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27.03.2007 - 

Kolumne

Die Kunst des Krieges

Gibt es überhaupt ein Hightech-Unternehmen, das nicht systematisch Daten über seine Konkurrenten sammelt? Das sich nicht bemüht, so viel wie möglich über seine Kunden, Produkte, Preise und Vertriebswege zu erfahren? Wenn überhaupt, dann würde man diese wenigen wohl als naiv oder schlicht als dumm bezeichnen.

Oracle und SAP sind dagegen keinesfalls naiv, sie beäugen sich gegenseitig mit Argusaugen, wissen viel über einander und versuchen jede Attacke des Gegners zu kontern. Seit Jahren pflegen sie ihre Feindschaft. Vor allem Oracle-Chef Larry Ellison verhält sich zumindest verbal so, als wenn er die Auseinandersetzung mit SAP streng nach dem großen chinesischen General Sun Tzu als "Kunst des Krieges" sehen würde.

Allerdings interpretiert Ellison den Chinesen sehr frei. Der mittelalterliche General arbeitete mit feinster Klinge beziehungsweise Feder, während der Oracle-Chef eher ein Anhänger brachialer Aktionen zu sein scheint. Letzter Beweis dafür ist die Klage, die Oracle gegen SAP wegen angeblichen Diebstahls von Softwareprodukten und anderem vertraulichen Material (siehe Seite 12) vor einem Bezirksgericht in San Francisco erhoben hat. Einmal abgesehen davon, ob Oracle Recht bekommt, versucht Ellison offenbar, SAP ständig zu beschäftigen. Sun Tzu: "Geschulte Kriegsherren bestimmen das Schlachtfeld. Sie lassen sich nicht vom Feind diktieren, wo sie kämpfen."

Die Scharmützel fungieren auch als Ablenkungsmanöver. Schließlich hat Oracle es trotz milliardenschwerer Zukäufe bisher nicht geschafft, die Walldorfer im Applikationsgeschäft ernsthaft anzugreifen und muss daher die offene Feldschlacht vermeiden.

Aber der eitle Chefstratege von Oracle übersieht die Interessen bestehender und potenzieller Kunden. Wenn er für das Scharmützel die Namen der Anwenderfirmen veröffentlicht, die angeblich SAP die Zugriffe auf Oracles Server erst ermöglicht haben, sendet er damit ein klares Signal: Mit Oracle ist nicht gut Kirschen essen; vor allem dann nicht, wenn man als Anwender andere Interessen verfolgt als der Softwarekonzern. Daran werden sich die Kunden in Entscheidungssituationen erinnern, egal wer die Auseinandersetzung vor dem Gericht in San Francisco gewinnt.

Ellison sollte deshalb seinen Sun Tzu noch einmal durchlesen. Der General schreibt nämlich auch: " Der siegreiche General hat vor dem Kampf sehr viele Berechnungen angestellt, der Verlierer zu wenige."

Diese Kolumne finden Sie auch im Blog der computerwoche unter blog.computerwoche.de. Dort können Sie Ihre Meinung abgeben und sofort veröffentlichen. Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.