Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.05.1999

Die Macken der Softwaregreise

Erwartet hatte das Jahr-2000-Team laut Projektleiter Ralf Seidler, daß bei der Zeitreise hauptsächlich Fehler auftreten, die durch das Zusammenspiel der Programme hervorgerufen werden. Doch dem war nicht so. Seidler führt das darauf zurück, daß die Jahreszahlen in den R+V-Programmen seit den 80er Jahren zusätzlich mit einem Jahrhundertkennzeichen versehen werden. 1 steht für 1900 und 2 für 2000. Dieses Zeichen wird bei Programmaufrufen mitübergeben.

In einigen Fällen aber war die Programmierung dennoch nicht richtig durchdacht. In der Haftpflicht-Prämienrechnung etwa entstand eine sechsstellige Forderung für 100 Jahre Versicherungsdauer. Dabei hatte das Programm zwar das Jahrhundertkennzeichen auf 2 hochgesetzt, aber die Jahreskennzahlen nicht von 99 auf 00 korrigiert.

In einem Fall in der Buchhaltung gehörten die beiden Endziffern der Jahreszahl zu einem Schlüssel, nach dem eine Tabelle sortiert wurde. Als das Programm die Ziffern von 99 auf 00 änderte, verrutschte die Reihenfolge, so daß die Datensätze mit der 00 im Schlüssel nicht mehr aufgefunden werden konnten.

Zu den typischen Fehlern, die während der beschleunigten Alterung auftraten, gehört das Füllen von Maskenfeldern. Die Programme erkennen 00 als nicht gültig oder als nicht gefüllt an.

Ebenso korrekt verhielt sich ein Programm, das zwar den 29. Februar 2000 als gültiges Datum eines Schaltjahres erkannte, bei der Wiedervorlage in zwei Jahren den 29. Februar 2002 aber als ungültig ablehnte. Das Programm hatte einfach zwei Jahre addiert und ließ unbeachtet, daß der neue Termin auf den 1. März 2002 hätte fallen müssen.

Während diese Programme die falschen Daten ablehnten und Eingaben verweigerten, ließ sich die Datenbank der Wohngebäudeversicherung beim Jahrhundertwechsel in die Irre schicken. Sie erfand einen dreizehnten Monat und registrierte den 1. 13. 1999.

Eine Manipulation der Zeitrechnung führte auch zu dem folgenden Schreiben, das ein Versicherungsnehmer eines Bauleistungsvertrags erhalten sollte: "Der nächste Winter kommt bestimmt. Kälte und Frost können zu Schäden an Ihrem Bauvorhaben führen, wenn nicht entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen werden." Der Brief war von der Software auf den 20.10.0099 des ersten frühchristlichen Jahrhunderts datiert worden.