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18.08.2006

Die Linux-Welt wird unüberschaubar

Die Konferenzmesse "Linuxworld" in San Francisco wird zu einem Kessel Buntes in Sachen Open Source.

Von CW-Redakteur Ludger Schmitz

Linux und in seinem Gefolge Open-Source-Anwendungen fristen auch in den USA kein Nischendasein mehr, sondern sind ein Topthema für IT-Verantwortliche. Das zeigte sich auf der Linuxworld Conference and Exposition" in der dritten Augustwoche im Moscone Center, San Francisco. Beispielsweise trug der Versicherungskonzern Nationwide vor, wie er durch massiven Einsatz von Linux und Virtualisierung die Auslastung seiner Server verbessert und die IT-Infrastruktur vereinfacht hat. Die DV-Manager wollen dadurch in den nächsten drei Jahren 15 Millionen Dollar einsparen.

Open Source ernst genommen

Günstigere Kosten sind nicht der einzige Punkt, der quelloffene Systeme attraktiv macht. "Ohne Linux hatten wir eine geringere Auswahl an Produkten", erklärt Curtis Edge, CIO der Bostoner Zeitschrift "The Christian Science Monitor". "Ich habe kein Problem damit, eine proprietäre und eine Open-Source-Anwendung gegeneinander abzuwägen. Wir wollen Open Source eine faire Chance geben."

Die Herangehensweise an Open Source habe sich geändert, bestätigt Raymond Zachary, leitender Analyst bei The 451 Group. "Die Akzeptanz kommt nicht nur von unten, sondern es gibt auch Top-down-Initiativen. CIOs beginnen, sich für die Implementierung einer Open-Source-Politik in ihren Organisationen zu interessieren und nicht mehr die schleichende Akzeptanz nachzuvollziehen." Neben den günstigeren Kosten seien die Vermeidung von Herstellerabhängigkeiten und die bessere Sicherheit die wichtigsten Motive.

Topthema für Entwickler

Nach einer Erhebung von Evans Data unter 400 US-amerikanischen Entwicklern sollen 2007 erstmals mehr Programmierer für Linux- als für Windows-Umgebungen arbeiten. US-amerikanische Anwender holen in Sachen Linux ihren Rückstand im Vergleich zur Situation in Deutschland schnell auf. Diese Entwicklung geht einher mit dem Trend zur Virtualisierung - und diese wurde zum Topthema der Linuxworld. Kein Wunder, denn etliche Aspekte im Kontext der Virtualisierung sind ungeklärt und liefern Stoff für Diskussionen.

So sind bei vielen Applikationen in virtuellen Umgebungen die notwendigen Lizenzen unbekannt. Immerhin bezieht Novell die Lizenzkosten auf die physikalischen Server, unabhängig von der Zahl der Linux-Instanzen auf ihnen. Microsoft hat Ähnliches für "Longhorn" angekündigt, die Frage ist nur, wie viel es kosten wird.

Die Party kann beginnen

Novell machte die Linuxworld zur Produkt-Launch-Party für die kurz zuvor freigegebenen Versionen 10 des Suse Linux Enterprise Server und seiner Desktop-Variante. Das Unternehmen versäumte es nicht, zu betonen, dass beide Betriebssysteme den Virtualisierungs-Hypervisor Xen enthalten. Obschon - zum Missfallen etlicher Messebesucher - nicht bei der Linuxworld anwesend, versuchte Red Hat in die Suppe zu spucken: Novell handle unverantwortlich, weil Xen noch nicht ausgereift sei und Anwender frustrieren könnte. Da spielte wohl eher Ärger auf Seiten des Konkurrenten eine Rolle, der Xen frühestens zum Ende dieses Jahres in das dann kommende Red Hat Enterprise Linux 5 integrieren kann. Außerdem haben die roten Hüte Xen noch im März dieses Jahres für ein ausgereiftes Produkt erklärt.

