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Kolumne

"Die Justiz hat zu lange gewartet"

15.05.1998

Microsoft behauptet, den weltweiten Softwaremarkt nur zu maximal einem Prozent unter Kontrolle zu haben. Das zumindest rechnete der Softwaremulti seinen Kritikern vor, als die Monopolvorwürfe aus Sicht von Bill Gates außer Kontrolle zu geraten drohten. Das Argument erschien den Wettbewerbshütern jedoch offenbar als so lächerlich, daß sich der Druck auf Microsoft noch einmal verschärfte.

Daraufhin kam Gates die PC-Branche zur Hilfe - oder muß man angesichts der zuvor gelaufenen Monopol-Diskussion von einem Bärendienst sprechen? Jedenfalls zeichneten die prominentesten Vertreter der PC-Industrie nun das Bild einer Wirtschaftskatastrophe, die unweigerlich eintreten werde, wenn Microsoft Windows 98 - natürlich inklusive Browser-Technologie - nicht wie geplant ausliefern dürfe.

Es mag sein, daß ein Ausbleiben des Windows-98-Geschäfts tatsächlich einen Knick in der Umsatzkurve der PC-Branche verursachen würde. Rein volkswirtschaftlich betrachtet dürfte diese Delle jedoch schnell ausgebügelt sein: Millionen von Anwendern kämen um das Aufrüsten auf ein Betriebssystem herum, das außer ein paar Hardwaretreibern und Utilities keine echten Innovationen bringt.

Der Aufwand dafür ist nämlich unangemessen hoch: Mit der Auslieferung eines neuen Desktop-Betriebssystems beginnt für Anwender jener Teufelskreis, der den Herstellern die Taschen füllt. Die Hardware stößt an ihre Grenzen, neue Programmversionen stehen plötzlich nur noch unter Windows 98 zur Verfügung etc.

Den Takt für Veränderungen auf Anwenders Desktop gibt heute allein Microsoft an. Alternative Betriebssysteme sind selten geworden, ebenso Bürosoftware oder Utilities anderer Anbieter. Auf Server-Ebene zeichnet sich angesichts der NT-Dominanz und der Bundling-Strategie Microsofts eine ähnliche Entwicklung ab.

Natürlich werden Wettbewerbshüter, die dieses Monopol brechen wollen, die Satelliten rund um Microsoft in Gefahr bringen. Dieses Opfer sollte jedoch angesichts der Aussicht auf einen freien Markt, in dem sich nicht der dominante Anbieter, sondern das bessere Produkt durchsetzt, in Kauf genommen werden. Die Justiz hat schon zu lange gewartet: Bereits als Microsoft die Office-Suite und vor allem das Back-Office-Paket bündelte, hätte eingegriffen werden müssen.