Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

01.06.2001 - 

Zu Gast in München

Die Londoner Börse stellt sich vor

MÜNCHEN (CW) - Nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen Börse AG im vergangenen Jahr wirbt die London Stock Exchange (LSE) nun im Alleingang um die Gunst deutscher Unternehmen.

"Wer in Europa an einen Börsengang denkt", sagt Mike Harries, "sollte dabei auch den Finanzplatz London in Betracht ziehen." Der für die Weiterentwicklung der Londoner Börse verantwortliche Manager tourt derzeit mit einem Team von Unternehmern und Investmentbankern durch ganz Europa, und preist die Vorzüge eines Listings an der Londoner Börse. Grund für diesen Aufwand dürfte auch sein, dass die LSE ihrerseits über ein IPO im Sommer nachdenkt, sich also nicht nur Unternehmen als Handelsplatz, sondern auch Investoren als Anlage präsentieren möchte.

Tradition allein genügt nichtNicht nur, dass die London Stock Exchange auf eine Tradition von über 200 Jahren verweisen kann, das Finanzzentrum an der Themse gilt, gemessen an der Marktkapitalisierung der hier gelisteten Unternehmen, als größtes Europas. Doch die im vergangenen Jahr zwar angekündigte, aber schließlich geplatzte Fusion mit der Deutschen Börse in Frankfurt sowie der abgeschmetterte Übernahmeversuch der schwedischen OM-Gruppe zeigen, dass auch renommierte Finanzplätze sich nicht auf ihrer Tradition ausruhen können.

Um das Interesse vor allem junger Unternehmen zu wecken, präsentierten die Vertreter der LSE auf ihrer Roadshow in erster Linie die Wachstumssegmente AIM (Alternative Investment Market) und Techmark. Beide Segmente stehen im Wettbewerb zum Neuen Markt in Frankfurt, dem Nouveau Marché in Paris oder der Easdaq in Brüssel. Laut Harries repräsentieren sie in puncto Marktkapitalisierung immerhin rund die Hälfte aller europäischen Wachstumsmärkte.

An dem 1995 gegründeten AIM notieren derzeit 550 junge Firmen, deren Börsenwert sich auf rund 21 Milliarden Euro summiert. Ein eher geringer Wert im Vergleich zum Neuen Markt, an dem es die rund 340 gelisteten Unternehmen auf eine Marktkapitalisierung von knapp 80 Milliarden Euro bringen. Die Zugangskriterien für den AIM gelten als relativ anspruchslos: Wer einen festen Börsenberater präsentieren kann, den britischen Bilanzierungsvorschriften folgt und alle sechs Monate einen Geschäftsbericht abliefert, hat die formalen Voraussetzungen für eine Aufnahme bereits erfüllt. Während die Zielgruppe des AIM junge Unternehmen sind, richtet sich der vor zwei Jahren gegründete Techmark sowohl an Startups als auch an etablierte Unternehmen aus der Technologiebranche. Hier sind mittlerweile 244 Firmen vertreten, die Marktkapitalisierung liegt bei knapp 800 Milliarden Euro.

Die Argumente, die Harries für einen Börsengang in der britischen Metropole anführte, sind nicht neu: Es gebe mehr Analysten vor Ort als in jeder anderen europäischen Stadt. Allein auf die Softwarebranche sind laut Harries 450 Finanzexperten spezialisiert. Damit stiegen die Chancen für das einzelne Unternehmen, Beachtung zu finden, womit sich auch sich die Transparenz für die Anleger erhöhe. Dass jedoch gerade die Londoner Analystenszene in den vergangenen Monaten in Verruf geriet, verschwieg der Manager wohlweislich. Ein Vorwurf lautet beispielsweise, dass Analysten großer US-Investmenthäuser keine Verkaufsempfehlung für die Aktien von Unternehmen geben dürften, mit denen ihr Arbeitgeber noch Geschäfte machen will. Nach einer Untersuchung des Finanzinformationsdienstes First Call standen 1185 britischen Aktien nicht einmal 20 Verkaufsempfehlungen gegenüber.