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23.11.2006

Die Kunst der emotionalen Führung

Spitzenleistungen kann ein Team nur bringen, wenn es ein Ziel leidenschaftlich verfolgt. Was Führungskräfte vom Mannschaftssport lernen können, verrät Weltmeister-Trainer Bernhard Peters im CW-Gespräch.*

CW: Was sind aus Ihrer Erfahrung als langjähriger Hockey-Nationaltrainer gute Rahmenbedingungen für Motivation?

Bernhard Peters

Drei Mal hat Bernhard Peters die deutsche Hockey-Nationalmanschaft zum Weltmeister-Titel geführt und damit Hockey zu einer der erfolgreichsten Ballsportarten in Deutschland gemacht. Nach dem jüngsten Erfolg wechselte der 46-jährige Trainer die Sportart und ging zum Fußball-Drittligisten TSG Hoffenheim nach Nordbaden. Als Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung steht er nun zusammen dem ehemaligen Bundesliga-Trainer Ralf Rangnick (zuletzt Schalke 04) an der Spitze des Kompetenzteams, das den Aufstieg des von SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp geförderten Vereins in die Bundesliga vorantreiben soll. Zugleich ist Peters als Berater für den Deutschen Fußballbund im Sport-Kompetenz -Gremium aktiv.

PETERS: Es muss körperliche Fitness da sein, die Leute müssen im Kopf gut vorbereitet sein. Der ganze Rahmen muss klar sein: Wo wollen wir hin? Das Ziel muss realistisch sein. Aus dem Ziel muss jeder seine Anerkennung ziehen können, sonst kann er daraus keine Motivation von innen entwickeln. In einer Mannschaft müssen alle hundertprozentig hinter dem Ziel stehen, etwa eine Weltmeisterschaft zu gewinnen. Eine wichtige Voraussetzung ist auch, dass jeder in der gesamten Vorbereitung solch eines Zieles Verantwortung für das Ergebnis übernehmen kann.

CW: Wer seinen Mitarbeitern keine Verantwortung überträgt, kann sie nur schwer motivieren?

PETERS: Verantwortung ist ein entscheidender Impuls, um jedes Mitglied einer Gruppe motivieren zu können.

CW: Wie sollte eine Führungskraft gestrickt sein, damit sie andere überhaupt motivieren kann?

PETERS: Die Führungskraft muss sich selbst reflektieren können und wissen, wie sie auf eine Gruppe wirkt. Ich muss meine Persönlichkeit richtig einschätzen können. Dann ist es entscheidend, mit welcher Vermittlungskompetenz ich an so eine Gruppe herangehe, wie ich partnerschaftlich die Teammitglieder in Entscheidungsprozesse einbeziehe, so dass sie sich auch mitgenommen fühlen.

CW: Wie kann man die Außensicht auf sich selbst herstellen?

PETERS: Es ist auf jeden Fall leichter, wenn ein Coach die Führungskraft begleitet. Zudem gibt es mentale Trainingsformen, seine Persönlichkeit zu hinterfragen.

CW: Wenden Sie selbst mentale Trainingsformen an?

PETERS: Entscheidend ist, dass ich meine Vorgehensweise selbst spiegele, mich selbst kontrollieren kann, mich im Kopf auf Stressituationen vorbereite und dann auch auf allen Ebenen meine Mannschaft, die einzelnen Spieler, gut wahrnehme.

CW: Kann man motivieren lernen?

PETERS: Ja, bis zu einem gewissen Grad. Es ist wichtig, ein Gespür für die Situation einer Mannschaft und des Einzelnen zu haben. Man sollte in der Lage sein, die Teammitglieder individuell anzupacken.

CW: Wann haben Sie selbst gemerkt, dass Sie andere begeistern können?

PETERS: Das ist auch eine Frage der Erfahrung, dass man so etwas lernt. Wenn jemand immer mit sehr viel Leidenschaft und Energie vorangeht, ist das schon einmal ein guter Impulsgeber für Motivationsreize, die er in der Gruppe setzen möchte. Es ist entscheidend, in den Gesichtern und an anderen Körperzeichen der Spieler erkennen zu können, ob ich sie "packen" kann oder nicht. Ich glaube, ich konnte sehr pragmatisch meine Spieler auf jeweilige leichte oder schwere Gegner richtig einstellen.

CW: Welche Eigenschaften schließen die Kunst der Motivation aus?

