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27.04.2001 - 

Open-Source-Software/Linux-PDAs lassen auf sich warten

Die kleinen Pinguine

Ob als Server, Desktop, Großrechner oder als eingebettetes System: Linux breitet sich rasend schnell aus. In Sachen PDAs und Handhelds aber gibt es viele Ankündigungen und ebenso viele Verzögerungen. Von Eva-Katharina Kunst*

Noch sind die Regale leer. Wer im Computershop oder Kaufhaus einen Linux-PDA erwerben will, muss sich weiter in Geduld üben. Dabei sorgte bereits auf der CeBIT 2000 die Präsentation des ersten Linux-PDAs für Aufsehen. Enthusiastisch begrüßte die Open-Source-Anhängerschaft "Yopi"; die Vorstellung galt manchem schon als Beweis dafür, dass Linux auf seinem Siegeszug durch die Marktsegmente die nächste Bastion bezwingen werde.

Doch die Markteinführung wurde wieder und wieder verschoben: "Wir werden PDAs für den Anwender irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt auf den Markt bringen", erklärte Mitte März 2001 Weon Seok Lee, Senior Manager des koreanischen Herstellers Samsung, vage. Doch bereits auf der diesjährigen CeBIT war der Westentaschen-PC überhaupt nicht mehr zu sehen. Das Aus also für Yopi?

Ernste Rivalen für Palm und Co.?Auch bei weiteren Herstellern geriet die Entwicklung ins Stocken: Obwohl zunächst gleich mehrere Commitments die Hoffnung genährt hatten, Linux werde auf dem boomenden Markt der Mini-Computer Fuß fassen, schaffte noch kein Anbieter den Sprung zur Marktreife.

So machten im Jahr 2000 der Marktführer Palm, mit Handspring und Microsoft mit dem System Pocket-PC nahezu den gesamten Handel von 9,4 Millionen verkauften PDAs unter sich aus. Doch von einem durch Gartner und IDC prognostizierten sprunghaften Anstieg der Nachfrage auf 64 Millionen Geräte bis 2004 dürften wohl auch andere Anbieter profitieren. Linux könnte dabei einen Marktanteil von zehn Prozent gewinnen, so die Analysten.

Trotz der bisherigen Enttäuschungen stehen inzwischen die Chancen gut, dass die ersten reinen Linux-PDAs noch in diesem Jahr das Licht der Mobile-Welt erblicken werden. Ein aussichtsreicher Kandidat ist das kalifornische Unternehmen Agenda Computing. Anders als bei Samsung soll das digitale Notizbuch "VR3" endgültig im zweiten Quartal dieses Jahres in der Consumer-Variante "VR3e" auf den Markt kommen (siehe Kasten).

Auch Agendas VR3 hat sich beträchtlich verzögert. "Unerwartete Probleme bei der Neuentwicklung der Software, Kapazitätsengpässe sowie erheblicher Aufwand für die Verwaltung und kontinuierliche Aktualisierung der Developer-Web-Sites" macht Jürgen Schuster, Geschäftsführer der deutschen Agenda-Tochter, als Ursachen der Verspätung aus. Im Gegenzug glaubt Schuster durch die Verzögerung "viele interessante Anwendungen, Verbesserungen und neue Tools" gewonnen zu haben. 250 Geräte hat Agenda für europäische Entwickler bereits ausgeliefert, wesentlich mehr sollen in die USA gegangen sein.

Im oberen Preissegment angesiedelt ist Compaqs "Ipaq 3630", der eigentlich mit Windows CE alias Windows Powered vorinstalliert ist. Zwar hält sich Compaq mit der Entwicklung und dem Vertrieb einer kommerziellen Linux-Ipaq-Variante - wohl mit Rücksicht auf Partner Microsoft - zurück, sponsert aber das Open-Source-Projekt "Open-Handheld-Programm" (www.handhelds.org). Infolgedessen entstanden erste Anwendungen für ein auf den Ipaq portiertes Linux.

Mittlerweile hat sich im Linux-Dienstleister Lisa Systems ein Partner gefunden, der den Linux-Ipaq kommerziell weiterentwickelt und vertreibt. Mit der Entwicklerversion "Lisa mLinux" in Version 0.9 steht das Hamburger Unternehmen kurz vor der Freigabe der Anwenderversion 1.0 (siehe Kasten). Eigenen Angaben zufolge hat Lisa seit Dezember vergangenen Jahres 100 Entwicklerversionen seines Linux-Ipaq abgesetzt. Für die Zeit ab April rechnet das Systemhaus mit einer Nachfrage aus dem Projektgeschäft von durchschnittlich 400 Stück pro Monat.

