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08.10.1993

Die Landkarte mit Texten, Bildern und Videos garniert Den Beamten vom Katasteramt waere Multimedia gerade recht Von Felix Weber*

Multimedia ist laengst zu einem Schlagwort der Computerbranche geworden - obschon ein grosser Teil der von den High-Tech-Propheten versprochenen Anwendungen noch wenig ausgereift ist. Eine Ausnahme ist die "lebendige Landkarte", die zwei junge Geografen und Informatiker entwickelt haben.

Gute Landkarten enthalten eine Fuelle von Informationen. Doch um diese zu nutzen, muss man sie auch lesen koennen, und das ist nicht jedermanns Sache. Heute ist das kein Grund zum Verzweifeln mehr: Computergestuetzte geografische Informationssysteme helfen nicht nur Laien auf den Sprung, sondern bieten auch Fachleuten voellig neue Moeglichkeiten. Sie praesentieren auf dem Bildschirm neben praezisen Karten gleichzeitig situationsbezogene Texte, Bilder oder gar Videos, und zwar nicht als fix vorgegebene Show wie im Kino, sondern genau in der Auswahl, die der Benuetzer im Moment gerade wuenscht.

Ein Beispiel aus der Praxis: Der Computerbildschirm zeigt eine Karte irgendeines Fleckchens Erde. Natuerlich gaebe es eine solche Darstellung auch auf Papier - aber geografische Informationssysteme bieten einiges mehr: Sie verknuepfen solche Karten mit einer Vielfalt von anderen Informationen und machen alles an einem einzigen Ort zugaenglich: naemlich auf dem Computer.

Dazu braucht es vier Komponenten: Erstens einen leistungsfaehigen Rechner, auf dem die Karte in digitalisierter Form gespeichert ist. Zweitens ein Programm, das die digitalisierte Karte lesen kann. Drittens eine Datenbank, welche die zugehoerigen Informationen liefert, und viertens sogenannte "Action-Media- Hardware". Das ist eine Spezialelektronik, die fuer die audiovisuelle Praesentation der Daten zustaendig ist (technische Details siehe Kasten). Martin Huber und Thomas Buehrer, zwei junge, in Geografie und Informatik gleichermassen bewanderte Koepfe, haben fuer IBM eine solche Multimedia-Anwendung entwickelt.

Das Resultat ist ein Informationssystem, mit dem man auf einem gewoehnlichen Personal Computer an beliebigen Orten einer digitalen Karte nebst Texten und Bildern auch situationsbezogene Videosequenzen abrufen kann - eine Weltneuheit. Und zwar eine, die nicht nur versponnene High-Tech-Freaks interessiert, sondern auch ganz nuechterne Beamte.

Zum Beispiel die Sachbearbeiter von Bau- und Planungsaemtern. Wenn sie Katasterplaene, Vertraege, Vorschriften, Bilder und andere Unterlagen nicht immer erst muehsam aus unterschiedlichsten Quellen zusammensuchen muessten, sondern jederzeit auf dem Computer abrufen koennten, liessen sich viele Baugesuche wesentlich einfacher und zuegiger erledigen. Vor allem dann, wenn ein Teil der Dokumente noch anderweitig benoetigt wird und keine Kopien vorhanden sind. Bei computerisierten Informationssystemen tritt dieses Problem gar nicht auf: Die Originale bleiben physisch im Archiv und sind daher stets abrufbar - transportiert werden nur elektronische Duplikate.

Eine solche Multimedia-Loesung wuerden auch jene Leute begruessen, die ein unter Naturschutz stehendes Gebiet ueberwachen muessen. Auch sie koennten einfach den Computer konsultieren. Dazu braeuchten sie lediglich mit dem Cursor an die fragliche Stelle der digitalen Karte zu fahren, und das System wuerde ihnen praktisch im Handumdrehen alle gewuenschten Informationen liefern: zum Beispiel farbige Landschaftsbilder.

Oder ganze Pachtvertraege, komplette Angaben ueber Groesse, Zustand und Kulturart der angewaehlten Parzelle sowie Empfehlungen fuer die Bewirtschaftung. Auch eine Liste der dort vorkommenden Pflanzen samt illustrierten Artenbeschreibungen ist abrufbar. Ferner zeigt eine halbminuetige Videosequenz, was passiert, wenn Scharen von "Naturfreunden" geschuetzte Blumen pfluecken. Damit sind die Moeglichkeiten des neuen IBM-Systems aber noch lange nicht ausgeschoepft. Wer sich damit auskennt, kann ihm naemlich nicht nur bereits abgespeicherte Informationen entlocken, sondern aus diesen auch neue erzeugen.

Wie? Indem er zum Beispiel das Hoehenmodell einer Region nach verschiedenen Aspekten analysiert. "Mit unserem System", erklaert Martin Huber, "kann man die Daten wie Plastilin behandeln." So lassen sich zum Beispiel aus einem Hoehenmodell einer Landschaft Reliefformen extrahieren. Gibt man einen bestimmten Sonnenstand vor, so errechnet der Computer ein dreidimensionales Bild der Lichtverhaeltnisse in dieser Gegend - eine landwirtschaftlich wertvolle Information, die sich sonst nur mit unverhaeltnismaessig grossem Aufwand gewinnen laesst.

Multimedia, oft nur eine technische Spielerei, ist wie geschaffen fuer solche Anwendungen: Die Arbeitsablaeufe sind die gleichen wie frueher; nur geht aber alles viel einfacher, zuverlaessiger und vor allem schneller. (Siehe auch Beitrag auf Seite 87)