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23.06.1978

Die Konkurrenz klar ausgepunktet:Rechnerauswahl-Oktett votiert für Tandem Konzept

AUGSBURG - Deutschlandpremiere: Das erste bundesdeutsche 4-Prozessor-Nonstop-System Tandem 16 wird Ende August im "Hauptkrankenhaus" des Augsburger Krankenhauszweckverbandes installiert. Ab 1980 soll die ausfallsichere Konfiguration dann im bis dahin fertiggestellten neuen Augsburger Zentralklinikum (Kapazität: 1400 Betten) eingesetzt werden. Ein achtköpfiges neutrales "Rechnerauswahl"-Gremium gab dem Tandem-Konzept den Vorzug vor zwei Eclipse M/600-Systemen von Data General und einem Siemens 7.738-"Duo".

Der Krankenhauszweckverband unterhält derzeit insgesamt sieben Kliniken mit zirka 1900 Betten. Auf eine eigene kommerzielle DV-Anlage hatten die Verbands-Oberen bisher verzichtet. "Wir benutzen im Augenblick fünf Terminals, die über Standleitungen an die städtische IBM 370/145 angeschlossen sind", beschreibt Dr.-Ing. E. Wilde die ihm unterstehende Datenverarbeitung beim Krankenhauszweckverband. Die Bildschirme sollen nun möglichst schnell durch das Tandem-System abgelöst werden, "weil dieses Standleitungs-Konzept sehr teuer ist," so Wilde. Schnellstens soll der Nonstop-Rechner auch der Programmentwicklung dienen; "möglichst schon bevor" 1980 die ersten Patienten ins neue Zentralklinikum einziehen sollen, sollen die wichtigsten Applikationen realisiert sein. Dazu gehören Anwendungsprogramme für die Patientenaufnahme und -bestandsführung, die Leistungsanforderung, die Speisenversorgung, ferner für die Kosten- und Leistungsrechnung, die Patienten-Abrechnung sowie für die Finanzbuchhaltung.

Bei Vollast 80 000 Bildschirm-Dialog-Schritte

An das 4-Prozessor-System sollen im neuen Klinikum insgesamt 80 Bildschirm-Terminals angeschlossen werden - darunter 56 "intelligente" Modelle, die mit zusätzlichem Matrixdrucker und mit Siemens OCR-Lesepistole ausgerüstet sind. "Bei Vollast erwarten wir dann an die 80 000 Transaktionen beziehungsweise Bildschirm-Dialog-Schritte pro Tag," umreißt Wilde das künftige Arbeitsvolumen.

Neben den Bildschirmen werden zahlreiche didizierte Subsysteme der

medizinischen Technik online an das Tandem-System angeschlossen. So ein aus zwei - noch auszuwählenden - Prozeßrechnern bestehendes Labor-Diagnostiksystem und das bereits im Einsatz befindliche Laborsystem "Silab".

Um "die Verantwortung für die Rechnerauswahl nicht allein tragen zu müssen" und "um die Entscheidung gegenüber den politischen Gremien durchsetzen zu können", bot DV-Leiter Wilde einen siebenköpfigen Kreis von Sachverständigen "EDV-in-der-Medizin-Know-how" auf.

Darunter waren Lehrstuhlinhaber und RZ-Leiter. Gemeinsam entwickelte das Auswahl-Oktett ein Punktesystem für die Rechnerauswahlphase, wobei der Kaufpreis zunächst ausgeklammert blieb.

Die Systeme HP 3000 von Hewlett-Packard und IBM 370/138 - jeweils als Doppelrechner-Konfiguration ausgelegt - schieden da bereits vorzeitig aus.

Auch DEC kam über diese Phase nicht hinaus: "Die boten ihr System 2020 so halbherzig an, daß wir kein Vertrauen fassen konnten", erinnert sich Wilde.

In die Endausscheidung kamen schließlich die Rechner von Tandem, Siemens und Data General. Hier behauptete sich schließlich das Nonstop-System mit 270 Punkten vor den 7.738er-Zentraleinheiten mit 207 Punkten und den "Eclipsen" (202 Punkte).

"Skurriler Outsider"

Ein wesentliches Kriterium für diese Entscheidung war die Tatsache, daß sich das Tandem-System problemlos ausbauen kann, und zwar "nahezu rückwirkungsfrei auf bestehende Applikationen", lobt Wilde. Positiv gewürdigt wurde auch die allgemeine Ausfallsicherheit, "die wir hier unbedingt brauchen", und natürlich die durch das "Stand-by"-Konzept erhöhte Systemleistung.

Die vom Krankenhauszweckverband Augsburg gekaufte Tandem-Konfiguration umfaßt zwei Prozessoren mit je 480 KB, zwei CPUs mit 384 KB sowie acht Magnetplattenlaufwerke Ó 300 MB für die Patientendatenbank.

"Von etablierten Universalrechner-Anwendern wird man als - Tandem-

Kunde zunächst als skurriler Outsider betrachtet," schmunzelt Wilde. Doch das stört ihn nicht. Er ist überzeugt, "daß sich das Nonstop-Konzept im Markt durchsetzen wird".

Weiß er doch, daß es "in anderen Kliniken bald Nachahmer geben wird".