Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

01.12.1978 - 

Interessengemeinschaft Lack finanziert gemeinsam Branchenpaket:

Die Kommune teilt die Kosten für den Dialog

MÖNCHENGLADBACH/DÜSSELDORF - "Nur die Kommune machte es möglich" witzelt Rolf Zum Bruch sen., Inhaber der Reiter Lackfabrik GmbH in Mönchengladbach, über die Notgemeinschaft von 20 Lackfabriken, die als "lnteressengemeinschaft EDV in der Lackindustrie" das dialogorientierte Branchenpaket DIMA-Lack auf die Füße stellte. Wichtigster Partner - mit hohem Einschuß an Erfahrung und Lehrgeld: Die Kienzle Matthiesen GmbH & Co KG in Düsseldorf.

Als Mitte 1976 beim Farbenmixer Zum Bruch der betagte Fakturierautomat und der Buchungs-Methusalem dabei waren über die Wupper zu gehen, bot sich die Gelegenheit, "eine EDV-Lösung kleinster Art" (Zum Bruch) für diese Aufgaben einzuführen. Was daraus geworden ist? Ein Kernpaket mit den Programmbereichen Auftragsbearbeitung, Fertigung, Lager, Einkauf und Statistik, das alle Anwendungsmöglichkeiten, die sich nach dem Stand der Technik in einer Lackfabrik ergeben, auf modernste Art "totschlägt". Als vorsichtiger Kaufmann holte sich der Firmeninhaber einen Betriebsberater vom RKW, der als Hardware-Lösung eine MKC-Anlage empfahl.

Rat bekam Vater Zum Bruch auch vom ältesten Sohn, Rolf: Der beschäftigte sich in seiner Examensarbeit mit den Möglichkeiten des Minicomputer-Einsatzes in kommerziellen Anwendungen. So gab's dann Kontakte zu Dietz in Mülheim, zu MAI in Frankfurt und CTM.

Zum Bruch sen. war inzwischen ein Licht aufgegangen: "Eine Batch-Lösung, wo alle zur Zentrale laufen müssen und nur einmal in der Woche oder nur alle paar Monate die Daten ausgespuckt werden, das konnte nicht der wahre Jakob sein." Aber eine "dialogorientierte Magnetplattenlösung mit Betonung auf intelligentem Arbeitsplatz", die stach als optimale Lösung ins Auge.

Kommune gegründet

Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße: "Mir war gleich klar, daß sich mein Unternehmen eine EDV wie sie mir vorschwebte, nicht leisten könnte." Hauptgrund: Die Softwarekosten.

Doch was wäre naheliegender für einen Kaufmann - als Arbeitsteilung, Risikoumschichtung? Prompt reifte in Zum Bruch der Plan, die Kommune zu gründen, in die achtzehn deutsche Lackfabriken und zwei schweizer Unternehmen eintraten; ganz unterschiedliche Betriebe, mit Umsatzgrößen von 5 bis 40 Millionen Mark. Und zu Recht kann Zum Bruch heute stolz auf das Novum verweisen, daß es hier der ersten Gemeinschaft gelungen ist, ein Branchenpaket gemeinsam zu entwickeln und vor allem gemeinsam zu finanzieren, genau aufgeschlüsselt nach der Kopfzahl.

Dabei waren nicht von Anfang an alle Zeichen auf "neuzuschreibendes Individual-Programm "gestanden. Aber daß es nicht anders ging, das zeigte sich, nachdem Zum Bruch bei Kollegen herumgefragt hatte, wer eine EDV-Lösung hat und wer keine. Auch das ISIS-Angebot prüfte der Dialog-Fan flüchtig - und ohne Erfolg. Als die Interessengemeinschaft, der gleich 15 Unternehmen beitraten, gegründet wurde, ergab auch die Bestandsaufnahme in der Gruppe nichts Tragfähiges:" Da gab es eine IBM 132, die machte nichts außer Auftragsbearbeitung und Buchhaltung, dann gab es MAI-Lösungen, die hatten zwar schicke Programme in der Schublade, die aber nicht benutzt wurden," erinnert sich Zum Bruch.

Dickes Pflichtenheft

Und so mußte noch einmal ein Gutachter her, der ein zehn Zentimeter dickes Pflichtenheft ausarbeitete, nachdem er analysiert hatte, was man mit der EDV zweckmäßig in einer Lackfabrik machen kann. Freilich: Beim Pflichtenheft da kam schon achtzig Prozent des Inputs von den künftigen Anwendern.