Ideal für sicherheitssensible AnwendungenDabei liegt der Marketing-Fokus ganz auf dem Business-Sektor: Unternehmen mit Außendienst, Direktbanken, Funknetzbetreiber und Anbieter von technischen Wartungsleistungen gehören zur Zielgruppe von Lisa. "Die Handhelds per Server zu warten, upzudaten und verlorene Daten zu ersetzen ist beispielsweise für Außendienste von Versicherungen wichtig", bemerkt Robin Jacobitz, Geschäftsführer von Lisa Systems. Er hält es für konsequent, Netzwerke und mobile Endgeräte mit demselben Betriebssystem zu betreiben wie die Server. Zudem sei der hohe Sicherheitsstandard von Linux für kritische Anwendungen wie Mobile Banking attraktiv.

Den Einzelanwender hat Lisa vorerst noch nicht im Visier: "Vom Coolness-Faktor einmal abgesehen, wird sich ein Linux-PDA erst dann durchsetzen, wenn er nach Funktion und Design mindestens gleichwertig und preiswerter als die Konkurrenz ist", glaubt Jacobitz.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Von der Ausgereiftheit eines Palm oder eines Pocket-PCs sind die Linux-PDAs noch weit entfernt. So lässt das Power-Management zu wünschen übrig - in der Entwicklung von Linux zu einem Server-Betriebssystem kam es eben nicht darauf an, Batterie-Sparmaßnahmen einzubauen. Auf Applikationsebene hapert es bei der Multimedia-Funktionalität und beim Datenabgleich mit der Windows-Software auf dem Desktop.

Dass diese Funktionalitäten kommen werden, bezweifeln die wenigsten. Doch wann? Überzeugt von der Qualität quelloffener Entwicklungen setzen die Linux-PDA-Hersteller gern auf den Input aus der Open-Source-Gemeinde. Zu Recht: Mitte März hat Transmeta die von Linux-Vater Linus Torvalds vorangetriebene Mobile-Linux-Version "Midori" ins Netz gestellt. Midori ist insbesondere als Systemsoftware für energiesparende Geräte wie PDAs und Handhelds, aber auch Webpads geeignet.

Vorerst fehlt die KillerapplikationGleichwohl ist die Zusammenarbeit zwischen der Community und kommerziellen Unternehmen nicht frei von kritischen Punkten. "Man kann freie Entwickler per definitionem nicht auf bestimmte Entwicklungsziele ausrichten", konstatiert Jacobitz. Und auf Entwicklungstermine auch nicht.

"Es existieren einfach noch zu wenige fertige Lösungen, und dennoch ist der Markt der Linux-PDAs im Kommen", glaubt Michael Mächtel, Direktor Embedded Linux bei Innominate, und prognostiziert einen generellen Umschwung hin zu "All-in-one"-Geräten. Während der heutige Konsument neben dem PDA noch ein Handy und ein Notebook benötigt, soll in Zukunft der Handheld-Computer die gesamte Funktionalität übernehmen.

Wenn die PDAs zum selbständigen Begleiter mit der Leistungsfähigkeit eines PCs plus Handy anvancieren, lässt sich das Potenzial von Linux als stabiles, skalierbares und technisch überlegenes Betriebssystem weit besser ausschöpfen. "Heute im Handel erhältliche PDAs leisten aber in der Regel selten mehr als Adress- und Terminverwaltung. Sie stellen an die Leistungsfähigkeit des Betriebssystems ebenso wenig Ansprüche wie auf der anderen Seite die Smartphones, die jetzt zunehmend Organizer-Fähigkeiten bekommen", stellt Dirk Hohndel, CTO beim Linux-Distributor Suse, fest. Hohndel zieht daraus die Konsequenzen für die Nürnberger Firma: "Unser Augenmerk richtet sich auf die künftigen Generationen mobiler Geräte, die aller Voraussicht nach die traditionelle Funktion der Desktop-Systeme ergänzen werden."

Trotz der Skepsis zumindest gegenüber einem kurzfristigen Erfolg im Massenmarkt bekennen sich immer mehr Hersteller zu Linux auf PDAs und Handhelds: Sharp kündigte eine Linux-Variante seines auf dem japanischen Markt erfolgreichen PDAs "Zaurus" an und Royal den "daVinci DV6". Mit Mobiltelefon und Kamera werden die Linux-PDAs der koreanischen Unternehmen Palmpalm und M-Dream (Modell "IMT2000") und des israelischen Herstellers Galleo ("Mobile Multimedia Communicator") ausgestattet.

