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Kein negatives Image vom jugendlichen Standstürmer:


03.05.1985 - 

"Die Kids sind unsere Kundschaft - wer sonst?"

CW-Bericht, Wolf-Dietrich Lorenz

HANNOVER - "Irre! Eine Sonderschau nur für Jugendliche." So strahlte der Messe-Veranstalter durch die rosarote Brille. Bisher allerdings war es mit der Zustimmung der Hersteller nicht gerade groß bestellt, wenn sich auf ihren Ständen die Freaks drängten, alle "Hobel" blockierten und - zum Arger älterer Herrschaften - durchaus Bits und Bytes auszählen wollten.

Nicht nur zwischen den Messehallen 7 und 12 - dem Domizil der Veranstaltung "Jugend + Technik" - war bei den Jugendlichen von Berührungsangst mit der neuen Technik nichts zu spüren.

Auch auf den Ständen der Hersteller von Rechnerzwergen herrschten Neugier und Faszination. Jugendliche Spontaneität bei der Begegnung mit Neuem war allerorten Trumpf.

Extrem hohes Mitteilungsbedürfnis

"Der Fragenkatalog der Jugendlichen ist wahnsinnig groß", weiß Albert Schneider, Geschäftsführer Technik und Einkauf der Schneider Rundfunkwerke AG in Türkheim, zu berichten. Dieses wichtige Potential von Interessenten zwischen zwölf und zwanzig Jahren existiert für die Türkheimer nicht nur zweitrangig neben Handel und solventen Kunden. Wie andere Kleinstrechnerproduzenten wollen "die Schneiders" mit Prospektmaterial die erste Information über ihre Produkte geben. Darüber hinaus stehen Mitarbeiter vom Außendienst und Service sowie von der Software für Gespräche besonders mit dem "künftigen Konsumenten" zur Verfügung. An den Geräten könne ungehindert gespielt werden.

Bei dem Unternehmen mit dem grünen Apfel als Emblem scheint die Distanz vergangener Jahre zur Jugend passe zu sein. "Dr. Apple" als Kummerecke und Wissensquell für viele schlaue Fragen zählen junge Apple-Fans zur wichtigsten neuen Einrichtung auf dem Messemarktstand. Hier können "Klein und Jung" die Fachleute aus der Mikro-Crew löchern und auf Apple-Früchten hacken. "Wir haben also nichts gegen die Jugendlichen, meint Pressesprecherin Renate Knüfer, "doch sind sie nicht unsere primären Ansprechpartner." Die Hands-on-Plätze mit Schul- und Business-Software ständen für "mehr oder minder Jugendliche" zum Ausprobieren bereit - also für den "anspruchsvollen Entscheider" sowie für den Schüler. Apple sieht demnach keine Konflikte vorprogrammiert: "Wir verweisen die Jungs nicht vom Stand".

Die Atari GmbH in Raunheim zollt dem Nachwuchs ihre Referenz. "Die jungen Leute von 14 bis 25 Jahren sind unsere Kunden", meint Atari-Prokuristin Ida Obermeier. So lautet auch die Philosophie von Jack Tramiel: "Leute, die schon wissen, was ein Computer ist, aber alles genauer kennenlernen wollen, können mit fast gleichaltrigen Demo-Mitarbeitern aus den Atari-Clubs in gleicher Sprache" reden. Selbst junge Leute mit einem "extrem hohen Mitteilungsbedürfnis", so Erich Grikscheit, Marketing, seien eigentlich keine Last. Zur Information über technische Details liegen neben allgemeinem Werbematerial Datenblätter über die Produkte bereit.

Das Engagement für Schule und Ausbildung schlägt sich bei der Commodore Büromaschinen GmbH, Frankfurt, in der Konzeption der Messe-Show nieder. "Natürlich freuen wir uns, wenn Kids wie auch ernsthafte Erwachsene zu uns auf den Stand kommen", so Pressesprecher Gerold Hahn, obwohl der Stand eigentlich "immer zu voll" sei. Es wären allerdings wenig Mädchen unter den Schaulustigen zu beobachten - wenn, dann "meist nur im Schlepptau von Jungen". An die Geräte könne jeder ran, doch der Prozentsatz von ihnen, der sich schließlich an den Maschinen betägige, liege nach seinen Schätzungen lediglich zwischen vier und fünf Prozent. Eine spezielle "Ecke" für Youngsters ist bei dem Homecomputer-Marktführer nicht eingerichtet. Zusätzlich stünden Verantwortliche für einzelne Bereiche - etwa das 64er Umfeld - zur Verfügung. Auf Fragen über die technischen Details hinaus nach Aus- und Berufsbildung habe sich ein fachkundiger Mitarbeiter eingestellt. Auch auf die Problemstellung "Computer in der Schule" sei man vorbereitet. "Wir verstehen uns allerdings nicht als Berufsberater."

Jugend und Manager als Partner für die Zukunft

Die neue Technik faszinierte nicht nur den technischen Akrobaten auf dem Computer. Ihre Anziehungskraft auch auf die große jugendliche Mehrheit bewies sich durch engagierte Beteiligung an Diskussionen ebenso wie durch volle Stände Gerade deshalb scheint es nötig, den Dialog zwischen der Jugend und den Entscheidern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu verstärken. Es geht weniger darum, technische Informationsdefizite abzubauen, als vielmehr zwei extreme Haltungen der Jugend zu korrigieren: Technikgläubigkeit sowie Technikfeindlichkeit. Dazu ist es nötig, daß die Manager aus der Industrie und Verwaltung sich als Partner den Fragen der Heranwachsenden stellen Wie Technik die Welt für die Jugend verändern kann und welche Qualifikationen sie anstreben soll, schließlich auch, ob sie einen Platz im Berufsalltag findet, ist dabei von höchstem Interesse.