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20.01.1978 - 

Die Zukunft der 43 530 deutschen Bankstellen liegt im Dialog:

Die Kreditwirtschaft ist kein Feld für Standardlösungen

MÜNCHEN - Noch 1973 hatte der Bayerische Sparkassen- und Giroverband in einer Untersuchung pessimistisch behauptet: Online-Verkehr lohnt sich nicht für Banken. Mittlerweile gehören die Bayern selbst zu den eifrigsten Verfechtern des Online-Konzepts, denn: In der bundesdeutschen Kreditwirtschaft gibt es keine Diskussion mehr darüber, daß die Zukunft der Banken nur im Dialog zu bewältigen ist.

Wie viele der 43 530 Bankstellen, so die statistische Auflistung der Deutschen Bundesbank für Ende 1976, jetzt schon zwischen Flensburg und Watzmann über Standleitungen kommunizieren, ist nicht feststellbar: Von den großen Privatbanken (nach der Bilanzsumme reihen sich die ersten drei in Deutsche, Dresdner und Commerzbank) hat zum Beispiel die Commerzbank bereits jetzt ihre sämtlichen 800 Niederlassungen im Online-Verbund zusammengeschlossen, während bei der Dresdner Bank nur die meisten Großstadtfilialen online kommunizieren.

Für die EDV-Hersteller sind schon die 500 privaten Kreditinstitute mit ihren 7376 Bankstellen innerhalb der Bundesrepublik ein heißumworbener, wenngleich zäh zu erschließender Markt. Ein wesentlich größeres Potential stellen sicherlich die 649 Sparkassen mit 16 226 Zweigstellen (zusammen 16 875 Bankstellen) und die 5038 Kreditgenossenschaften mit insgesamt 19 279 Bankstellen (alle Zahlen aus der Bundesbank-Statistik per Ende 1976) dar, wobei sich bereits 2500 Genossenschaftsbanken gemeinschaftlicher DV-Dienstleistung bedienen.

Die Kreditwirtschaft gehörte - mit den Versicherungen - zu den Wegbereitern der EDV-Großanwendungen: Klar, daß die Byte-Profis der schwarz-rot-goldenen-Geldverleiher unterdessen mündig geworden sind und neue DV-Konzepte sorgfältig, aber eben auch besonders vorsichtig realisieren. Obgleich die Hersteller seit gut zehn Jahren für "Online-Konzepte, die auch morgen Bestand haben" die Werbetrommel rühren und die VBs von der innerbetrieblichen Organisations-Autarkie der Zweigstellen schwadronieren: Bisher sind erst etwa 13 000 Terminals bei den Banken eingesetzt, wovon allein 7500 bei den Sparkassen stehen.

Zwang zum Perfektionieren

Dieser Bestand dürfte sich indes in den nächsten Jahren lawinenartig verändern. Es sind weniger Kostenfragen (ob Personal oder Sachkostenaufwand), die hier für die EDV-Hersteller Aufwind bringen, als Zuwachs im Mengengeschäft und vor allem der Zwang, die Qualität der Bankleistung immer schneller als die Konkurrenz zu perfektionieren. So schätzt zwar Dipl.-Kfm. Jürgen Dube, Geschäftsführer des Betriebswirtschaftlichen Instituts der Deutschen Kreditgenossenschaften, "mehrere hundert Bankstellen könnten auch künftig damit auskommen, wenn der Filialleiter die Zahlen seiner wichtigsten Kunden im Kopf oder im Notizbuch mit sich trüge" Diebold-Marktforscher Wolfgang Dernbach kennt aber bereits , eine kleine Sparkasse, die sich zum Online-Verkehr entschlossen hat, weil zwei Häuser weiter eine Großbank diesen Service bietet und die Kunden schon mal klagen, in der Sparkasse müßten sie sich zweimal am Schalter anstellen, bei der Großbank nur einmal".

Das reine Mengengeschäft ist sicher auch bisher schon bei den Banken eine sichere Domäne der EDV: Die Bundesbankstatistik untermauert, daß alleine die "giralen Verfügungen" (Kontenbelastungen von Nichtbanken durch Überweisungen, Lastschriften und Scheckverrechnungen) die personelle Leistungsfähigkeit der einzelnen Banken längst gesprengt hätten: Im Monatsdurchschnitt schwanken diese giralen Verfügungen, addiert für alle deutschen Banken, um 630 Milliarden Anweisungen - mit Spitzenwerten von mehr als 814 Milliarden. Ohne EDV geht nichts mehr.

COM-Einsatz in beträchtlichem Umfang

Bereits zur Systems hatte die mit dem Bankgeschäft intim vertraute Münchner Alldata Service GmbH bei 30 Kreditinstituten erhoben, daß sich der Bildschirm in den Abteilungen Spar, Kontokorrent, Effekten und Buchhaltung sichtbar durchgesetzt hat, sowie im Spargeschäft schon bei 60 Prozent der Befragten Kassenterminals eingesetzt sind, die auf 88 Prozent steigen werden. Auch der COM-Einsatz nimmt nach der Alldata-Recherche mit 40 bis 53 Prozent in den verschiedenen Sparten schon einen beträchtlichen Umfang ein.

Ein leidiges Problem wird jedoch weiterhin die Softwarefrage bleiben: BlK-Dube resümiert zwar, "daß auch die sonst so hochgelobten Amerikaner im Bereich der Bankendaten-Verarbeitung uns nicht lehren könnten" - doch die Standardisierung im Software-Bereich bleibt ungelöst. An der Schwierigkeit, die Vielzahl der Bankstellen organisatorisch unter einen Hut zu bekommen, müßte jeder Programmierer scheitern.