PETERS: Es gibt sicher Menschen, die sich nicht dafür eignen, als Leader vor einer Gruppe zu stehen und diese mitzureißen. Wenn eine Beziehung zwischen Mannschaft und Trainer nicht stimmt, kommt dieser auch nicht so an die Spieler heran, dass er sie packen kann. Die emotionale Verbindung zwischen Trainer und Team muss so sein, dass die Spieler ihn annehmen, wie er ist. Der Trainer muss authentisch sein mit all seinen Stärken und Schwächen . Es gibt viele Beispiele, wo man schon nach kurzer Zeit sagen kann, dass keine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Mannschaft und Trainer entstehen wird. Das liegt dann fast immer an der zwischenmenschlichen Ebene. Es ist wichtig, sich vorher genau zu informieren, ob beide Partner zueinander passen. Das Profil eines Trainers sollte so geschärft werden, im Hinblick auf seine Aufgaben mit dieser Mannschaft. Hat der Trainer das Profil, das ich als Verein suche?

CW: Welche Rolle spielt die Kommunikation für die emotionale Verbindung?

PETERS: Sie ist Teil der emotionalen Verbindung. Auch diese Ebene ist ein weites Feld, in der ich als Trainer viel lernen kann, wie ich klug verbal oder nonverbal kommuniziere. Die emotionale Verbindung kann sich erst im Laufe einiger Wochen herausarbeiten. Bei einigen Menschen und Trainertypen braucht es mehr Zeit.

CW: Hockey ist ein Teamsport. Was ist die wichtigste Voraussetzung, damit das Team zusammenwächst.

PETERS: Ganz wichtig ist, die richtigen Spieler- und Charaktertypen zu treffen. Es muss sich eine gesunde Hierarchie im Team aufbauen. In einer Mannschaft muss es viele unterschiedliche Typen geben, sowohl von der Altersstruktur her als auch von den Motiven der Spieler. Man kann nicht nur Spieler mit Führungs- und Machtansprüchen in der Mannschaft haben, sondern man braucht auch Spieler mit sozialen Motiven. Es gibt aus meiner Erfahrung sehr viele weitere wichtige Aspekte, um einen Teambuildungsprozess erfolgreich zu gestalten. Leistung darf auf keinen Fall das alleinige Kriterium sein. Im pragmatischen Bereich könnten hier Firmen vom Spitzensport etwas lernen.

CW: Was können Führungskräfte von Spitzensportlern lernen?

PETERS: Manager sollten den emotionalen Teil von Führung mehr in ihre Kommunikation mit dem Team einbringen. Sie sollten weniger die Sachkompetenz als die soziale Kompetenz der Führungskraft in ihren Fokus stellen.

CW: Wie kann man sich emotionales Führen vorstellen?

PETERS: Das Ziel, das man verfolgt, sollte auf die Gefühlsebene des Gehirns kommen. Dadurch kann man eine Verhaltensänderung eher bewirken, als wenn man nur eine sachliche Information stetig wiederholt. Wenn ich einem Spieler hundertmal sage, dass er mehr trainieren soll, dann kann er das irgendwann nicht mehr hören. Ich versuche darum, in seinem Gehirn Bilder zu malen und sage: Wenn du diese Schusstechnik beherrscht auf der rechten Position, dann kannst du im Halbfinale unser entscheidendes Tor schießen. Du bist doch genau so heiß wie ich auf den Sieg, und der klappt nur, wenn du von rechts genau dieses Tor machst. Wie fühlt sich das an, wenn du das Tor gemacht hast? Wir wollen zusammen dieses Gefühl haben. Das Gehirn muss ein gefühlsmäßiges Interesse an der Information haben, dann ist es auch zu Verhaltensänderungen bereit. Der Unterschied zwischen einer Mannschaft , die "Dienst nach Vorschrift" macht, und einer, die "brennt", ist die Leidenschaft und die Emotion (auch besonders des Trainers). Die Gefühlsebene ist der "Turbo" der Spieler. Ich versuche, Leidenschaft in der Arbeit als Trainer zu zeigen, es um der Leistung willen zu machen, mit Hingabe für die Ziele und Aufgaben.

CW: Welche Rolle spielt die Bezahlung in Sachen Motivation?

PETERS: Zwischen überdurchschnittlichen und Spitzenleistungen machen Sie nichts mit Boni, sondern nur mit Leidenschaft. Entscheidend ist, dass die Motivation aus dem eigenen Antrieb kommt. Man kann gewisse Teile des Menschen immer von außen anschieben, aber der entscheidende Impuls muss von innen kommen.