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26.05.2000 - 

Virtuelle Marktplätze standen im Mittelpunkt der "Planet 2000"

Die Lieferkette ist tot, es lebe das Supply-Netz

WIEN (qua) - Supply-Chain-Management (SCM) ist derzeit eines der heißesten IT-Themen. Doch angesichts des Web wird aus der Zuliefer-"Kette" immer häufiger ein "Netz". Beispiele dafür lieferte die vom texanischen Softwareanbieter I2 Technologies initiierte, heuer erstmals in Europa veranstaltete Kongressmesse "Planet 2000."

Rund 1400 IT- und Logistik-Fachleute waren der Einladung nach Wien gefolgt. Die Veranstaltung wollte nicht nur I2-Kunden ansprechen, sondern alle, die in den Betrieben für logistische Planung verantwortlich zeichnen. Zum einen hatte I2 mit Andersen Consulting, Ariba, Ernst & Young, Deloitte Consulting, IBM, HP, KPMG, Siemens und Price-Waterhouse-Coopers hochkarätige Sponsoren gefunden, die das Vortragsangebot mit eigenen und/oder Kundenpräsentationen erweiterten. Zudem war das Themenangebot - analog zur Unternehmensstrategie - deutlich ausgeweitert worden: Es reichte von der Kapazitäts- über die Bedarfs- und Lieferkettenplanung bis zum Aufbau elektronischer Beschaffungsmarktplätze, für die I2 unter der Bezeichnung "Rhythm Marketplace Services" funktions- oder branchenspezifische Lösungen anbietet.

Der größere Teil der Kundenvorträge beschrieb naturgemäß den Einsatz von I2-Werkzeugen wie "Factory Planner", "Demand Planner", "Supply Chain Planner" etc. Doch wurden auch Beispiele für vertikale oder horizontale Märkte skizziert, die mit Hilfe der Tradematrix-Tools erstellt worden waren. Dazu zählen ein virtueller Branchenhandelsplatz namens "Chemicalsworld", eine in den Niederlanden beheimatete Gebrauchtwagenbörse für Kfz-Händler, die sich "Automobile Brokers Exchange" (ABE) nennt, sowie "I-Star Exchange", der elektronische Autoteilemarkt den Toyota und I2 gemeinsam aufgebaut haben. (Einige der vorgestellten Lösungen werden auf dieser und der nächsten Seite detaillierter beschrieben.)

"Die alte Zulieferkette stirbt; sie wird ersetzt durch Zuliefernetze", orakelte Romesh Wadhwani, CEO der Aspect Development Inc., Boulder, Colorado, in seiner Ansprache an das Planet-Auditorium. Die Marktrealität gibt dem Mann, der sein Unternehmen voraussichtlich am 9. Juni mit I2 verschmelzen wird, Recht: Arthur Sculley, Mitautor des Buchs "B2B Exchanges" (ISBN 9627762598), schätzt die Anzahl der Business-to-Business-Marktplätze derzeit auf satte 3000. Allerdings werde sich das Angebot schon innerhalb der kommenden Jahre konsolidieren, so dass "am Ende des Tages" für jeden vertikalen Markt - mit gewissen lokalen Ausnahmen - ein einziger "Gewinner" übrig bleibe.

Laut Sculley können die Kunden solcher Marktplätze zwischen 15 und 50 Prozent ihrer Beschaffungskosten sparen. Walter Grassl, Leiter Geschäftsstrategie beim I2-Partner Siemens IT Service, betonte jedoch, dass es den Unternehmen wohl weniger um unmittelbare Einsparungen als um eine Verbesserung ihrer Prozesse zu tun sei.

Einen weiteren Vorteil der virtuellen Handelsplattformen führte Peter de Greeff, Betreiber von ABE und der Gebrauchtcomputer-Börse "Computer Brokers Exchange" ins Feld: Meist böten solche Beschaffungsportale auch über den An- und Verkauf hinausgehende Services an, beispielsweise Transportdienste oder Versicherungen.

Bezüglich der Betreiber gibt es drei Modelle, von denen sich bislang keines als das einzig wahre herauskristallisiert hat: Kleinere und mittlere Unternehmen zeigen eine wachsende Bereitschaft, geschlossenen Third-Party-Märkten beizutreten. Die Konzerne tun sich schwerer damit. So entwarf Robert Bauer von der Münchner BMW AG - derzeit noch kein I2-Kunde - das Gegenmodell eines "privaten" Marktplatzes, der allmählich für Partnerunternehmen und andere Interessenten geöffnet werden soll. Laut Sanjiv Sidhu, Mitbegründer und CEO von I2, handhabt die Volkswagen AG ihre Beschaffung ähnlich. Vorteil für die Unternehmen: Sie behalten die volle Kontrolle über den Handelsplatz.

Die dritte Form des Marktplatzbetriebs nahmen General Motors, Ford und Daimler-Chrysler gerade in Angriff: Sie wollen einen gemeinsamen Marktplatz betreiben, um ihre geballte Beschaffungskraft taktisch ausspielen zu können. Wie Alexander Drobik, Vice President E-Business Transformation bei der Gartner Group, ausführte, markiert diese Initiative eigentlich erst den Übergang zwischen E-Procurement und E-Marketplace. Vielen Unternehmen ist seiner Einschätzung nach überhaupt noch nicht klar, was einen Marktplatz wirklich ausmache.

Diese Frage muss auch das US-Justizministerium für sich klären. Dem Vernehmen nach überlegt man dort, ob das Gemeinschaftsprojekt der drei Automobilhersteller nicht gegen Kartellgesetze verstoße.