Bei den möglichen Hardware-Lieferanten mußte der Anbieter nachweisen können, überall in der Bundesrepublik präsent zu sein. Die Wahl fiel recht früh auf das Kienzle-System 6100 (Modell 9066). Läßt Zum Bruch Revue passieren: "Hewlett Packard ist mit der 3000 viel teurer und dann konnten die auf dem kommerziellen Markt nie richtig Fuß fassen. DDC würde ich als Nichthersteller nie nehmen. Dietz hat nie die Bedeutung erlangt und Nixdorf bringt mit der 8870 nicht die Leistung." Auch mit DEC wurde verhandelt - aber: "Ich sehe keine kommerziellen Lösungen von DEC", schließt der Lackfabrikant dieses Kapitel.

Anzumerken ist, daß auch die Alternative Service-Rechenleistung in Anspruch zu nehmen, zumindest andiskutiert wurde. Aber wegen der Dialogforderung war dies nie ernsthaft in Betracht gezogen worden, weil der Dialog mit dem Arbeitsplatz, in der Rezeptur, in der Fertigungsanweisung, bei der Abfüllanweisung " über ein Rechenzentrum wahrscheinlich nie zustande gekommen ist - und online, das wäre zu teuer geworden."

Schließlich ging's an die Realisierung - an das Kapitel Software. Clever vereinbarten die Lackfabrikanten einen Festpreis "der bei weitem nicht ausreichte," wie Zum Bruch weiß.

Der Festpreis lag bei 250 000 Mark für die Batch-typischen Applikationen; 100 000 Mark Extra-Zuschuß sollten die Standard-Softwarekosten abdecken: "Auf jeden Fall ist ungefähr das Dreifache an Kosten entstanden, was uns aber nichts macht, weil wir ja einen Fix-Preis vereinbart hatten," strahlt Zum Bruch, weil so die Kommune nicht zum Gelackten wurde.

Schreibkram hört auf

Auch wenn es ein Jahr länger gedauert hat als geplant - das Verhältnis zu den Kienzle-Mannen ist großartig. Und ganz allein soll der Lieferant auch nicht auf den Kosten sitzen bleiben: Wenn das Paket nun an neue Mitglieder verkauft wird "und da kommen noch einige nach, das sind die Vorsichtigen, die erst mal in Wartestellung standen", klassifiziert Zum Bruch, ist Matthiesen-Kienzle zu 50 Prozent am Preis beteiligt. Kulant ist sich die Interessengemeinschaft einig "niemand ausnutzen zu wollen, wenngleich der Fehler in der Kalkulation gemacht hat."

Am ersten Januar soll nun das Programm seine Feuertaufe bestehen. Zunächst im Abschnitt Fertigung, und zwar bis zum Abfüllbericht, auch der Bereich Lager und Einkauf soll mit der Auftragsbearbeitung nun ab Jahresbeginn EDV-unterstützt laufen. Stufe um Stufe werden die nächsten Programmschritte ins Unternehmen transplantiert. Was bleibt, das ist die große Hoffnung, "sehr viel effizienter arbeiten zu können. Vor allen Dingen klarer zu sehen und nicht mehr im Betrieb rumlaufen zu müssen, um nachzugucken, was steht da in der Ecke und was da," träumt Zum Bruch von der Zukunft.

Jetzt werden die Kunden sehr viel rascher mit Auskünften versorgt werden t können und der Schreibkram mit untergeordneter Arbeit hört auf.

40 Prozent gespart

Das in ANSI-COBOL geschriebene Paket wurde mit etwa sechs Mannjahren Programmierarbeit geschriebene. Die Entwurfs- und Planungsphase beanspruchte rund 30 Prozent die Realisierung 40 Prozent, die Testphase etwa 30 Prozent des Zeitaufwandes. Vor allem in den Segmenten Fibu, Kostenrechnung, Lohn und Gehalt sind Standardprogramme eingearbeitet. Der neugeschriebene Anteil umfaßt etwa 70 Prozent des Gesamtpaketes. Matthiesen-Kienzle schätzt die Manpower-Ersparnis durch Standardprogramm-Einbau auf 40 Prozent.

Beim Neuprogrammieren wurde auf einen modularen Aufbau des Gesamtpaketes geachtet, wobei strukturierte und normierte Programmierung angewendet wurden. Der Speicherbedarf für die größeren Programm-Module beträgt etwa 50 K. Die Minimalkonfiguration sieht 160 K, zwei Bildschirme, einen Drucker und zweimal 10 MB Plattenkapazität vor. Die planmäßigen Antwortzeiten liegen bei Normalbetrieb zwischen ein und zwei Sekunden.

Der Preis beträgt für IG-Lack-Mitglieder 50 000 Mark, wobei 20 000 Mark Einlage darstellen und 30 000 Mark aIs Benutzungsgebühr deklariert sind.