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06.10.1978

Die kleinen Anwender brauchen das EDV-Know-how der großen

Mit Professor Dr. Fritz Krückeberg und Diplom-Kaufmann Friedrich Winkelhage, wissenschaftlich-technische Geschäftsführer der GMD, sprach E. Elmauer

- Die Standortbestimmung der GMD sieht zunächst einmal so aus, als wollten und müßten Sie angesichts enger gewordener Ressourcen in den Forschungsmitteln dafür sorgen, daß die Großforschungseinrichtung GMD rentierlicher arbeitet. Trifft dies zu?

Krückeberg: Dies ist eine Teilkomponente. Wir müssen aufgrund der Weiterentwicklung des Gesamtgebietes der Informations-Technologie und aufgrund der zunehmenden Bedeutung sozialwissenschaftlicher und organisatorischer Fragen bei der immer stärkeren Verbreitung der Informationstechnologie unsere Planungen darauf ausrichten, dem Rechnung zu tragen. Andererseits - und insoweit ist Ihre Frage mit ja zu beantworten - kombinieren wir diese Standortbestimmung mit der noch stärkeren Betonung einer aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten heraus zweckmäßigen Ausgestaltung unserer Arbeit.

Winkelhage: Ich würde noch gern ganz kurz hinterfragen, was Sie mit rentierlich meinen.

- Im einfachsten Sinne des Wortes, daß Produkte, die Sie hier schaffen, auch dem Markt in breiterer Form zur Verfügung stehen, als das bisher der Fall war.

Winkelhage: Es ist richtig, daß wir darauf hinarbeiten wollen, wobei ganz klar die Abgrenzung ist, daß wir unsere Aufgabe nicht darin sehen, sozusagen als ein zusätzliches Softwarehaus in den Markt zu gehen. Vielmehr wollen wir den Softwarehäusern dadurch Hilfestellung geben, daß wir Produkte entwickeln, die sie nutzen können. Das ist der wichtige Punkt dabei, daß etwas rauskommt, was dann am Markt tatsächlich eingesetzt wird.

- Nun konnten Sie sich immer bisher darauf beschränken, sozusagen im EIfenbeinturm zu forschen. Jetzt müssen sie marktnäher forschen und Projekte aufgreifen, die von vornherein Chancen haben, am Markt anzukommen. Bedauern Sie das nicht?

Winkelhage: Das muß man ergänzen. Es gibt da ein Stichwort, das im Zusammenhang mit Großforschungseinrichtungen häufiger genannt wird, das ist der Begriff der "angewandten Forschung". Auf der anderen Seite sind wir der Auffassung, daß wir Grundlagen-Forschung brauchen, die wir aber im Rahmen unserer Zielvorstellungen anzusiedeln haben. Daß wir also Grundlagenforschung da ansetzen, wo wir glauben, daß die anderen Partner Lösungen besser erreichen können, wenn wir einmal an einer Stelle tiefer gehen mit der Grundlagenforschung und dadurch neue Lösungen zur Verfügung stellen.

Krückeberg: Ich darf noch ergänzen: Der Anspruch, den die Auftragsprojekte, die wir für die öffentliche Hand durchgeführt haben - an uns gestellt haben -, war ja auch bereits ein Anspruch, der diese Frage "Elfenbeinturm" abgebaut hat. Nur bringen die Fragen des wirtschaftlichen Transfers eine weitere Verstärkung dieser Komponente mit sich, aber wir stehen nicht mehr in der Situation - seit Jahren nicht - auf der einen Seite "Elfenbeinturm" und Anwendungsorientierung auf der anderen Seite. Das wäre eine zu extreme Sichtweise.

- Konkrete Befürchtungen bestehen dennoch draußen, gerade bei Software- und Systemhäusern, daß dann, wenn die GMD mit ihrem geballten Know-how auf den Markt geht, einen ganz bestimmten Vorsprung schon vom Ruf her genießen wurde - vor allem, weil auch die Angst dabei ist, daß Sie eben Ihre Produkte etwas billiger oder mit weniger Aufwand zustande gebracht haben als andere. Wie sehen Sie dieses Problem?

