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23.07.2004 - 

Wo ältere IT-Experten noch Chancen haben

Die Leistung ist wichtiger als das Geburtsdatum

MÜNCHEN (CW) - Als der Coburger Automobilzulieferer Brose vor einigen Monaten explizit ältere Fachkräfte suchte, war das Medienecho groß: endlich ein Unternehmen, das Bewerbern über 45 Jahren eine Chance gibt. Auch in der IT-Branche, der Gewerkschaften schon seit Jahren einen Jugendwahn vorwerfen, gibt es noch Firmen, für die das Alter eines Interessenten kein Ausschlusskriterium ist.

Andreas Liebing gehört zu den Managern in der IT-Branche, die eine etwas andere Personalpolitik betreiben. Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Saperion AG hat in den vergangenen zwei Jahren zehn Vertriebsmitarbeiter eingestellt, die über 45 Jahre alt sind. Vier von ihnen sind sogar älter als 50 Jahre. "Ein junger Mitarbeiter kann oft nicht mit den Markterfahrungen, den Kontakten und dem Fachwissen der älteren Kollegen mithalten", ist Liebing überzeugt. Eine Erfahrung, die der heute 46-Jährige vor 15 Jahren bei der Unternehmensgründung selbst gemacht hat: "In den ersten Jahren sind uns aus Unerfahrenheit viele Fehler unterlaufen. Deshalb stellen wir für Schlüsselaufgaben lieber ältere Mitarbeiter ein. Sie kennen den Markt und strahlen in Kundengesprächen Seriosität und Glaubwürdigkeit aus." Mittlerweile ist jeder Fünfte der 150 Mitarbeiter des Dokumenten-Management-Anbieters älter als 45 Jahre.

Ein Mitarbeiter mit einer langen Berufsbiografie ist Horst Kraume. Der 60-Jährige kam im Jahr 2000 zu Saperion, das auch zurzeit neue Bewerber einstellt. Kraume hat als Vertriebsleiter die Aufgabe, das Geschäft in Belgien, den Niederlanden und Großbritannien anzukurbeln. In den Augen von Vorstandschef Liebing ist Kraume "die Idealbesetzung", da er schon bei vielen großen Softwarehäusern gearbeitet hat und in Sachen "Strategie und Kontakte aus dem Vollen schöpfen" kann. Im Gegenzug schätzt es der Vertriebsprofi, dass sein Arbeitgeber "nicht auf das Geburtsdatum, sondern nur auf die Leistungen schaut".

Auch die Matrix 24 AG in Neu-Isenburg hat nach den turbulenten New-Economy-Zeiten erkannt, dass einige Fehler auf mangelnde Erfahrungen zurückzuführen sind. "Ruhe und Struktur" sollen die älteren Mitarbeiter in das schnell wachsende Unternehmen bringen, wünscht sich Mark Muschelknautz, Marketing-Leiter des Vermarkters von Client-Management-Lösungen. Nicht nur als soziale Vorbilder schätzt er seine älteren Kollegen sehr. Sie haben im Gegensatz zu ihren jungen Kollegen lästige Profilneurosen meist längst überwunden.

In den Projektteams der Matrix 24 AG arbeiten jüngere und ältere Mitarbeiter zusammen: Die einen bringen Flexibilität, Querdenken und kritisches Hinterfragen eingefahrener Strukturen ins Team ein, die anderen Know-how, Kontakte und Spezialwissen. So hält sich im Idealfall die Waage, was dem Kunden nützt: das Wissen um technologische Trends sowie ein bewährter, sicherer Umgang mit Unternehmensstrukturen und Kundenbedürfnissen.

Doch nicht immer ist diese Zusammenarbeit ohne Konflikte, sagt Muschelknautz: "Manchmal fehlt es jungen Kollegen an Feingefühl, ältere Mitarbeiter bei der PC-Bedienung zu unterstützen. Weitere Brandherde können auftreten, wenn Vorgesetzte deutlich jünger als die meisten Teammitglieder sind." Für Saperion-Vorstand Liebing kann nur eine "Kultur der offenen Türen" die Brisanz aus solchen Situationen nehmen: "Natürlich muss am Ende einer entscheiden. Aber das tut er auf der Grundlage guter Argumente, nicht aufgrund seines Alters oder seiner Position." (am)