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04.01.1991

Die letzten Tage der europäischen Software

Mit Europas Software-Industrie geht es zu Ende. Soviel scheint sicher. Falls sie nicht vorher noch an ihrer eigenen Auszehrung zugrunde geht, wird sie 1993 der Konkurrenz ans Messer geliefert. Denn in Brüssel, so hört man, ist eine Verschwörung im Gange. Man will der Software den gebührenden Copyright-Schutz verwehren. Veranstaltet wird das finstere Treiben von vermutlich ahnungslosen (vielleicht aber auch gekauften?!) Europäern. Hinter diesen stehen natürlich ausländische (asiatische?!) Kräfte.

Das Verdienst, als erste und unermüdlich vor der gelben Gefahr gewarnt zu haben, gebührt zweifellos der IBM. Und Big Blue war es auch, die als gute europäische Softwarefirma nichts unversucht ließ, den heimtückischen Anschlag abzuwehren.

Allein, es scheint alles vergebens. In den nächsten Monaten wird der EG-Ministerrat eine Richtlinie beschließen, nach der künftig jeder rechtmäßige Besitzer eines Programms dieses analysieren darf, um herauszufinden, wie man andere Produkte daran ankoppeln kann. Doch während öffentlich immer nur von "offenen Systemen" und "Interoperabilität" geredet wurde, ging es in Wahrheit, und das hatte der blaue Ritter natürlich sofort durchschaut, nur um eines, um den Freibrief, die so überaus erfolgreiche europäische Software abkupfern zu dürfen.

IBM kennt sich aus bei diesem Thema. Vor sechs Jahren hatte die EG sie dazu verdonnert, die Schnittstellen ihrer Produkte zu veröffentlichen. Andernfalls wären Maßnahmen wegen Mißbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung ergriffen worden.

Ein Copyright für Software-Schnittstellen wäre da natürlich eine schöne Sache: Letztlich funktioniert in der Datenverarbeitung nur der Stromschalter ohne jede Software, und wer den Daumen auf dem Betriebssystem, auf den Kommunikationsprotokollen, auf den Treiber- und Kanalprogrammen hat, der hat das gesamte System in der Hand. jede Utility, jedes systemnahe Programm wäre genehmigungspflichtig. Was es an Peripherieprodukten gibt, bestimmte der Hersteller des Zentralsystems. Und wenn dieser Hersteller ein bestimmtes Produkt selbst anbieten will, momentan aber nicht dazu kommt, es zu entwickeln, dann gibt es dieses Produkt eben vorerst nicht zu kaufen. Und wenn er rundum alles selbst machen will, dann macht er eben alles selbst - wem das nicht gefällt oder wem das zu teuer kommt, der kann sich ja einen anderen Hersteller suchen. Wenn er es sich leisten kann.

Das ist natürlich ein Horrorszenario. Absolut unrealistisch. Natürlich würde kein Hersteller alles selber machen. Natürlich würden da auch Brotkrumen für die unabhängigen Hersteller abfallen. Tüchtige Zulieferer werden immer gebraucht.