten sich nicht noch einmal wiederholen. Ähnlich beurteilt auch Angelika Huwe als PBX-Expertin beim Marktforschungsinstitut Infratest und Verantwortliche für das Comtech-Projekt die Marktsituation. Aus ihrer Sicht sind die "Großen jetzt abgesahnt" und "alles stürzt sich auf ein Potential, das von der Masse her eine Menge bietet, aber nicht so erfolgsgarantiert ist wie das obere Marktsegment, wo sich einfach ein größerer Bedarf an High-Tech erkennen läßt."