Winkelhage: Diese Befürchtung ehrt uns natürlich. Nur möchten wir ihr dadurch entgehen, daß wir, wenn wir zu solchen Produkten kommen, diese nicht billiger am Markt vertreiben als Softwarehäuser, die vergleichbare Produkte anbieten - was durchaus sein kann -, sondern daß wir diese Produkte diesen Softwarehäusern zur Verfügung stellen, ohne ihnen Konkurrenz machen zu wollen. Das halte ich für einen ganz wichtigen Punkt. Und genau diese Flanke, die bisher vielleicht ein bißchen unklar und offen war, wollen wir wirklich zumachen. Deswegen auch die verstärkte Zusammenarbeit mit den Softwarehäusern.

- Trotzdem die Frage: Wer schöpft die Rendite ab, wer bestimmt die Höhe der

Rendite dann, wenn Sie Ihr Projekt zum Vertrieb an ein Softwarehaus weitergeben?

Winkelhage: Die Preisgestaltung muß erstens davon abhängig sein, was der Markt bringt. Es kann nicht sein, daß mit Softwareprodukten ruinöser Wettbewerb gemacht wird, das darf nicht sein. Von daher wird der Markt den Preis bestimmen. Das muß ganz klar gesehen werden. Dazu kommt der offene Zugang zu den Produkten. Das heißt: Jeder hat potentiell die Möglichkeit, Zugang zu diesen Produkten zu haben. Sie kennen selbst den Mark: Wenn schon drei Firmen das Ding vertreiben, werden es nicht zwanzig werden, weil das zuviel ist. Die Zahlen sind aus der Luft gegriffen - aber Sie sehen die Tendenz.

- Nun sprechen Sie gerade mit dem Zugang einen ganz wesentlichen Punkt an: Ein vor der GMD gewählter Partner ist gegenüber anderen, die nicht "erwählt" sind, bevorzugt Sehen Sie diese Befürchtung?

Winkelhage: Da sehe ich ohne Zweifel eine Gefahr. Wir sind jedoch eingebunden in Regelungen der öffentlichen Hand. Die sind ja recht streng, was Ausschreibungen und solche Dinge anbetrifft. Wir werden auf dieser Basis tatsächlich Lösungen finden müssen, um dieser Gefahr zu entgehen. Sie ist da, und wir wissen, daß sie da ist, und ich glaube, daß das schon ganz wichtig ist. Auf der anderen Seite muß man sehen, daß ein wirklicher Know-how-Fluß am besten durch Personen passiert - das ist ein gewisses Dilemma, da stimme ich Ihnen zu.

- Ist daraus, daß Sie Ihre Software-Aktivitäten verstärken wollen, zu schließen, daß auch die GMD sich sagt: Der Hardwareforschung ist genug geschehen, nun lasset uns die Software schaffen?

Winkelhage: Der Auffassung bin ich eigentlich nicht, daß Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Hardware bei der GMD nicht mehr getan werden soll. Da wurde ich ganz klar sagen, das heißt das Kind mit dem Bade ausschütten. Ich bin allerdings der Auffassung, daß auf dem Gebiet der Anwendung ein enormer Nachholbedarf da ist und der betrifft das Gebiet Software, Software-Technologie und Softwareentwicklung in erheblichem Maße. Hier will die GMD ihre bisherigen Anstrengungen verstärken.

Krückeberg: Man muß erstens sehen, daß zwar das relative Verhältnis zwischen Software- und Hardware-Anwendungen sich immer mehr verschiebt - immer mehr Software, immer weniger Hardware, im relativen Verhältnis. Aber die absoluten Aufwendungen für die Hardware sind nach wie vor enorm, auch wenn ein Preissturz da ist, und es ist außerordentlich wichtig, für kommende Generationen, von Rechnern zu vernünftigen Architekturlösungen zu kommen. Wenn man zum Beispiel an Mehrprozessorsysteme denkt, und wenn man an die Forderung denkt, daß man noch wesentlich ausfallsicherere Systeme braucht - von der Hardware her.

