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23.05.1975 - 

Soll man sich selbständig machen?

Die Kerle, die absahnen

Keine Fixkosten, kein Risiko, keine Altersversorgung, keine Sozialversicherung, - aber hohe Honorare. Diese Schlagworte kennzeichnen die Situation der Ein-Mann-Büros. Für den Anwender als Auftraggeber sind diese Freischaffenden billiger als die bekannten Beratungsfirmen. Darin liegt ihre Chance.

Softwarespezialisten sind teuer

Softwarespezialisten renommierter Häuser kosten zwischen 10 000 und 13 000 Mark im Monat, exzellente Programmierer zwischen 7000 und 12 000 Mark, Durchschnittsprogrammierer kosten noch monatlich zwischen 4000 und 8000 Mark. Der Fummler in Bit und Byte bekommt davon weniger als die Hälfte. Das heißt: Gemeinkostensätze zwischen 100 und 140 Prozent sind an der Tagesordnung.

Die Konkurrenz der Softwarehäuser

Was Wunder also, wenn führende Hersteller und große Anwender dazu übergehen, ihre Arbeiten im eigenen Haus zu erledigen und die Verträge mit den Dienstleistungsunternehmen nicht verlängern. Man ist allenfalls bereit, einem langjährigen Partner entgegenzukommen, indem man dessen Personal ausleiht - im Prinzip auf Kostendeckungsbasis. Das führt dann dazu, daß renommierte Softwarehäuser für Software-Spitzenleute auf 5000 bis 6000 Mark heruntergehen. Für so manche Firma, die aus von Herstellern abgewanderten Teams entstand, ist das bereits der Ruin.

Schneid und Können

Für den betroffenen Angestellten - um sein Team gebracht und lustlos, sich fremden Arbeitsgegebenheiten anzupassen - kommt jetzt die große Chance. Vorausgesetzt, er hat Schneid und Können. Er meldet sein eigenes Gewerbe an oder macht ein Ingenieurbüro auf und verkauft sich für den Leasingpreis oder diesen sogar noch unterbietend an den bisherigen Auftraggeber seiner verflossenen Firma.

Ohne Bürokosten billiger

Als Ein-Mann-Büro mit der Ehefrau oder Freundin als Sekretärin, mit dem Wohnzimmertisch als Programmierkonsole hat er ja Null Gemeinkosten. Sogar das Finanzamt kommt ihm entgegen und finanziert ihm einen Teil seiner Wohnung als Arbeitsraum. Für den Auftraggeber ist diese Lösung attraktiv. Er kann sich die Leute aussuchen und er trennt sich von ihnen, wenn er Ärger hat. Sie belasten seinen Etat nicht langfristig. Mit seiner Projektplanung bleibt er flexibel. Der Einzelkämpfer muß ständig beweisen, daß er 5000 oder 6000 Mark jeden Monat wert ist. Er muß in jedem Fall härter arbeiten als sein Kollege im Angestelltenverhältnis. Auch die Haftungsfrage ist anders gelöst: Er haftet bis zur Ablieferung und Abnahme des Programms, danach übernimmt der Auftraggeber die gesamte Wartung selbst.

Das Ende mit Vierzig

Die Sache hat ihre Schattenseiten. Der Chef der Ein-Mann-Firma muß sich selbst befragen: Du bist jetzt Anfang Dreißig. Spätestens in zwei oder drei Jahren kommt ein neues System und die Frage ist: Wie hältst Du Dich auf dem laufenden? Du mußt einen Kurs mitmachen und Du mußt ihn selbst bezahlen. Während dieser Zeit hast Du kein Einkommen. Ab Mitte Dreißig fällt das Dazulernen sowieso sehr viel schwerer. Irgendwann hast Du dann keine Lust mehr, und dann entsteht die Frage: Was nun? Du kannst in Deinem Ein-Mann-Büro nicht aufsteigen zum Gruppenleiter. Du hast ja die Spitze des Aufstiegs schon erreicht. Du kannst auch nicht zu einem großen Hersteller gehen und unten anfangen, weil Dir dann jüngere vor der Nase sitzen und das hältst Du nicht aus, abgesehen von Deinen Gehaltswünschen. Wer also die Chance hat, als Ein-Mann-Büro aufzutreten, der nehme sie wahr - sahne ab, zwei oder drei Jahre lang. Man mache aber jeden Tag pünktlich Feierabend und denke darüber nach, was die Zukunft bringen soll. hei