Es gibt allerdings ernster zu nehmende Kritik. Der leitende Analyst Al Gillen von IDC moniert, es mangle an geeigneten Tools für das Management der vielen und unterschiedlichen Betriebssysteme in virtuellen Umgebungen. "Tools für virtuelle Umgebungen fehlen", kritisiert auch Judy Chavis, Direktorin für Business Development bei Dell, "aber man muss daran erinnern, dass Virtualisierung eine neue Technik ist."

Mit dem Trend entstehe ein großer Markt, der Platz für viele Anbieter habe. Die Anwender würden sich vermutlich nicht nur für eine Lösung, zum Beispiel eine von VMware, entscheiden, sondern auch noch mit Alternativen wie Xen oder Virtuozzo arbeiten. Novell und der Virtualisierungsspezialist SWsoft kündigten Tools für die Integration verschiedener Virtualisierungstechniken an.

Standards sind gefragt

Die Verschiedenartigkeit der Virtualisierungslösungen führt zur Kritik, Xensource und VMware, die wichtigsten Linux-Virtualisierungsfirmen, würden nicht über einen Interface-Standard reden, um die Umgebungen interoperabel zu halten. Diese Forderung erhebt insbesondere das Linux-Kernel-Team, das nicht einfach Xen-Technik in den Betriebssystem-Kern integrieren möchte, sondern ein neutrales Interface für Virtualisierungslösungen favorisiert.

Nachdem sich in den letzten Jahren der einstige Hype um Embedded Linux gelegt hat, wurden überraschenderweise Linux-Handys ein Hauptthema auf der Kongressmesse. Das Marktforschungsunternehmen Diffusion Group erwartet, Linux werde innerhalb von vier Jahren Symbian als das marktführende Betriebssystem für Mobiltelefone ablösen. Motorolas Vice President Mobile Device Software, Greg Basio, bestätigte diese Einschätzung in seiner Keynote-Rede. 2010 werde die Hälfte der Handys seines Unternehmens auf Linux basieren.

Viel Rummel um Linux-Handys

Für Aufsehen sorgte auf der Linuxworld Trolltech mit dem Linux-basierenden Handy "Greenphone", welches das norwegische Unternehmen ab September dieses Jahres vermarkten will (siehe Kasten "Ausgewählte Produktneuheiten …"). Orange, das zweitgrößte europäische Telekommunikationsunternehmen, hat soeben eine Reihe neuer Linux-Handys in sein Angebot aufgenommen. Der US-Provider Mobile tut es ihm gleich.

Das Linux Phone Standards Forum (Lips) und die Mobile Linux Initiative (MLI) der Industrievereinigung Open Source Development Labs (OSDL) gaben in San Francisco bekannt, künftig eng zusammenarbeiten zu wollen, um Linux für Mobiltelefone zu standardisieren und zu verbessern.

Insgesamt kamen rund 11000 Besucher und 175 Aussteller zur Linuxworld in San Francisco. Diesbezüglich ist kein Aufschwung zu erkennen. Der Veranstalter hat daraus Konsequenzen gezogen und die bisher im Frühjahr stattfindende Ostküsten-Linuxworld in Boston aus dem Programm genommen. Statt der Bostoner Linuxworld findet im nächsten Februar in New York ein "Linuxworld Open Solutions Summit" statt. Dort soll es mehr um die Vorstellung von Open-Source-Lösungen für vertikale Märkte gehen.

Es fehlt der Fokus

"Die Linuxworld ist zunehmend uninteressant geworden", kritisiert Gordon Haffa, Analyst von Illuminata. "Die Kongressmesse umfasst alles, was mit Open Source zu tun hat - und das bedeutet heute so ziemlich alles in der IT. Und Shows ohne Fokussierung werden nicht ewig überleben. Kleinere, fokussierte Veranstaltungen entstehen und sind für die Besucher interessanter als große Messen."