Skeptiker bleiben Microsoft treuDer überzeugte Linux-Protagonist Hewlett-Packard mischt hingegen nicht mit. Vermutungen, HP werde die hauseigene PDA-Reihe "Jornada" mit Linux auzurüsten, sind anscheinend aus der Luft gegriffen. "Wir haben derzeit keine Pläne, bei den Jornadas Linux zu implementieren", winkt Ralf Groh, Leiter PC und Appliances Marketing bei HP, ab. Er weist darauf hin, dass dem Anwender mit Windows Powered die gewohnten Microsoft-Programme zur Verfügung stünden - was Benutzung und Datensynchronisation besonders einfach mache.

Und Yopi? Der erste Linux-PDA wird wohl tatsächlich niemals in den Läden auftauchen. Entgegen offizieller Dementis besagen interne Quellen, dass Samsung unzufrieden mit der Qualität der Yopi-Entwicklung sei und überlege, sich vom Projekt wie auch vom koreanischen Partner G-Mate zu verabschieden. Den Glauben an einen Linux-PDA habe Samsung damit aber nicht aufgegeben: Man werde sein Glück mit einer Eigenentwicklung versuchen.

*Eva-Katharina Kunst ist freie Journalistin in Kempen.

Bald verfügbar: Ipaq und VR3Anwenderversionen von Linux-PDAs sind in greifbare Nähe gerückt. Der von Compaq mit Windows Powered ausgelieferte Pocket PC "Ipaq 3630" wird vom Hamburger Systemhaus Lisa Systems mit Linux vorinstalliert angeboten. Der Ipaq ist mit einem 206-Megahertz-Strongarm-Risc-Prozessor sowie 32 MB RAM und 16 MB Flash-ROM bestückt. Die aktuelle Entwickler-Distribution "Lisa mLinux 0.9" verfügt über Dialer und Internet-Zugang, als Browser fungiert eine Version von KDEs "Konqueror". Zur grafischen Benutzeroberfläche QPE gehören Organizer-Software, Spiele und ein MPEG-Player. Noch fehlt ein E-Mail-Client, dessen Entwicklung aber auf der To-do-Liste ganz oben steht. Die Anwenderversion 1.0 wird für das dritte Quartal 2001 erwartet, und preislich soll das Gerät mit der Microsoft-Variante des Ipaq (derzeit 1362 Mark) auf gleicher Höhe sein.

Mit Compaq buhlt der vom amerikanischen Hersteller Agenda Computing entwickelte "VR3" um den Titel "erster reiner Linux-PDA". Der VR3 hat einen mit 66 MHz getakteten 32-Bit-MIPS-Prozessor und verfügt über 8 MB RAM sowie 16 MB Flash-ROM. Die aktuelle Entwicklerversion VR3d 1.1 enthält die klassischen Personal-Information-Management(PIM)-Applikationen wie Terminplanung, Erledigungsliste, Notizen und Kontaktverwaltung. Neu implementiert wurde der Datenabgleich mit Windows-PCs (Quick-Sync). Ein E-Mail-Client ist bei dem Mini-Linux-Rechner ebenso vorhanden wie die Möglichkeit von Software-Downloads über den Web-Browser. Agenda Computing plant, im Sommer 2001 die Consumer-Variante VR3e zu einem Preis von voraussichtlich 580 Mark zuerst in den USA und dann in Europa auszuliefern.

Links

Portale

www.mobilelinux.com

www.handhelds.org

www.linux-pda.de

Linux-PDAs

Agenda VR3

www.agendacomputing.de

Compaq Ipaq

www.lisa.de und www.compaq.com/products/Ipaq

V-Tech Helio

www.vtech.com,www.myhelio.com

Yopy

www.gmate.co.kr

daVinci DV6

www.royal.com

IMT2000

www.palmpalm.co.kr

Zaurus

www.sharp.de

Distributionen und Oberflächen

"Pocket-Linux" von Transvirtual Technologies:

www.pocketlinux.com

"Microwindows" von Century Software Embedded Technologies

www.microwindows.org

"Qt Palmtop Environment" von Trolltech

www.trolltech.com/products/qt/embedded

"Midori-Linux" von Transmeta

http://midori.transmeta.com