Wir selbst sind aus diesem Grund - wenn auch in einer recht schmalen Teilfrage - auf dem Gebiet der Rechnerarchitektur tätig. Wir verfolgen als kleines, aber doch sehr intensives Pilotprojekt den Komplex eines sogenannten Einheitsbaustein-Rechners. Die Idee ist, mit sehr wenigen Bauelementen -vieren nämlich -, die dann allerdings eine gewisse Redundanz haben, alle erforderlichen Leistungen der Funktionen eines Rechners zustande zu bringen.

- Sie stimmen mir doch generell zu, daß die Hardware im Augenblick in ihren Leistungen von kaum einer Applikation ausgeschöpft wird und daß sich jede Art der Forschung verdient machen würde, die Applikationsforschung betreibt und einfach nutzbar macht, was an technischem Gerät derzeit vorhanden ist.

Krückeberg: Das ist sicher richtig.

Winkelhage: ...dieser ganze Komplex Software-Entwicklung, Methodik der Software-Entwicklung und -Organisation ist ein ganz entscheidendes Problem.

Krückeberg: Folgender Begriff trifft die Sache recht gut: Was wir hier brauchen, sind Gestaltungs-Technologien, das heißt nicht nur Software-Technologie im engeren Sinne, sondern Software-Technologie plus der Dinge, wie sie Herr Winkelhage nannte. Man könnte diesen Komplex unter dem Schlagwort "Gestaltungstechnologie" zusammenfassen. Das ist das, was wir brauchen.

- Wenn nun hier Anwender gebeten werden, ihr Know-how einzubringen, müssen sie da nicht befürchten, daß sie mit der Hingabe ihres Know-hows auch einen Teil ihres - sicherlich fiskalisch nicht verwertbaren, aber einfach vorhandenen - Kapitals "Software" hingeben und sich damit einem größeren Partner ausliefern.

Winkelhage: Unsere Erfahrungen gehen dahin, daß das Gesamtproblem für die Anwender so komplex ist, daß die Bereitschaft, eine Lösung dieser Probleme gemeinsam mit uns zu erarbeite sehr groß ist. Ich habe gerade jetzt ... einer Studie zum Thema Software-Technologie, die uns dahin führen soll, einen Arbeitsplan für dieses Gebiet zu entwickeln, festgestellt, daß die Bereitschaft daran mitzuarbeiten vorhanden ist - gerade bei großen Anwendern, die vielleicht aufgrund ihres Know-hows eine solche Überlegung anstellen könnten.

- So daß die Großen noch mehr Vorsprung kriegen und die kleinen Anwender, die es eigentlich noch mehr bräuchten, weiterhin hängen bleiben?

Winkelhage: Sie können meines Erachtens die Lösung für die Kleinen nur aufbauen auf dem Know-how, das schon vorhanden ist. Ohne dieses Know-how, das bei den großen Anwendern tatsächlich vorhanden ist, werden sie es sehr schwer haben, zu Lösungen zu kommen, die den kleinen Anwendern nützen und von diesen akzeptiert werden können. Das ist meine Auffassung.

Krückeberg: ...und ich sehe auch (...) GMD-Rolle so, daß gerade wir dazu beitragen können, Lösungen zu entwickeln, als Pilotlösungen, die so geschneidert sind, daß sie auch ein kleineres Softwarehaus übernehmen kann. Darauf wurde ich großen Wert legen. Die GMD sieht sich parallel zu den genannten Aktivitäten weiterhin verpflichtet, die Ergebnisse ihrer Forschung und Entwicklung auf breiter Basis zu publizieren.