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26.09.1975

Die Kasse stimmt, aber

Diplom-Kaufmann Hermann-J. Zellekens Geschäftsführer der Rationalisierungs-Gemeinschaft des Handels beim RKW e. V., Köln

Ein paar Jahrzehnte lang war die Kasse dem Handel nicht nur der Ladeneinrichtung liebstes Teil, sie war auch das letzte Ziel aller unternehmerischen Entscheidungen, gleichsam das "O" der Organisation. Nun soll sie auch deren "A" werden; "A" wie Auskunftsstelle oder Artikelkontrolle.

Denn eben dies ist das von den Herstellern mit Nachdruck vertretene - und inzwischen von breiten Kreisen des Handels übernommene Argument für den Einsatz neuer Kassiersysteme: nicht nur das Geld anzunehmen und zu sichern oder dem Kunden einen Bon über seinen Einkauf auszustellen, sondern dem Betrieb so schnelle, so genaue und so umfassende Informationen zu liefern, daß alle betrieblichen Dispositionen, wenn schon nicht optimiert, so zumindest "wesentlich" verbessert werden. Von der Einkaufsplanung über die Warenpräsentation bis hin zum Personaleinsatz. Kann die Kasse wirklich dieser Funktion gerecht und zum "A und O" der Organisation werden?

Unbestritten ist, daß die EDV-Hersteller inzwischen Anlagen bieten, die fast alles können, was man von ihnen verlangt - vorausgesetzt, die Dateneingabe ist gesichert. Und da modernes Kassieren meistens mit automatischem Kassieren gleichgesetzt wird, läuft die wichtigste Bedingung dann auf eine maschinell lesbare Auszeichnung Jedes einzelnen Artikels hinaus. Das Erfassen und Verarbeiten der auf den Etiketten enthaltenen oder über das Etikett - im Wege des "price-look-up" - abgerufenen Daten stellen dann kaum noch Probleme.

So die landläufige Auffassung, die damit den Schwarzen Peter der zögernden Einführung dieser Systeme jenen Stellen zuschiebt, die für eine einheitliche Artikelauszeichnung (womit sowohl ein einheitlicher Code als auch ein einheitliches Symbol gemeint sind) zuständig sein wollen und sollen.

Aber so wünschenswert hier eine - vor allem durch internationale Rücksichtnahmen erschwerte - endgültige und von allen Seiten praktizierte Lösung wäre, sollte man ihren Wert für den Handel gegenüber, dem Status quo nicht dramatisieren. Jedenfalls nicht, soweit es um die Entlastung von der Preisauszeichnung geht. Abgesehen davon, daß eine Auszeichnung durch die Hersteller für breite Sortimentsbereiche ohnehin ausscheidet, werden Stapelartikel in vielen Betrieben längst nur noch am Regal (oder aber durch den Hersteller) ausgezeichnet. Darum wird die Ersparnis durch Wegfall der Preisauszeichnung in zahlreichen Handelsbetrieben weniger groß sein als angenommen.

Auch die Beschleunigung des Kassiervorganges sollte nicht überschätzt werden. Sie könnte bei Einsatz von Datenkassen mit automatischer Lesung, insbesondere bei Einsatz eines - "Slot Scanners", zwar durchaus ins Gewicht fallen, macht sich aber mehr für die Kunden als bei den Kosten bemerkbar.

Eine nüchterne Analyse ergibt, daß die immensen Einsparungen, die in den USA dem Handel allein aus der Rationalisierung des Preisauszeichnungs - und des Kassiervorganges vorgerechnet worden sind, vom deutschen Handel (der es nicht mit Kreditkunden und unterschiedlichen Steuersätzen zu tun und in seinen Supermärkten eine ganz andere Kassenorganisation hat) nicht unbedingt als verbindliches Versprechen gewertet werden sollten.

Es bleiben die Vorteile, die sich aus der Datenerfassung an der Kasse ergeben sollen. Sie werden nur dann zu realisieren sein, wenn ein integriertes - das heißt ein von der Bestellung über die Wareneingangs- und die Bestandskontrolle bis hin zum Verkauf geschlossenes - System der Warenbewirtschaftung vorliegt, also die geeignete Software verfügbar ist Deren Entwicklung ist bis jetzt ohne Frage hinter der Hardware zurückgeblieben. Das liegt nicht zuletzt daran, daß von unterschiedlichen Branchen und Betriebsformen auch völlig unterschiedliche Anforderungen gestellt werden. Eine artikelgenaue Kontrolle des Verkaufs und damit des gesamten Warenflusses ist zwar der Traum der Perfektionisten, wird aber für sich schnell umschlagende Massenartikel nur dann Gewinn bringen, wenn es gelingt, zuverlässige Systeme einer automatischen Disposition zu entwerfen. Verkaufskontrolle und Bestandsführung sind für diese Sortimentsteile im Grunde weniger interessant. Anders bei hochwertigen modischen Artikeln: Hier scheidet eine automatische Disposition von vornherein aus; um so aufschlußreicher ist eine kurzfristige Erfassung von Waren-, Kalkulations-, Preis- oder Altersgruppen. Im einen wie im anderen Fall aber wird zur Ideallösung die artikelgenaue Datenerfassung unerläßlich sein. Im Idealzustand wird diese auch automatisch erfolgen, bis dahin aber wird man sich in vielen Unternehmen mit Zwischenlösungen zufrieden geben müssen. Bei ihnen wird man über eine manuelle Dateneingabe eine verfeinerte Kontrolle des Umsatzes vorbereiten.

Es ist gut, daß die von der Industrie angebotenen Verbundsysteme, die ein Höchstmaß an innerbetrieblicher Transparenz zu schaffen in der Lage sind, noch so teuer sind, daß sie selbst für größere Unternehmen alles andere als Bagatellinvestitionen darstellen. Der Handel ist so gezwungen, sich darüber klar zu werden, welche Informationen ihm tatsächlich Entscheidungshilfen geben. Er wäre schlecht beraten, würde er seine Zuflucht zu hypertrophierten Systemen nehmen, die ihn mit völlig unnützen - oder ungenutzten - Auswertungen versorgen würden.